Entdeckt! Interview mit der Kandidatin Odile Kennel
Der Amazon Autoren-Preis zielt darauf ab, neue Talente aus dem deutschsprachigen Raum zu präsentieren und zu fördern. Für den Preis im Sommer ist Odile Kennel mit ihrem Roman Was Ida sagt nominiert. Sie ist gemeinsam mit vier weiteren Autoren auf der Jagd nach den besten Kundenrezensionen.
Wir haben der Nominierten vorab einige Fragen gestellt:
In Ihrem Roman Was Ida sagt erzählt nicht nur Ida. Drei Frauen aus drei Generationen eröffnen den Blick auf eine außergewöhnliche deutsch-französische Familiengeschichte. Können Sie diese drei Frauen kurz charakterisieren?
Da ist zunächst Louise, die ständig bemüht ist, nicht sentimental oder nostalgisch zu sein, die mit ihrer Familie nichts mehr zu tun haben will und doch mit ihrer eigenen Geschichte und der Geschichte ihrer Mutter Paulette konfrontiert wird; Paulette, die auf den Besuch ihrer Tochter Louise wartet, so wie sie ihr Leben lang nicht gehandelt, sondern gewartet hat, die sich erinnert und an ihrer Erinnerung zweifelt; und schließlich Ida, Paulettes Cousine, von deren Existenz Louise erst aufgrund einer Todesanzeige erfährt und die Louise eine Familiengeschichte offenbart, die in die Zeit der deutschen Besatzung zurückgeht.
Familien haben ihre Geheimnisse. Auch in der Familie aus der Normandie, von der Sie erzählen, wurde vieles verschwiegen. Können Sie hier ein wenig davon verraten?
Alle Geheimnisse in Was Ida sagt haben mit Frauen zu tun, deren Lebensentwürfe nicht "zeitgemäß" waren: Eine außereheliche Beziehung; die Beziehung einer jungen Französin zu einem deutschen Wehrmachtssoldaten; und ein Kind, was nicht erwünscht war und zur Adoption freigegeben wurde. Jede dieser Frauen weiß nur um einen Teil der Geschichte(n), allein der Leser kennt am Ende alle Puzzlestücke.
Selten wurde bislang in einem Roman von dem Schicksal französischer Frauen erzählt, die sich in einen deutschen Wehrmachtssoldaten verliebt haben. Warum war dieses Thema so lange tabu?
Das hat viel mit der Scham der Betroffenen zu tun, mit der Erinnerung an die Demütigungen, die einige der Frauen am Ende des Krieges erlitten haben. Hinzu kommt, dass die Scherungen von mutmaßlichen Kollaborateurinnen kein rühmliches Kapitel der französischen Geschichte sind. Auf deutscher Seite hatten Soldaten, die in Frankreich Kinder zeugten und Versprechungen machten, obwohl zu Hause eine Familie auf sie wartete, ebenfalls kein Interesse an diesem Thema. Und nicht zuletzt haben die Kinder, die aus diesen Beziehungen stammen, erst am Ende ihres Lebens damit begonnen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und sie publik zu machen.
Sie erzählen in einer feinen, sinnlichen und bildhaften Sprache. Es ist für den Leser eine große Freude, Ihren Beschreibungen der Landschaft und des Meeres zu folgen oder den Gedanken der Hauptpersonen. War es schwierig, den richtigen Ton für diese Geschichte zu finden?
Den Ton haben im Grunde die Hauptpersonen selbst bestimmt! Louise kommt nach vielen Jahren zurück an den Ort ihrer Kindheit und ist überwältigt von der Präsenz des Meeres, den Gezeiten; Idas Geschichte erfährt der Leser aus ihren Aufzeichnungen, sie hat bereits eine oft humorvolle Distanz zu dem, was sie erzählt; und Paulette mit ihrem atemlosen Erzählen hat sich als letzte regelrecht in den Roman hineingedrängt: Als sei es endlich an der Zeit, das Schweigen zu brechen, und zwar sofort ...
-- MRa

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