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Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter jetzt auch auf Englisch

Beggar King

Zum Erscheinen von The Beggar King lässt uns Oliver Pötzsch hinter die Kulissen seines Werks schauen.

The Beggar King ist anders als die vorherigen Bücher der Serie, denn der Henker steht selbst vor Gericht. Was hat Sie zu dieser Geschichte inspiriert und warum haben Sie Jakob dieses Mal einer Gefahr ausgesetzt?

Oliver Pötzsch: Jeder Roman braucht eine starke Anfangsidee. In diesem Fall fragte mich ein Freund: „Was passiert eigentlich, wenn ein Henker selber gefoltert und hingerichtet werden soll? Wer macht das dann?“ Das war der Funken, den ich brauchte. Alles andere resultierte aus dieser ersten Idee. Im Übrigen war es durchaus nicht selten, dass ein Henker selber auf dem Schafott landete. Für den ehrgeizigen Nachfolger war das die beste Methode, sich gleich mal zu beweisen.

In The Beggar treten vielseitige Charaktere auf. Wie viel davon ist historisch inspiriert und wie viel haben Sie erfunden?

Oliver Pötzsch: Bettlerbanden gab es in der frühen Neuzeit in jeder größeren Stadt, gelegentlich werden in den Chroniken auch deren Anführer genannt. "Nathan den Weisen", das Oberhaupt der Regensburger Bettler, habe ich allerdings erfunden. Die unterirdischen Katakomben, in denen die Bande haust, gibt es jedoch wirklich. Wer sie besucht, erlebt einen vertikalen Querschnitt durch die Regensburger Geschichte: von den Römern über das jüdische Ghetto im Mittelalter bis hin zu den Bunkern des Zweiten Weltkriegs.

In diesem Buch entwickelt sich die Beziehung zwischen Simon und Magdalene weiter. Sie kämpfen gegen Widerstände, um zusammen sein zu können. Hätte dieses Paar im realen Bayern des 17. Jahrhunderts eine Chance gehabt?

Oliver Pötzsch: Ehrlich gesagt, wäre es sehr schwer für die beiden gewesen. Ich wollte aber unbedingt, dass Simons und Magdalenas Liebe eine Chance hat. Also habe ich den Schluss des Beggar King dementsprechend gestaltet, dass die zwei vielleicht eine Zukunft als Paar haben. Schließlich fragen mich vor allem meine Leserinnen immer wieder, ob es irgendwann auch kleine Kuisl-Kinder geben wird …

Ihre Serie zeichnet sich durch historische Detailkenntnis aus. Wenn Sie eine Woche lang im 17. Jahrhundert leben könnten, was würden Sie am liebsten tun oder sehen? Was wären die Vor- und Nachteile eines Lebens in dieser Zeit?

Oliver Pötzsch: Oh, Gott, ich möchte über diese Zeiten schreiben, aber sicher nicht in ihnen leben! Nicht mal eine Woche lang! Kein Licht nach Sonnenuntergang, der Dreck knöcheltief in den Straßen und eine eitrige Zahnwurzelentzündung ist praktisch das Todesurteil – was soll ich dort? Wenn es irgendetwas gibt, was ich an dieser Zeit schätze, ist das höchstens ihre, sagen wir, Direktheit. Wenn Sie täglich ums Überleben kämpfen, machen Sie sich keine Gedanken über den Sinn des Lebens, Ihren Body-Mass-Index oder Ihr nächstes Work-Lifetime-Balance-Fitness-Programm. Ein wenig davon könnte uns auch heute guttun.

--SMi

 

 

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