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Cory Doctorow: For The Win

ForthewinDer kanadische Autor und Journalist Cory Doctorow ist als Internet-Aktivist derart umtriebig, dass es Wunder nimmt, dass er überhaupt noch dazu kommt Bücher zu schreiben. Aber das tut er, und zwar sehr rege, und mitunter auch sehr dicke. Wie zum Beispiel For The Win (auf Kindle natürlich kein bisschen dick). Darin geht es mal wieder um Doctorows Lieblingsthemen: das Internet und die Rechte. Allerdings geht es diesmal nicht um Rechte von Urhebern, sondern um die Rechte von Arbeitern. Genauer um die Rechte von Goldfarmern, also Online-Spieler, die im Auftrag von größeren und kleineren Firmen in virtuellen Welten virtuelle Güter horten um sie an ungeduldige aber kaufkräftige Spieler für reales Geld zu verkaufen. Einige der Farmer werden mit ihren Arbeitsverhältnissen zunehmend unzufrieden und vernetzen ihre Proteste. Der virtuelle Aufstand hat bald gefährliche Auswirkungen in der realen Welt: Die Spieler in den USA, China, Indien und Singapur sehen sich nicht nur mit den IT-Spezialisten der Spielkonzerne konfrontiert, sondern auch mit kriminellen Schlägerbanden und der gewaltbereiten Polizei.

Doctorow zieht in seiner undatierten, aber wohl nicht in allzu ferner Zukunft angesiedelten Geschichte überzeugende Parallelen zwischen dem jungen Phänomen der Goldfarmer und den klassischen Ausbeutungsverhältnissen in vielen asiatischen Textilfabriken und anderen Exportbetrieben. Anschaulich erläutert er wirtschaftliche Zusammenhänge und Kreisläufe und macht nie einen Hehl aus seiner Parteilichkeit. Löblicherweise geraten die Exkurse nur selten mit dem Spannungsbogen in Konflikt, und bei aller Agitation ist For The Win keine naive Gewerkschaftsverherrlichung (wie es dem Roman vereinzelt vorgeworfen wurde). Die Arbeiter der Welt sollen sich vereinigen, allerdings in neuen, den Zeiten angemessenen Strukturen. Opas Gewerkschaft hat hier nur einen kurzen Gastauftritt als lernunfähiger, schon halb versteinerter Dinosaurier.

For The Win ist offiziell ein Jugendbuch, aber es gibt keinen schwerwiegenden Grund, warum man nicht auch als Erwachsener seine Nase reinstecken sollte. Einem bestimmten Typ von Erwachsenen könnte allenfalls der Kopf vom exzessiven (aber realistischen) Gebrauch der Gamer-Fachterminologie schwirren. Wenn man Computer-Spiele nur aus der Panikberichterstattung der Boulevardmedien kennt, versteht man trotz des vorhandenen Glossars wahrscheinlich weniger als Bahnhof in dieser Welt mit ihren NPCs und mechanischen Türken in Dungeons voller gedroppter Items. Wer aber in dieser Welt zumindest vorübergehend schon mal zu Gast war, sollte keine Verständnisschwierigkeiten fürchten und seine helle Freude haben an einem intelligenten, politischen und vor allem spannenden Abenteuerroman.

-- ANe

Kommentare

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Ich bin zwar selbst kein Gamer - aber einige meiner Freunde verbringen gefühlt die Hälfte ihrer Zeit vor dem Rechner und zocken WOW, Battlefield etc. Denen sollte ich dieses Buch vielleicht mal ans Herz legen. Danke für den Hinweis!

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