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Chris Pavone: Die Frau, die niemand kannte

Frau

Die amerikanischen Eheleute Kate und Dexter führen ein ansehnliches Leben in Luxemburg, wo sie sich um Kinder und Haushalt kümmert und er als IT-Spezialist Banken zur Seite steht. Vor dieser Beschaulichkeit allerdings war Kate CIA-Agentin, was sie nicht mal ihrem Mann verraten hat. Nun droht sie ihre Vergangenheit einzuholen, als ein neu angekommenes US-Pärchen in ihr Leben dringt. Kate hält die beiden für Agenten mit unguten Absichten. Nicht nur erhärtet sich ihr Verdacht zusehends, auch kommen ihr bald Zweifel an der Sauberkeit von Dexters Lebenslauf.

Das Puzzle mag ein etwas abgedroschenes Bild für einen Thriller sein, aber bei Die Frau, die niemand kannte gibt es kein passenderes: Öffnet man das Buch, purzeln die Einzelteile nur so heraus und erst wenn man sie komplett geordnet hat, erkennt man das ganze Bild. Erzählt wird in vermeintlicher Unordnung auf mehreren zeitlich und örtlich getrennten Handlungsebenen, wobei die Gegenwartshandlung in Paris und der Aufenthalt in Luxemburg den Löwenanteil ausmachen. Es kommt derweil auch zu Ausflügen an andere exotische Orte, z. B. München und Südamerika, und es werden immer wieder kurze Blicke in Kates Vergangenheit als CIA-Agentin geworfen. Diese sind dringend notwendig, um die Figur zu komplettieren. Hat Die Frau, die niemand kannte eine Schwachstelle, dann ist es diese besagte Frau. Sie neigt zu einer wehleidigen Besserwisserei, die europäischen Lesern als typisch amerikanisch erscheinen mag, und die es schwierig macht, mit der Dame warm zu werden.

Andererseits: Wir müssen sie ja nicht heiraten. Der Roman zieht seine Spannung aus dem vertrackten Aufbau des Plots, der raffiniert mit Cliffhangern und unerwarteten Wendungen arbeitet. Wer behauptet, alle Entwicklungen der Handlung vorhergesehen zu haben, der lügt wahrscheinlich. Und zum Schluss, wenn ihr traumatischstes Geheimnis gelüftet ist, ist auch Kate eine Frau mit vielen Eigenschaften. Vielleicht nicht im herkömmlichen Sinne sympathisch, aber interessant genug, dass es ein bisschen schade ist, sie schon verlassen zu müssen, wo man sie gerade erst kennengelernt hat. Eine Fortsetzung wäre kein allzu abwegiger Wunsch.

-- ANe

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