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"Ich bin da nochmal hin": Interview mit Anne Butterfield

51OQklFGSWL._BO2,204,203,200_,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-72,22_AA300_SH20_OU03_[1]Anne Butterfield, Autorin von Ich bin da nochmal hin - Mit Gott und Hape auf dem Jakobsweg, hat dem Kindle-Team einige Fragen zu ihrem Reisebericht beantwortet.

2001 sind Sie das erste Mal nach Santiago de Compostela gepilgert. Was hat Sie dazu bewogen, 2010 den Jakobsweg ein zweites Mal auf sich zu nehmen, und wann haben Sie den Entschluss gefasst, ein Buch darüber zu schreiben?

Seit meinem Teenageralter macht es mir Spaß, viel zu reisen, und schon immer habe ich mit großer Leidenschaft meinen Freunden und meiner Familie in Briefen und auf dicht beschriebenen Postkarten von meinen Abenteuern berichtet. Bei meinem ersten Camino 2001 kam mir dann der Gedanke, ein paar Berichte oder sogar ein Buch über meine Reisen zu schreiben. Als ich damals gemeinsam mit Hans (Hape, eigentlich Hans-Peter, Kerkeling) unter der heißen spanischen Sonne lief und wir uns gegenseitig mit Episoden aus unserem Leben bei Laune hielten, sagte Hans plötzlich, dass ich mich ernsthaft als Reiseschriftstellerin versuchen sollte.

Als Hans' Buch Ich bin dann mal weg auch in England erschienen ist, haben mich meine Freunde gedrängt, meine eigene Version von diesem Camino aufzuschreiben – die Idee fing langsam an, in mir zu wachsen. Aber mein Buch sollte nicht einfach nur eine Wiederholung der Erlebnisse mit Hans sein, sondern etwas völlig Neues und Eigenständiges. Ich wollte darin sowohl der wahren Bedeutung des Jakobswegs auf den Grund gehen als auch die gesamte Bandbreite an Erfahrungen erfassen, die einen Pilger auf dem Weg erwarten können. Einige meiner Erinnerungen von 2001 waren allerdings bereits verblasst und ich wusste, dass ich den Weg noch einmal gehen musste, um seine Botschaft erneut zu erfahren. Deshalb bin ich 2010 zurückgekehrt und habe dem Geist meines ersten Camino nachgespürt. Und tatsächlich: Die Erinnerungen von meinem Jakobsweg mit Hans kamen zurück und verbanden sich mit den intensiven Erlebnissen meiner zweiten Pilgerreise. Der Herbst 2010 verlief dann anders als der Herbst 2001: Als ich von Santiago de Compostela nach England zurückkam, kehrte ich nicht in meinen Beruf zurück, sondern begann – endlich! – mit dem Schreiben meines eigenen Buches.

Nachdem Sie 2001 weite Strecken gemeinsam mit Hape Kerkeling gepilgert sind, verbindet Sie auch heute noch eine Freundschaft. Wie hat er reagiert, als Sie ihm von Ihrer Rückkehr auf den Camino und Ihren Plänen für ein Buch erzählt haben?

Er war begeistert! "Was habe ich die ganzen letzten zehn Jahre gesagt?", rief er am Telefon. "Du musst ein Buch schreiben! Das hat ja lange gedauert, aber endlich gehst du es an!" Während meiner zweiten Pilgerreise hat er mich förmlich mit SMS bombardiert, um sicherzugehen, dass ich ja nicht aufgebe. Ein Großteil unserer SMS-Korrespondenz kommt auch im Buch vor, inklusive Hans' schadenfroher Kommentare zu einem ganz bestimmten Fußball-WM-Spiel: Deutschland – England: 4:1 ...

Wie hat sich der Weg im Vergleich zu Ihrem ersten Camino verändert?

Der Camino ist nicht mehr so rau und unwegsam wie 2001. Mittlerweile gibt es mehr Herbergen mit einer komfortableren Ausstattung. Es ist einfach viel bequemer geworden. Aber die Kameradschaft, Sorgen und Freuden haben sich nicht verändert. Ich kann nicht für andere Pilger sprechen, denn jeder erfährt den Jakobsweg aufgrund seiner Erwartungen, Erfahrungen und inneren Wahrnehmung auf seine eigene Weise. Mein Camino 2010 war allerdings ganz anders als der von 2001, weil ich ihn viel aufmerksamer gegangen bin! Nur so – das habe ich diesmal gelernt – kann man dessen Bedeutung wirklich entdecken.

Was hat Sie 2010 auf dem Jakobsweg am meisten bewegt?

Das lässt sich nur schwer beantworten. Jeder Tag auf dem Camino war eine besondere Erfahrung mit vielen Fragen, die in meinem Kopf herumschwirrten (keine Sorge, ich habe sie am Ende alle für mich beantwortet). Die drei bewegendsten und zugleich schwierigsten Momente auf dem Camino waren: mein Scheitern auf dem Fahrrad, meine Einsamkeit in Rabanal ohne Hans, und Englands Niederlage gegen Deutschland – was meinen eigentlich ganz schönen Tag in Carrión de los Condes ziemlich ruiniert hat! Die schönsten Momente waren für mich die rituelle Fußwaschung in Puente de Itero, mein Gespräch mit Schwester María Anunciación in Sahagún und natürlich die Pilgermesse in Santiago am Ende meiner Reise.

Wie sehen Ihre nächsten Reisepläne aus?

Nun ja, eigentlich habe ich schon damit begonnen sie umzusetzen, als ich für ein paar Monate nach Berlin gekommen bin, um Deutsch zu lernen. Ich bin wahnsinnig beeindruckt, dass die Deutschen so eine schwierige Sprache beherrschen. Wie macht ihr das nur? Da ich seit Weihnachten 2009 keinen Urlaub mehr hatte (der Camino ist kein Urlaub!), gönne ich mir dieses Jahr außerdem eine ausgiebige Trekkingtour durch Ladakh im Himalaja – das wird wohl ein bisschen hügeliger als der Camino!

-- ABi

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