
Für den "Entdeckt! Der Amazon Autoren-Preis" im Sommer ist Lisa-Maria Seydlitz mit ihrem Romandebüt Sommertöchter nominiert. Sie ist gemeinsam mit vier weiteren Autoren auf der Jagd nach den besten Kundenrezensionen.
Worum geht es in Ihrem Roman Sommertöchter?
Durch einen anonymen Brief erfährt Juno von einem Fischerhaus in der Bretagne, vermutlich ein Erbe ihres vor acht Jahren verstorbenen Vaters. Als Juno ihre Mutter danach fragt, schweigt diese. Die junge Frau fährt also allein an die Atlantikküste, um herauszufinden, was das Geheimnis dieses Erbes ist. Als sie dort ankommt, ist das Haus allerdings nicht leer. Julie, eine französische Kellnerin, hat sich dort eingenistet. – Mit dem Zusammentreffen der beiden Frauen kreuzen sich eine Handvoll Vergangenheiten, die sich ergänzen und zunehmend vervollständigen. Die Rückblicke sind wie ein Erinnerungspuzzle, deren Einzelteile sich für beide Frauen nach und nach zu einem Bild zusammenfügen. Im Kern erzähle ich von Sehnsucht, Verlust und Trauer und ich erzähle von Hoffnung und einem Neubeginn.
Sommertöchter ist eine sehr berührende Familiengeschichte, Liebe und Trauer liegen dicht beieinander. Welcher Figur fühlen Sie sich am nächsten?
Auch wenn die Geschichte nicht "meine" Geschichte ist: Ich fühle mich der Ich-Erzählerin Juno am nächsten. Sie leidet unter dem Verlust ihres Vaters, verspürt jedoch keine Wut und klagt ihn nicht an – anders als ihre Mutter, die mit dem Tod des Vaters, auch mit dem Vater selbst abschließt und alles loswerden will, was mit ihm und der Vergangenheit zu tun hat. Juno hingegen zieht sich in sich selbst zurück, nimmt an ihrem eigenen Leben eher als stille Beobachterin teil. Trotzdem schafft sie mit ihrer Reise an den Atlantik, mit dem Kennenlernen von Julie, einen Neubeginn. Und Stück für Stück lernt sie, die Vergangenheit zu verstehen, ruhen zu lassen und in die Zukunft zu blicken.
Wie sah die Arbeit an Ihrem Roman aus? Wie lange haben Sie daran geschrieben? 
Es hat von der allerersten Idee bis zur Manuskriptabgabe beim DuMont Buchverlag etwa drei Jahre gedauert. Zunächst habe ich die Figuren und Orte geformt, mich dann mit ersten Szenen an die Atmosphäre herangeschrieben. Sehr lange Zeit habe ich am Klang der Sprache gearbeitet und Fragen an die Figuren gestellt – später dann auch zusammen mit meinem Lektor.
Ihr Roman spielt zu einem großen Teil in einem Sommer in der Bretagne. Hat Frankreich für Sie eine besondere Bedeutung? Haben Sie vor Ort recherchiert?
Frankreich hat schon immer eine große Anziehungskraft auf mich ausgeübt, deshalb wollte ich dort auch unbedingt für ein Semester studieren. Während dieser Zeit hatte ich schließlich die erste Idee für Sommertöchter, in einem Überlandbus von Marseille nach Aix-en-Provence sitzend. Auch nach dem Studienaufenthalt zog es mich immer wieder zurück nach Frankreich. An die Cote d'Azur, in die Provence – und in die Bretagne. Das dort herrschende, etwas rauere Klima war die passende Atmosphäre für meinen Roman. Den Ferienort Coulard gibt es so allerdings nicht wirklich, ich habe ihn aus vielen verschiedenen französischen Orten, an denen ich war, zusammengesetzt.
Welche Rolle hat das Schreiben in Ihrem Leben?
Leben bedeutet wahrzunehmen, und Wahrnehmen ist für mich Schreiben. Ich werde immer schreiben. Genauso wie ich Bücher lesen, Blumen pflanzen, Kleider nähen und Essen kochen werde. Ich werde schreiben genauso wie ich Musik laut aufdrehen, durch den Wald joggen und ans Meer fahren werde. Am Ende des Tages sitze ich am Schreibtisch, das Notizbuch aufgeschlagen vor mir. Das Schreiben bleibt, egal was kommt, egal was ich den Rest des Tages mache, um Geld zu verdienen.
-- MRa