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November 2011

Exklusiv auf Kindle: Richard Dübells "Der Hirte"

Haben Sie etwas Zeit? Zeit für eine Weihnachtsgeschichte? Der Hirte ist eine Weihnachtsgeschichte von Richard Dübell - exklusiv für Kindle. Pünktlich an jedem Advents-Sonntag 2011 veröffentlicht der Bestsellerautor in Sachen historische Romane jeweils einen neuen Teil der 4-teiligen Novelle - zum Selberlesen, aber auch zum Vorlesen in der Familie an winterlichen Abenden.

Unser Adventsgeschenk für Sie: Den ersten Teil der Geschichte erhalten Sie gratis für Ihren Kindle!

 

 Der_Hirte_Teil1Der Hirte ist eine mittelalterliche Weihnachtsnovelle um Vergebung, die Erkenntnis der eigenen Fehlerhaftigkeit und die Erlangung der Fähigkeit, vor allem sich selbst zu verzeihen. Dieses Thema wird transportiert von der spannenden, bitter-romantischen und temporeichen Geschichte um Rainald von Mandach und seine kleine Reisegruppe, die von Wölfen durch den Wald gehetzt werden. Die Erzählung hat ein überraschendes und doch für eine Weihnachtsgeschichte passendes Ende – nicht nur, was Rainald und die Städter betrifft, die eigentlich seine Todfeinde sind, sondern vor allem Schwester Venias wegen, in deren Person sich das Thema von Schuld und Vergebung im bewegenden Finale verkörpert. Jetzt Teil 1 gratis herunterladen und hineinlesen.

 

-- BSa

Tom Rob Smith: Agent 6

Agent6

2008 konnte man denken: Ist denn schon wieder 1981? Ein englischsprachiger Autor mit drei kurzen Namen, von denen der dritte Smith war, debütierte hoch gelobt und viel verkauft mit einem Kriminalroman, der in Russland spielte und eine Hauptfigur hatte, die zur Serienfigur werden sollte. Darin erschöpfen sich allerdings auch die Parallelen zwischen Tom Rob Smiths Kind 44 (2008) und Martin Cruz Smiths Gorki Park (1981). (Um der Spitzfindigkeit Genüge zu tun: Stimmt, Gorki Park war nicht direkt Cruz Smiths Debüt, aber sein erstes Buch unter diesem Namen.) Insbesondere die weitere Entwicklung der jeweiligen Serien unterscheidet sich deutlich. Tom Rob Smith wurde schon in Kolyma, dem zweiten Roman seiner Reihe, die Thriller-Schublade zu eng. Er interessierte sich mehr für das Schicksal seines Protagonisten Leo Demidow, reuiger Geheimagent mit unfeiner Vergangenheit, und den Zusammenhalt seiner fragilen Familie, als für die leidige Krimi-Frage, wer wo was wem wie womit und warum angetan hat. Einige Leser irritierte das, und tatsächlich war Kolyma, wie viele zweite Bücher, so etwas wie das undankbare Buch in der Mitte, das in erster Linie die zwei wichtigeren Teile einer Trilogie zu verbinden hat.

Mit Agent 6 gelingt Tom Rob Smith nun der große Wurf, auf den man kaum zu hoffen wagte. Der Roman erzählt mit enormen Zeitsprüngen, aber immer nah an seinen Figuren, von Leo Demidows Suchen, Finden und Verlieren der Liebe. Nach einem tragischen Verlust sinnt er auf Vergeltung, aber der Rachefeldzug führt nicht weit. Er kommt in Haft, dann an Drogen, schließlich dämmert er im Kabuler Opiumnebel als Militärberater vor sich hin. Als sich die Gelegenheit bietet zu den Amerikanern überzulaufen, erwacht sein Kampfgeist wieder: In New York wartet der ominöse Agent 6, mit dem er noch die Rechnung seines gescheiterten Lebens zu begleichen hat.

