Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen
Das Klingeln
bohrte sich wie eine glühende Nadel in sein Bewusstsein. Bereits vom ersten
Satz an weiß man, dass man wieder tief im Grangé-Land ist. Ein Land, in dem
nichts jemals subtil oder leise ist und in dem sogar Wecker mit bohrenden,
glühenden Nadeln kommen. Wozu mögen dann die Mörder in diesem Land erst fähig
sein? In Der Ursprung des Bösen geht einer um, der seine Opfer nach Vorbildern
aus der griechischen Mythologie hin- und herrichtet. Der Psychotherapeut Mathias
Freire bekommt das ungute Gefühl, dass er etwas mit dem Fall zu tun hat, weiß
aber nicht was. Bald befindet er sich auf der Flucht vor der Polizei und einem
ominösen Killer-Trupp, stellt eigene Ermittlungen an und erfährt, dass er gar
nicht der ist, der er dachte. Ist er selbst der Mörder? Oder ist es
komplizierter?
Selbstverständlich ist es komplizierter. So sehr einen Jean-Christophe Grangés theatralischer Stil mitunter verzweifeln lässt: Sein Ideenreichtum, befeuert durch penibelste Recherche abseitigster Themen, entschädigt für manches. Mehr noch: Der Ursprung des Bösen hält auf deutlich mehr als 800 Seiten konstant seine Spannung. Die Hauptfigur ist ausnehmend originell, anfangs etwas klischierte Nebenfiguren wachsen mit der Zeit über ihre Klischees hinaus. Wie alle Romane des Autoren ist auch dieser ein Road-Roman; lange hält es ihn nicht an einem Fleck. Anders als sonst geht es diesmal jedoch nicht in allzu exotische Gefilde. Verschiedene Handlungsorte in Frankreich und Belgien reichen vollkommen aus, um der Geschichte ein angemessenes, abwechslungsreiches Panorama zu bereiten. Bei der Beschreibung von Orten hat Grangé außerdem die Finesse, die er bei der Beschreibung von Menschen und deren Interaktionen mitunter missen lässt. So hat Der Ursprung des Bösen neben seiner Spannung jede Menge Atmosphäre. Es ist Grangés stimmigster und stimmungsvollster Thriller seit langem.
-- ANe

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