Ziemlich stark: Das neue Buch von Pozzo di Borgo
Herr Pozzo di Borgo, der Film Ziemlich beste Freunde, der auf Ihrer Autobiographie beruht, gehört zu den erfolgreichsten Filmen der vergangenen Jahre. Alleine in Deutschland haben ihn über achteinhalb Millionen Menschen gesehen. Inwiefern hat der Film Ziemlich beste Freunde Ihr Leben verändert?
Ich kann nirgendwo mehr hin, in keine Stadt in Europa, nicht mal nach Marrakesch oder in unser kleines Städtchen Essaouira, ohne dass mir alle fünf Minuten jemand dankt. Dann sage ich immer: "Ich habe keinen Finger gerührt!"
In Ihrem neuen Buch Ziemlich verletzlich, ziemlich stark geht es um die Gesellschaft als Ganzes – was stimmt nicht mit der Gesellschaft?
In der Gesellschaft wird zu viel Leistung erwartet. Wir müssen den Unterschieden zwischen uns und den Verletzlichkeiten jedes Einzelnen Rechnung tragen, um gemeinsam Geschmack am Glück zu finden.
Sollten wir alle „ziemlich beste Freunde“ werden?
Ich brauche dich, du brauchst mich, wir sollten also „ziemlich beste Freunde“ werden, das ist effektiver und angenehmer als eine Beziehung, die auf Macht und Stärke beruht.
Sind Menschen mit Behinderung besonders befähigt, das Gesellschaftsmodell, das Sie propagierenumzusetzen? Und wenn ja, was ist ihre besondere Rolle? Wie können sie der Gesellschaft als Ganzes helfen, besser zu werden?
Verletzlichkeit und Unterschiedlichkeit, ob man nun eine Behinderung hat oder nicht, wollen dazugehören, sie bringen Diversität und Kreativität mit sich. Sie versöhnen jeden einzelnen Menschen mit seiner Wahrnehmung des eigenen Wesens.
Wann und wo haben Sie zum letzten Mal etwas erlebt, das Ähnlichkeit mit der Gesellschaft hat, von der Sie träumen?
Im Rehazentrum, wo mich das gesamte Personal wieder aufgerichtet hat, und wo all diese "unversehrten" Menschen ihr Engagement zu genießen schienen.
-- HBa

mm on 29. November 12 um 12:59 Uhr
Der Autor schreibt sich Pozzo di Borgo, also das "di" ohne "e"