Agent 6 ist ein Rachedrama mit befriedigendem, aber nicht (übermäßig) martialischem Ende. Ein Roman über das Auseinanderbrechen einer Familie, die gerade erst zusammengefunden hatte. Und ganz nebenbei eine akkurate Beschreibung des politischen Klimas zwischen Ost und West vom Kalten Krieg bis kurz vor Perestroika. Tom Rob Smith lässt den geschichtlichen und politischen Hintergrund genauso beiläufig einfließen wie seine glaubwürdigen Milieubeschreibungen aus Russland, Amerika und Afghanistan. All das bereitet die Bühne für die Erzählung, übertönt aber nie die geradlinige Geschichte und ihre komplexen Figuren. Agent 6 ist nicht nur ein würdiger Abschluss der Leo-Demidow-Trilogie, sondern ein großer Roman, der ohne weiteres für sich selbst stehen kann. Es rührt fast, wie sehr Tom Rob Smith in nur drei Jahren als Schriftsteller gewachsen ist. Mussten in Kind 44 der spannende Plot und die interessanten Charaktere noch über den oft holprigen Stil hinwegtrösten, kann man Agent 6 auch lesen, weil man einfach gerne liest. Leo Demidow gönnen wir jetzt seine Ruhe. Aber was Tom Rob Smith als nächstes macht, wollen wir unbedingt wissen.

Die ersten beiden Romane der Trilogie sind auf Englisch für Kindle erhältlich: Child 44 ׀ The Secret Speech

-- ANe

„Karwoche“: Andreas Föhr im Interview

KarwocheAndreas Föhr, gelernter Jurist und Drehbuchautor, lässt auch in seinem mittlerweile dritten Krimi  Karwoche die Kultpolizisten Wallner und Kreuthner wieder ermitteln.

Dem Kindle-Team hat er einige Fragen beantwortet:

Polizeiobermeister Kreuthner hat in „Karwoche“ seinen Paradeauftritt – ist diese tollpatschige, bauernschlaue Figur Ihre Lieblingsfigur? Und woher kommt die Inspiration für diese witzigen Szenen?

Die Inspiration für witzige Szenen mit Kreuthner kommt so zustande: Ich überlege mir eine Aufgabe für Kreuthner, die er sich typischerweise selbst geben würde (etwa ein Autorennen auf der Landstraße gegen einen Spezl gewinnen). Und zwar eine Aufgabe, bei der sich Kreuthner Ärger einhandelt. Dann überlege ich was man normalerweise tun würde, um aus den Schwierigkeiten wieder herauszukommen, dann überlege ich, was jemand, der zehn Mal unverfrorener wäre als ich, tun würde, und schon hat man eine Kreuthner-Szene. Nachdem sich Kreuthner mit dieser eben ausgedachten Situation notwendiger Weise wieder in Schwierigkeiten bringt, aus denen er herauskommen muss, ergeben sich die nächsten Szenen quasi von selbst.

Sind Sie inzwischen in der Gegend um den Tegernsee und den Schliersee bekannt wie ein bunter Hund?

Das vielleicht nicht. Aber wenn man die Verkaufszahlen im Landkreis Miesbach auf den Rest der Republik hochrechnen würde, wären meine Bücher recht weit oben auf den Bestsellerlisten.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus? Haben Sie eine fixe Tageseinteilung und kann man quasi auf Befehl kreativ sein?

Eine fixe Einteilung habe ich nicht. Da ich auf dem Land lebe, ist die Arbeitseinteilung stark wetterabhängig. Wenn es trocken und sonnig ist muss ich Rasenmähen, wenn ein Unwetter  im Anzug ist, die Dachrinne von Blättern befreien, und wenn der Winter kommt, die Winterfenster einsetzen. Ansonsten ist das Pensum abhängig von der Tagesform. Es gibt Tage, da läuft es, und Tage da läuft es weniger. Schreibblockaden gibt es bei mir allerdings nicht. Wenn der Abgabetermin näher rückt, dann wird man zwangsläufig kreativ. Das geht dann schon.

Sie schreiben ja viele Drehbücher fürs Fernsehen: Was macht mehr Spaß? Worin liegt der Unterschied?

Ich sage mal so: Romane schreiben macht immer Spaß. Das ist ja 100 % man selbst als Autor ohne Vorgaben vom Sender. Drehbücher schreiben macht Spaß, wenn man viel Freiheit hat und sich nicht mit Vorgaben herumschlagen muss, die man als störend empfindet. Und manchmal ist Drehbuchschreiben halt auch Broterwerb. Wobei man sagen muss: Auch wenn mal nicht das Herzblut im Drehbuch steckt, hat man als Drehbuchautor immer noch mehr Freiheiten (etwa in der Zeiteinteilung), als in den meisten anderen Berufen. Insofern will ich also nicht meckern. Aber unterm Strich ist Romane schreiben befriedigender – auch weil einem keiner mehr an einem guten Buch etwas kaputt machen kann. Ein Drehbuch hingegen muss  immer noch durch Regie und Schauspieler zu einem guten Film gemacht werden, was nicht immer gelingt.

