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Kuckucksmädchen: Ein Roman über die "Generation Option"

Kuckuck

 

Mit Acht Wochen verrückt hat Eva Lohmann einen beindruckenden Debütoman vorgelegt. Nun folgt ihr zweites Werk Kuckucksmädchen.

Liebe Eva Lohmann, woher nehmen Sie die Themen, mit denen Sie sich in Ihren Büchern auseinandersetzen?

Eva Lohmann: Aus meinem Leben. Große Teile des ersten Buches Acht Wochen verrückt habe ich in einer psychosomatischen Klinik geschrieben. Ich hatte eine Despression. Und ich habe darüber Tagebuch geführt. Ich wollte zeigen, dass man auch ein schweres Thema mit leichten Worten erzählen kann. Geschichten über Krankheiten können traurig und komisch zugleich sein. Das zeigt dieses Buch, und ich glaube, das ist auch der Grund, warum damals ein Verlag darauf aufmerksam geworden ist.

Mein zweiter Roman Kuckucksmädchen hat ebenfalls einen persönlichen Ursprung: Ich kam in die schwierige Situation, dass ich die Wohnung ausräumen musste, in der mein Großvater dreißig Jahre seines Lebens verbracht hat. Und ich musste mich fragen, was mit all den Sachen passiert, die wir in unserem Leben so anhäufen? Warum brauchten unsere Großeltern diese Eicherustikalschrankwände? Und was werden unsere Enkelkinder mit den vielen Wohnbuchstaben und Industrielampen machen, die wir alle gerade so fleißig zusammen tragen? In meinem zweiten Roman Kuckucksmädchen beschäftige ich mich – neben der Suche nach dem perfekten Mann natürlich - auf etwas ironische Weise mit den Themen Vergänglichkeit und Schicksal. Und diese beiden Motive lassen die Heldin Wanda ja überhaupt auf die Suche nach ihren Ex-Freunden gehen.

Was verbindet das Kuckucksmädchen mit Acht Wochen verrückt?

Eva Lohmann: Viele Leser haben sich eine Fortsetzung von Acht Wochen verrückt gewünscht. Aber die konnte ich nicht schreiben. Kuckucksmädchen ist eine ganz andere Geschichte, obwohl auch hier die Hauptperson einen kleinen Knacks hat. Natürlich gibt es minimale Verknüpfungen zwischen beiden Romanen, die sehr aufmerksamen Leser nicht entgehen werden – ich möchte aber nichts vorwegnehmen. Es sind augenzwinkernde Kleinigkeiten.

Gibt es trotzdem so etwas wie einen Stil, der sich durch die beiden Bücher zieht?

Eva Lohmann: "Trocken, melancholisch, ironisch, mutig" - das sagen viele Leserinnen über meine Art zu schreiben. Falls man nach Wiedererkennungsmerkmalen sucht, sind es wohl die kleinen, surrealen Dinge, die in meinen eigentlich sehr realitätsnahen Geschichten passieren. In meinem ersten Buch gibt es zum Beipiel ein kleines, sprechendes Problem. Es sitzt auf dem Bett und "baumelt mit den kurzen Beinchen, die es von der Lüge geerbt hat." Das Problem nimmt nur eine kleine Rolle ein, was ich im Nachhinein schade finde, bei Lesungen ist es nämlich immer sehr gut angekommen. Fürs zweite Buch habe ich mir vorgenommen, meine Lust am Personifizieren von Sachen einmal hemmunglslos auszuleben - und das sprechende Herz erfunden. Es hört sich im ersten Augenblick kitschig an, aber ich habe alles daran gesetzt, dass es ein aufsässiges, schwieriges, manchmal teuflisches kleines Herz geworden ist.

Ist das Schreiben zu Ihrem Beruf geworden?

Eva Lohmann: Im Moment kann ich davon leben. Und es ist der perfekte Beruf für mich. Schon als Kind hatte ich zu allem, was unmittelbar um mich herum passierte, Wörter und Texte vor Augen. Ich war immer in der Rolle des Beobachters. Lange Zeit habe ich gedacht, das sei normal, jeder würde die Welt sehen wie ich - und gleichzeitig im Kopf mitschreiben. Irgendwann habe ich verstanden, dass das eine besondere Art ist, die Welt zu sehen. Dass ich diese Eigenart zu meinem Lebensinhalt machen kann, das ist ein großes Geschenk.

Und wie reagiert das Publikum?

Eva Lohmann: Die große Aufregung vor allem der Medien um mein erstes Buch ist glücklicherweise vorbei. Ich habe viele Interviews gegeben, bin in Talkshows gesessen. Das hatte den Vorteil, dass sich das Buch extrem gut verkauft hat, weil Depressionen ein großes Thema waren und sind. Bewegender aber war für mich, dass ich wahnsinnig viele Briefe von Betroffenen bekommen habe, in denen sie sich bedankten, weil sie sich endlich einmal verstanden gefühlt haben.
Beim Kuckucksmädchen finde ich es interessant zu beobachten, wie es von den Leserinnen gesehen wird. Dabei geht es oft um Wanda, die Hauptperson, die sehr zu polarisieren scheint: Und das ist doch eigentlich das, was man als Autorin erreichen möchte – dass sich die Leserinnen mit den Figuren und der Geschichte auseinandersetzen und emotional auf sie reagieren.

--ABi

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