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Englische Bücher: John Irvings "In One Person"

InonepersonEin Mann, der ohne leiblichen Vater aufwächst, entdeckt in der Jugend seine Faszination für Ringkämpfe, Literatur und Geschlechtsverkehr. Nach der Schule geht er auf Selbstfindungstrip nach Europa, begegnet am Rande Dirnen und Bären, und wird schließlich ein erfolgreicher Schriftsteller.

Was in der nüchternen Beschreibung wie die Parodie eines John-Irving-Romans klingt, oder wie das erste Ergebnis des Prototypen eines John-Irving-Roman-Schreibautomaten, ist tatsächlich der neue Roman von John Irving, In One Person. Und das ist auch gar nicht schlecht so. Irving, frisch 70 geworden, ist nicht der einzige Autor, der sich oft bis meistens am selben Themenspektrum abrackert. Dabei immer wieder etwas Neues zu sagen, ist ungleich schwerer, als sich für jedes Buch ein gänzlich neues Feld zu suchen. In One Person wird als fiktive Autobiografie ihrer Hauptfigur, Billy Abbott, erzählt. Der Roman folgt also keiner klassisch romanhaften Handlung mit einem klaren Ziel und einem runden Ende. Stattdessen entwickelt die Geschichte ihre Spannung aus den Mysterien um diverse Nebenfiguren, welche der Ich-Erzähler mal aus den Augen verliert (das bleibt halt nicht aus im Leben), aber doch immer wieder trifft (man begegnet sich bekanntlich mindestens zweimal). Da wäre der Großvater, der nicht nur auf der Theaterbühne am liebsten Frauenkleider trägt. Oder die hinreißende Bibliothekarin, die mal Star des Wrestling-Teams war. Oder Irene, Billys beste Freundin mit den kleinen Brüsten und der großen Stimme. Und natürlich Kittredge, der unsensible Footballspieler, auf den beide scharf sind. Das ist typisches Irving-Personal, mit dem man gerne viel Zeit verbringt. Untypisch ist die Dramaturgie, die ohne größere Zufallsknalleffekte auskommt, und die Erzählstimme, die ganz unverblümt und immer wieder die Botschaft des Buches auf den Punkt bringt: Man beurteile Menschen gefälligst nicht nach ihrer sexuellen Identität. Irving hatte schon immer die Angewohnheit, seine politischen Ansichten seinen Figuren in den Mund zu legen. An den Ansichten war selten etwas auszusetzen, allein die literarische Taktik etwas plump. Hier passt es. In One Person ist ein explizit politischer Roman, der mit klarer Stimme klare Wort spricht. Früher scheiterte Irving mitunter daran, vordergründig zu unterhalten und hintenrum Botschaften zu vermitteln. Dem neuen Buch hingegen gelingt es hervorragend, deutlich seine Botschaft loszuwerden und hintenrum glänzend zu unterhalten.

Und die Bären? Da der Roman zu großen Teilen in der schwulen Gemeinde spielt, sind das vielleicht nicht die üblichen Irving-Bären.

-- ANe

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