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Satori vs. Shibumi

James Bond. Jason Bourne. Der Pate. Vom Winde verweht.

Satori Es geht eigentlich immer schief.

Verkünden die Erben eines verstorbenen Autoren vollmundig, sie haben nach langer Suche und gewissenhafter Prüfung einen Nachfolger gefunden, der das Hauptwerk ihres Vorfahren würdig fortsetzen wird, heißt das in der Klartext-Übersetzung stets: „Das Werk ist uns egal, aber das Geld nehmen wir gerne mit.“

Vorsichtiger Optimismus ist im Falle von Don Winslows Satori erlaubt, der die Vorgeschichte zum Agenten-Thriller Shibumi des 2005 verstorbenen Autoren Trevanian erzählt. Trevanian war zwar ein Schwergewicht der intelligenten Unterhaltungsliteratur (Spekulationen zu seiner wahren Identität hatten nicht nur naheliegende Verdächtige wie Bond-Erfinder Ian Fleming und Bourne-Erfinder Robert Ludlum auf der Liste, sondern auch fachfremde Geistesgrößen wie Tom Wolfe oder Henry Kissinger). Aber schließlich ist auch Don Winslow nicht irgendwer, sondern als Krimi-Autor mehrfach ausgezeichnet und als Suhrkamp-Autor offiziell anspruchsvoll.

Dennoch ist es zunächst ein Schock, wenn man Satori unmittelbar nach Shibumi liest. Winslow, eher ein Spezialist für hartgekochte Detektivgeschichten als für internationale Geheimdienstplots, ist weit von der sprachlichen und erzählerischen Finesse Trevanians entfernt. Wo Trevanian sein angelesenes Weltwissen elegant mit der Erzählung verknüpfte, meint man bei Winslow mitunter die Lautsprecherdurchsage zu hören: „Wir unterbrechen jetzt unsere spannende Thriller-Handlung für einen trockenen Wikipedia-Eintrag über Teezeremonie.“ Darüber hinaus bleiben die Figuren charakterlich aufs Allernötigste reduziert, und das exotische Potenzial der asiatischen Schauplätze wird kaum ausgenutzt. Aber Winslows simpler Stil hat gerade für diese Art von Literatur auch enorme Vorteile. Wo Trevanian gelegentlich landeskundlich, politisch und philosophisch ins Schwelgen geriet, hält sein Nachfolger seine Exkurse ebenso knapp wie seine Sätze und Kapitel. Die Story um einen polyglotten Attentäter mit russisch-chinesischen Wurzeln und japanischer Vergangenheit, den die CIA 1951 auf den russischen Botschafter in China ansetzt, schreitet somit flott voran. Ein paar Ausrutscher ins allzu Triviale sind schnell vergessen, weil sie genauso schnell vorbei sind, wie sie gekommen waren. Möglicherweise ist es Winslow zu danken, dass er sprachlich und dramaturgisch sein eigenes Ding durchzieht anstatt Trevanian zu imitieren. Wie sehr das in die Hose gehen kann, hat sich vor ein paar Jahren gezeigt, als Sebastian Faulks für ein Bond-Revival Ian Flemings Stil zu emulieren suchte, und dabei nur eine unlustige Parodie herauskam.

Bei aller willkommener Kurzweil sei die verträumte Frage gestattet, was bei Satori herausgekommen wäre, wenn die Trevanian-Erben einem Autoren wie David Peace den Zuschlag gegeben hätten, stilistischer Virtuose und Fernost-Kenner vor dem Herrn. Vermutlich etwas so Spezielles, dass es nur Spezialisten interessiert hätte. Aber die Erben wollen Geld, und die Massen Unterhaltung. Diesen Vorgaben sollte Don Winslows Schmöker ohne Schwierigkeiten gerecht werden.

-- ANe

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