Blogs at Amazon

« Kindle-Deal des Tages: 3. Dezember | Alle Posts | Kindle-Deal des Tages: 4. Dezember »

Entdeckt! Interview mit der Kandidatin Jasna Mittler

ErsteLiebeDer Amazon Autoren-Preis zielt darauf ab, neue Talente aus dem deutschsprachigen Raum zu präsentieren und zu fördern. Für den Preis im Winter ist Jasna Mittler mit ihrem Roman Meine erste bis neunundneunzigste Liebe nominiert. Sie ist gemeinsam mit vier weiteren Autoren auf der Jagd nach den besten Kundenrezensionen.

Wir haben der Nominierten vorab einige Fragen gestellt:

Ihr Buch Meine erste bis neunundneunzigste Liebe handelt, wie der Titel verrät, von der Liebe. Ein universelles, viel beschriebenes Thema. Wie kamen Sie dazu, darüber zu schreiben? Haben Sie sich von eigenen Erfahrungen inspirieren lassen?

Jasna Mittler: Die erste Idee zu den Texten hatte auf jeden Fall mit mir und meinen eigenen Erfahrungen zu tun. Das ist aus einer Laune heraus entstanden, weil ich in meiner Lebenssituation das Gefühl des Verliebtseins vermisst habe. Aber anstatt loszuziehen, um mir eine neue Liebe zu suchen und damit meine Beziehung aufs Spiel zu setzen, habe ich mich damit begnügt, vergangene Lieben Revue passieren zu lassen. Und nachdem die Erinnerungsmaschine einmal in Gang gesetzt war, tauchten immer mehr Begegnungen vor meinem inneren Auge auf, kurze Augenblicke genauso wie Langzeitschwärmereien. Das war zwar nicht so aufregend wie frisch-verliebt-Sein, aber eine ganz passable Ersatzdroge. Im Verlauf des Schreibprozesses bin ich sehr bald von der eigenen Erinnerung abgewichen und habe angefangen, dazuzuerfinden, umzumodeln und zu komponieren. So besteht das Buch jetzt etwa in gleichen Teilen aus Episoden, die ich selbst erlebt habe, Episoden, die andere erlebt haben, und frei erfundenen Episoden – die wahrscheinlich zahlreiche Menschen irgendwo auf der Welt genau so oder ähnlich auch schon erlebt haben.

Sie bedienen sich einer sehr originellen Herangehensweise, indem Sie jede einzelne Liebe im Leben der Protagonistin auflisten und davon erzählen. Spielen Listen in Ihrem eigenen Leben eine besondere Rolle?

Jasna Mittler: Spontan würde ich sagen: überhaupt nicht! Aber dann schaue ich mich zu Hause um und entdecke Einkaufslisten, diverse „To do“-Listen, nach Dringlichkeit geordnet, und nicht zuletzt Listen mit Themen für Schreibprojekte, die noch der Umsetzung harren. Listen geben mir das Gefühl, die Übersicht in meinem ganz persönlichen Chaos zu behalten. Das beruhigt, auch wenn es nicht viel nützt! Aber ich denke, meine Vorliebe für Listen bewegt sich im normalen Rahmen, sie spielen also keine besondere Rolle.

Die Protagonistin durchläuft eine Entwicklung im Verlauf des Buches. Wie verändert sie sich durch ihre Lieben?

Jasna Mittler: Das Buch begleitet die Protagonistin von der frühen Kindheit an, bis sie etwa um die dreißig Jahre alt ist. Das ist die eine Ebene der Entwicklung, die zwangsläufig zu einer Veränderung der Interessen, der Lebensumstände und der (Selbst-)Wahrnehmung der Protagonistin führt.

Zum anderen verändert sich die junge Frau aber auch durch die Lieben, denen sie begegnet. Oft verliebt sie sich ja gar nicht in den Menschen selbst, sondern in das Bild, das sie auf diesen Menschen projiziert. Ihre Suche nach der großen Liebe ist also lange Zeit auch eine Suche nach sich selbst und danach, welches Leben zu ihr passt. Mit jeder Liebe, die sie ausprobiert, findet sie mehr darüber heraus, was sie wirklich will – nicht nur von der Liebe, sondern vom Leben allgemein. Sie wird dadurch zum Ende des Buches hin reifer, erwachsener. Was sich dann auch wiederum auf ihre Lieben auswirkt ...

Jede Liebe im Buch hat ihre ganze eigene Geschichte, und sei sie auch noch so kurz. Welche Spuren hinterlassen (verflossene) Lieben in unserem Leben?

Jasna Mittler: Das ist sehr verschieden. Vor Kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der sich der Frage widmete, warum so viele Leute ihrer ersten Liebe nachhängen. Das liegt anscheinend daran, dass diese erste Liebe noch mit so viel Hoffnung verbunden ist und wir sie so unvorbelastet erleben wie kaum eine andere. Diese Liebe lässt, vor allem im Rückblick, eine Menge Raum für Projektionen und Verklärungen.

Bei der Protagonistin des Buches kann man auch beobachten, dass die Lieben bei ihr gewisse Prägungen, Vorlieben oder Abneigungen, hinterlassen. Eine Liebe beeinflusst ihren Musikgeschmack, eine andere ist schuld daran, dass sie Fußball hasst. Wieder eine andere Liebe führt dazu, dass sie eine bestimmte Sprache erlernt usw.

Dass man sich auf diese Weise von demjenigen, den man liebt oder zumindest bewundert, beeinflussen lässt, geschieht bestimmt häufig. Und einen Teil dieser Prägung nimmt man dann vielleicht mit zur nächsten Liebe.

Silke Schmidt hat Ihre Texte auf bildschöne Weise illustriert. Haben die Illustrationen Ihre Sicht auf die Erzählungen verändert?

Jasna Mittler: Zunächst einmal erfahren die Geschichten durch die tollen Illustrationen und die schöne Aufmachung eine Aufwertung, die mich als Autorin einfach umhaut. Ich kannte die Texte in- und auswendig, hatte monatelang an ihnen rumgeschliffen und konnte mir nicht mehr vorstellen, dass sie mich noch überraschen könnten. Als ich sie dann das erste Mal in Buchform gesehen habe, jede einzelne liebevoll illustriert, wirkten sie ganz neu und frisch auf mich. Die Illustrationen heben Aspekte aus den Geschichten hervor, die manchmal nicht direkt im Vordergrund stehen. Das verleiht den Texten eine Tiefe, die allein beim flüchtigen Lesen vielleicht nicht zustande käme. Daher freue ich jedes Mal aufs Neue, wenn ich sie betrachte!

--MRa

Kommentare

Feed You can follow this conversation by subscribing to the comment feed for this post.

Kommentar schreiben

Wenn Sie ein TypePad- oder TypeKey-Konto haben, melden Sie sich bitte an.