Wer ist Ihr größter Kritiker? Wer Ihr größter Fan?

Meine größten Kritiker finden Sie bei den Amazon-Rezensionen. Die Ein-Sterne-Schmähkritiken berühren mich inzwischen nicht mehr, weil ich mir sage, da hat einer ein Problem mit seinem Ego oder ihm gefällt mein Buch einfach nicht. Muss ja nicht jeder gut finden. Was ich aber ernst nehme, sind Kritikpunkte die öfter auftauchen. Man darf den Lesern nicht nach dem Mund schreiben, aber manchmal sagt man sich: Da ist was dran, das muss ich beim nächsten Buch besser machen. Man muss aber auch aufpassen: Wenn man allen Kritikpunkten Rechnung trägt, hat man nicht ein gutes Buch geschrieben, sondern wahrscheinlich ein stromlinienförmiges und damit langweiliges. Mein größter Fan? Weiß ich natürlich nicht. Aber meine Frau findet meine Bücher toll und das meint sie auch so. Denn sie ist Schütze und kann nicht lügen. Das ist mir eigentlich das Wichtigste.

-- BHa

„Angst“ oder „The Fear Index“

AngstDer neue Thriller Angst (The Fear Index) von Robert Harris spielt in der Welt der Superintelligenten und Superreichen in Genf. Dr. Alexander Hoffmann ist das Mastermind der Firma Hoffmann Investment Technologies, die einen höchst profitablen Hedgefonds betreibt. Die Firma rekrutiert nur Mitarbeiter die einen PhD in Mathematik oder Physik vorweisen können, vorzugsweise aus dem CERN, Hoffmanns ehemaliger Wirkungsstätte. Der von Hoffmann entwickelte Algorithmus VIXAL-4 steuert die Käufe und Verkäufe des Hedgefonds. Er wertet alle digital verfügbaren Daten über das Level an Angst aus, das in der Welt existiert. Die Annahme dabei ist, dass Angst, eine der grundlegendsten menschlichen Emotionen, das Verhalten der Aktionäre und Trader viel stärker bestimmt, als alle Unternehmensergebnisse und Wirtschaftsentwicklungsdaten. VIXAL-4 ist aber noch mehr. Es ist ein selbstlernendes System, das Hoffmanns Traum der Erschaffung von AI, oder wie er selbst es bezeichnet AMR – Autonomous Machine Reasoning –, verkörpert.
 
The_Fear_IndexEigentlich läuft alles perfekt für Dr. Hoffmann, er ist gerade in ein neues 60 Millionen Euro teures Haus eingezogen, er hat eine begehrenswerte und kluge Künstlerin zur Frau und sein Lebenswerk VIXAL-4 erwirtschaftet von Tag zu Tag höhere Gewinne, doch:
Wer schickt aus einem niederländischen Antiquariat eine Erstausgabe des Charles Darwin Buches „The Expressions of the Emotions in Man and Animals“.
Wie kann jemand trotz Hightech Alarmanlage nächtens in sein Haus eindringen?
Eine packende Geschichte entspinnt sich, die sich mit rasendem Tempo vorwärtsbewegt und einen hervorragenden Stoff für einen Film bieten würde. Besonders faszinierend ist dabei der Blick hinter die Kulissen der Finanzmärkte, wo Computerprogramme längst die Entscheidungen der Trader treffen, und viele Dinge passieren, die keiner der Beteiligten hundertprozentig versteht. Auch dass das Geschäft mit dem Geld die brillantesten Köpfe aus der Wissenschaft abzieht, die dadurch nicht für das Allgemeinwohl der Menschheit arbeiten, sondern für das Wohl der Superreichen, ist ein spannendes Thema von Angst. Und dann gibt es noch dieses klassische Science Fiction Thema: Könnte es nicht doch passieren, dass Maschinen eines Tages die Kontrolle über ihre Erfinder übernehmen …

-- FEd

Reingelesen: "Crime" von Irvine Welsh

WelshWir haben reingelesen in Crime von Irvine Welsh. Welsh hatte 1993 mit seinem Debütroman Trainspotting (hier englisch) einen der gekonntesten Romane der Gegenwart veröffentlicht und schottischen Pub-Toiletten damit weltweit zu berüchtigter Berühmtheit verholfen.

In Trainspotting und in seinen folgenden Romanen, z.B. The Acid House oder Drecksau schreibt Welsh immer wieder über die dunklen Seiten menschlicher Leidenschaften wie Drogenabhängigkeit, Gewalt, Sexismus. Dabei kennt er weder Grenzen noch Kompromisse: harte Milieus, krasse Typen, schwarzer Humor.

