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Otfried Preußlers "Krabat" jetzt auf Kindle

KrabatMeisterhaft, hinreißend - und nicht nur für Kinder: Otfried Preußlers Krabat ist jetzt für Kindle erhältlich. Der Autor über seine Arbeit am Jugendroman, der in märchenhaftbeseeltem Ton von der düsteren Welt verzauberter Raben erzählt:

„Bei den Vorarbeiten zum Krabat bin ich darum bemüht gewesen, mir ein möglichst genaues Bild von den äußeren Umständen seines Lebens zu machen, auch von der Landschaft um Hoyerswerda. Ich kannte zwar größere Teile der Oberlausitz von früher her, doch in Krabats engere Heimat bin ich nie gekommen. Nun tat ich das Nächstliegende und verschaffte mir die entsprechenden Landkarten; leider war gerade an das entscheidende Meßtischblatt nicht heranzukommen – vielleicht sollte es justament nicht sein. Ich wusste lediglich, dass sich Krabats Mühle in der Nähe der Ortschaft Schwarzkollm befand. Was ich nun vor allem brauchte, war ein Name für die nähere Bezeichnung ihres Standortes, ein Flurnamen also. Selbstverständlich gehört zu jeder Wassermühle ein Bach. Wenn ich nun Krabats Mühle 'die Mühle am Schwarzen Wasser' nannte, mochte das einigermaßen angehen. Die Bezeichnung 'Wasser' für einen Bach, im Schlesischen durchaus üblich, findet sich in der Lausitz auch; und das Beiwort 'Schwarz' als Hinweis auf jene finsteren, undurchsichtigen Dinge, die sich hier abspielen sollten, lag eigentlich auf der Hand.

Ich versuchte nun, mir die Mühle am Schwarzen Wasser möglichst anschaulich vorzustellen. Einsam lag sie inmitten von Wald und Moor, ein verrufener Ort, von den Bewohnern der Nachbardörfer ängstlich gemieden. Aus freien Stücken ging keiner hinaus in den dunklen, morastigen Bruch, wo es nicht geheuer war, wie sie alle wussten . . . Plötzlich kam ich dann auf den Namen 'Koselbruch' – nicht weiter verwunderlich übrigens, wenn man weiß, dass 'Bruch' die ostmitteldeutsche Bezeichnung für ein mit Bäumen und Buschwerk bestandenes Sumpfgelände ist; und dass im Bestimmungswort 'Kosel' das slawische Wort für 'zaubern' anklingt (im Tschechischen, das mir geläufig ist, heißt es 'kouzlit'). Von einem Augenblick auf den anderen war nun alles klar. Die Mühle am Schwarzen Wasser – von jetzt an lag sie nicht mehr im Ungefähren irgendwo zwischen Wald und Moor: sie lag 'draußen im Koselbruch'. Damit war sie für mich zum festen Begriff geworden, mit dem ich arbeiten konnte. Ich habe mit diesem Begriff auch wirklich gearbeitet, eine ganze Zeitlang – bis mir eines Tages doch noch das Kartenblatt auf den Tisch kam, das ich so lange vergeblich gesucht hatte.

Im ersten Augenblick, offengestanden, war ich nicht übermäßig beglückt davon. Was tun, wenn sich zwischen meiner, der nur erdachten Wirklichkeit und derjenigen, wie sie aus dem Preußischen Meßtischblatt Nr. 2618 „Hohenbocka" zu ersehen war, unvereinbare Differenzen ergaben? Hätte ich Krabats Geschichte umschreiben müssen, hätte ich auf die topografischen Fakten pfeifen sollen? Um diese Entscheidung bin ich zum Glück herumgekommen. Ein 'Schwarzes Wasser' ließ sich zwar auf der Karte nicht ausmachen, selbst mit der Lupe nicht, das ist wahr. Aber glaubte nicht recht zu sehen –: es gab dafür in der unmittelbaren Nachbarschaft von Schwarzollm einen Koselbruch! Und es gab eine Mühle dort! – unbezweifelbar auf dem Meßtischblatt ausgewiesen. Wir wollen die Sache nicht überbewerten. Es mag sich, nach Lage der Dinge, um einen schlichten Zufall gehandelt haben. Und trotzdem! Wenn ich den Augenblick bestimmen sollte, in dem ich die Überzeugung gewonnen, dass ich mit meinem Krabat auf dem richtigen Weg war, dann ist es dieser gewesen.“

Aus: „Otfried Preußler. Werk und Wirkung. Eine Festschrift zum 60. Geburtstag.“, Heinrich Pleticha (Hg.), Stuttgart, 1983.

--BSa

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