Blogs at Amazon

« Kindle-Deal des Tages: 24. März 201 | Alle Posts | Kindle-Deal des Tages: 25. März 201 »

Bond Begins

Cb

James Bond scheint alterslos und unsterblich. Tatsächlich wäre der Gute aber heute irgendwo in seinen 90ern, da mag man es ihm kaum noch zumuten, ständig aus explodierenden Flugzeugen auf fahrende Züge zu springen und dann gleich mit der Schaffnerin in den Schlafwagen. Will man die Bond-Saga weiterspinnen, muss man entweder von einem rüstigen Rentner erzählen, oder die Erzählung in einem früheren Jahrzehnt ansiedeln.

Oder man erfindet die Figur einfach ganz neu. Das hat Jeffery Deaver im offiziellen Auftrag mit Carte Blanche getan. Der Roman spielt in unserer Gegenwart, der Ära von Al-Qaida und iPhone, und Bond ist wieder Anfang 30. Ein gewagter Ansatz. Da muss die Frage gestattet sein, ob man die Figur nicht der Beliebigkeit opfert und aus Gründen schnöder Gewinnmaximierung einfach einem neuen Serienagenten einen alten Namen verpasst.

Es kann Entwarnung gegeben werden: Der neue Bond ist der alte Bond. Nur in Neu. Dass er leicht liberalisiert wurde, hat nichts mit political correctness zu tun, sondern eher damit, dass sich in sechs Jahrzehnten mit der Gesellschaft eben auch die Menschen ändern. Der chauvinistische kalte Krieger aus Ian Flemings Romanen wäre in einem modernen Zusammenhang schlichtweg eine lächerliche Figur. Dass Bond nun Ex-Raucher statt Raucher ist, ist nur realistisch angesichts der Fitness, die er beim Weltretten ständig an den Tag legen muss. Auch dass er heute mehr Frauenversteher als Frauenverachter ist, fällt nicht so sehr ins Gewicht, wie man meinen könnte. In erster Linie ist er weiterhin Frauenklarmacher.

Dieser neue alte Bond soll in Carte Blanche einen möglichen Terroranschlag in Großbritannien vereiteln, der Tausende Todesopfer fordern könnte. Selbstverständlich wird das alles von internationaler Hand vorbereitet, weshalb der Agent seinen Reisepass zwischen Serbien, Dubai und Südafrika ständig im Anschlag haben muss.

Jeffery Deaver orientiert sich im gleichen Maße an den Romanen Ian Flemings, einem erklärten Vorbild, wie an der spektakuläreren Dramaturgie der Bond-Filme. Hier gibt es deutlich mehr Action und vordergründige Spannung als in den Original-Romanen, aber Bonds Genusssucht und die penible Recherche seiner Genüsse kommen ebenfalls nicht zu kurz. Deaver ist ein routinierter Thriller-Fabrikant, dem man schwerlich eine eigene Handschrift nachsagen kann, und damit war er genau die richtige Wahl, Bond ins neue Jahrtausend zu bringen. Er weiß, wie man einen Plot mit vielen überraschenden Wendungen strukturiert und mit schillernden Charakteren bestückt. Gegenüber dem Superhelden gibt es natürlich den Superschurken, der hier einige besonders unangenehme Vorlieben hat. Dessen Geliebte und eine südafrikanische Polizistin, die Bond widerwillig zur Seite steht, gehören zu den interessantesten Frauenfiguren des Bond-Universums. Auf alte Bekannte (in neuen Versionen) wie CIA-Kollege Felix Leiter, Miss Moneypenny und die Mitarbeiter der Abteilung Q muss freilich ebenfalls nicht verzichtet werden. Deaver hat keinen Deaver-Roman geschrieben, sondern einen Bond-Roman. Recht so, weitermachen.

-- ANe

Kommentare

Feed You can follow this conversation by subscribing to the comment feed for this post.

Kommentar schreiben

Wenn Sie ein TypePad- oder TypeKey-Konto haben, melden Sie sich bitte an.