Jetzt ist sein neuester Roman Crime auf Deutsch erschienen. Inspektor Ray Lennox fliegt mit seiner Verlobten Trudi nach Florida. Was eigentlich als Urlaub zum Abschalten und Hochzeitsvorbereiten geplant war, verwandelt sich bald in eine Flucht quer durch den Bundesstaat - gemeinsam mit der 10jährigen Tianna. Im Auftrag der Mutter will er das Mädchen vor den pädophilen Übergriffen Ihres Umfelds in Sicherheit bringen. Aber kann er das?  

CrimeReingelesen:

Sie wollte ihrer Momma noch sagen, was für ein mieser Typ das war. Wie der zu Haus in Mobile. Und das Schwein in Jacksonville. Aber ihre Momma schminkte sich vor dem Spiegel die Augen und sagte, sie solle den Mund halten und lieber zusehen, dass die Fensterläden fest geschlossen waren, im Lauf der Nacht sollte von Nordosten ein Unwetter aufziehen. Das Mädchen ging zum Fenster und sah nach draußen. Alles war still. Eine glänzende Mondscheibe sandte bläuliches Licht in die Wohnung, nur durchbrochen von den Zweigen der toten Eiche im Hof: Sie warfen harte, krampfaderige Schatten, die sich düster die Wände entlangstahlen wie etwas Lebendiges. Sie drückte den Schnappriegel herunter, mit dem die schützenden Lamellenwände festgestellt wurden; dabei konnte man sich die Finger klemmen, aber sie zog im entscheidenden Moment die Hand weg, wie ein schlaues Mäuschen, das Käse aus einer Falle stibitzte. Dann betrachtete sie die ausdruckslose Hingabe ihrer Mutter im Spiegelbild. Früher hatte sie immer gerne zugesehen, wie Momma sich schön machte, wie konzentriert sie mit dem kleinen Bürstchen ihre langen Wimpern dunkler tuschte. Aber jetzt nicht mehr. Etwas zog ihr den Magen zusammen. Geh heute Abend nicht weg, sagte das Mädchen leise, halb hoffnungsvoll, halb flehend. Die kleine rosa Zunge ihrer Mutter schoss heraus und befeuchtete den Eyelinerstift. Mach dir um mich keine Sorgen, Schatz, mir passiert schon nichts, und dann hupte unten ein Auto; mit einem Klicken sprang die Klimaanlage an, und es wurde kühler im Raum.

Photo: © Steve Double

-- ABi

Neu auf Kindle: Die Süddeutsche Zeitung (SZ)

Das Kindle-Team freut sich darüber, dass Sie nun auf Kindle die größte überregionale Tageszeitung Deutschlands lesen können: Die Süddeutsche Zeitung.

SZ_Packshot Die Süddeutsche Zeitung zeichnet sich durch meinungsfreudigen und unabhängigen Journalismus aus. Sie legt Wert auf kritische Redakteure und kritische Leser. Die besondere Kommentarvielfalt, Rubriken wie das Streiflicht oder die Reportagen auf Seite 3 sorgen für die besondere Note der SZ in der deutschen Presselandschaft. Als meinungsbildendes Medium mit lokaler und regionaler Verankerung sind ihr die Prinzipien Liberalität, Toleranz und redaktionelle Unabhängigkeit besonders wichtig.

Alle Zeitungen und Zeitschriften für Kindle erhalten Sie als Einzelausgaben oder im Abonnement - mit einem 14-tägigen, kostenlosen Probe-Abo.

-- BSa

Laura Joh Rowland: Der Wolkenpavillon

Wolkenpavillon

Ich gestehe: Ich bin ein Snob. Ich lese keine historischen Romane. Historische Kriminalromane schon gar nicht.

Außer die historischen Kriminalromane von Laura Joh Rowland. Ich kann nichts dafür, man hat mich ausgetrickst. Der erste war ein ungewünschtes Geschenk, ich musste ihn aus Höflichkeit lesen. Leider haben mich die Ermittlungen, die der Samurai Sano Ichiro im Tokio bzw. Edo des späten 17. Jahrhunderts durchführt, sofort gepackt und ich las immer weiter. In Der Wolkenpavillon löst der „oberste Ermittler von Personen, Ereignissen und Gegebenheiten“ bereits seinen 14. Fall. Diesmal geht er einer Serie von Entführungen und Vergewaltigungen nach, wobei die Täter nicht die einzigen zwielichtigen Gestalten sind. Alte Familienfehden, ein rachsüchtiger Gangsterboss, ein lügender Wahrsager, Ichiros ungehorsamer Sohn und natürlich sein alter Rivale Yanagisawa, der immer noch Shogun anstelle des Shogun werden möchte, erschweren einerseits die Ermittlungen, bringen aber auch manche wichtige Erkenntnis.

Liest man Rowlands Romane mit der Historiker-Lupe, mag man die eine oder andere Ungenauigkeit finden, die sich zwischen den Ritzen verkrümelt hat. Diese zum KO-Kriterium aufzublasen, wäre kindisch und ungerecht. In Der Wolkenpavillon und den anderen Romanen der Reihe stecken derart viele historische Details, dass es eher verwunderlich wäre, wenn nicht gelegentlich mal eines nicht stimmen würde. Eines macht Rowland auf jeden Fall richtig: Ihre Romane sind schlau konstruiert, die Figuren entwickeln sich von Band zu Band glaubhaft und spannend weiter, und bei aller kunterbunter Exotik wird das alte Japan hier nicht als die Gute Alte Zeit verherrlicht. Ichiros Fälle sind darüber hinaus keine Blümchen-Krimis, für blutige Klingen und rollende Köpfe ist stets gesorgt.

Quereinsteiger sind jederzeit willkommen. Veteranen freuen sich, dass Der Wolkenpavillon einige neue Entwicklungen und Figuren einführt, die uns bestimmt noch ein paar Bücher beschäftigen werden. Wer gleich wissen will, wie es weitergeht, kann bereits auf Englisch weiterlesen.

 -- ANe

1Q84 Buch 3 von Haruki Murakami: Rezension

1Q84_Buch3

Als im Frühjahr letzten Jahres die Originalausgabe von 1Q84 Buch 3 in Japan erschien, hatte das etwas Harry-Potter-haftes: Spätnachts bildeten sich Schlangen vor Buchhandlungen. Die Leser wollten ohne weitere Verzögerung wissen, wie die Liebesgeschichte um die Gymnastiktrainerin und Auftragsmörderin Aomame und den Mathelehrer und Gelegenheitsschriftsteller Tengo ausgeht, und die Buchhändler ließen ihre Geschäfte extra länger auf.

Mit der Kindle-Fassung muss man freilich nicht anstehen, Gott sei Dank, es ist ja auch kein Frühjahr mehr. Im Roman ist es immer noch das Orwellsche Jahr 1Q84 (Q spielt an auf die Zahl 9, jap.: ku bzw. kyuu), das die beiden verhinderten Liebenden in einer Parallelwelt mit zwei Monden und anderen Seltsamkeiten gefangen hält. In der Schule hielten Aomame und Tengo einmal Händchen, danach haben sie sich aus den Augen verloren, sich aber dennoch schlimm ineinander verliebt. Einander wiederzufinden ist jedoch gar nicht so einfach, weil beide untergetaucht sind. Sie, weil sie einen bizarren Sektenführer umgebracht hat. Er, weil er an einem Buch über diese Sekte mitgewirkt hat.

 Verschämt fragt sich das hiesige Feuilleton mitunter, ob man Haruki Murakamis 1Q84 ohne Gewissensbisse als Literatur bezeichnen dürfe, wo es doch so verdächtig zugänglich für so einen abgehobenen Stoff sei. Man darf – weder Big Brother noch seine Gedankenpolizei kann uns davon abhalten. Im dritten Band schließt Murakami die Geschichte auf für ihn typische Weise ab: Die Rolle jeder Figur der Erzählung erklärt sich, ohne dass jedoch alle Geheimnisse entzaubert werden. Dabei ist dieser Roman eine sehr innerliche Erzählung. Auch Buch 1 und 2 verbrachten viel Zeit in den Gedanken- und Gefühlswelten ihrer Figuren, aber daneben gab es Mord und Totschlag und erotische Eskapaden. Diesmal ist dieser äußerliche Handlungsaspekt stark zurückgefahren. Selbst zur Schwangerschaftseinleitung ist keine Action mehr vonnöten, Aomame empfängt unbefleckt.

1Q84 Buch 3 ist ein befriedigender Abschluss für alle, die dem 1Q84-Universum längst verfallen sind. Aber es ist kein unumstößlicher. Murakami selbst hat bereits angedeutet, dass Buch 4 nicht ausgeschlossen sei. Ich stelle mich jetzt schon an.

-- ANe