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Die Autoren Claus Fussek und Gottlob Schober im Interview

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Clauss Fussek und Gottlob Schober haben gemeinsam das Buch Es ist genug! Auch alte Menschen haben Rechte geschrieben. Im Interview erzählten die beiden über das Thema Altenpflege in Deutschland.

Lieber Herr Fussek, lieber Herr Schober, der Schauspieler Joachim Fuchsberger schreibt, alt werden ist nichts für Feiglinge. Dabei sehen wir überall in der Werbung die fitten Alten der Generation Silverhair, die reisen, konsumieren und sich jeden Wunsch erfüllen können. Sagen Sie, wovor müssen wir Angst haben?
Fussek und Schober: Man muss nicht Angst haben, alt zu werden, man muss Angst haben, pflegebedürftig zu werden. Wer gesund ist und sich einen schönen Lebensabend gönnen kann, ist auf der Sonnenseite. Leider aber landen viele Menschen im Pflegeheim. Und dort beginnt häufig ein langer Leidensweg.

Überall in unseren Städten entstehen schicke Seniorenresidenzen und altersgerechte Wohnungen, wer das Geld hat, muss nicht ins Altersheim. Wo ist das Problem?
Fussek und Schober: Auch hier ist das Problem die Pflegebedürftigkeit.  Das Pflegepersonal in vielen Heimen ist überfordert und überlastet. Wir hören häufig davon, dass nur zwei Pflegekräften für 28 Bewohner in der Frühschicht eingesetzt werden. Dass das zu wenig Personal ist, wird niemanden überraschen. Da muss es zwangsläufig zu Pflegedefiziten kommen. Alle im System beteiligten Personen  wissen darüber Bescheid. In der häuslichen Pflege haben wir übrigens dasselbe Problem. Auch pflegende Angehörige sind überfordert und überlastet. Für sie gibt es zu wenige Möglichkeiten, auch mal raus zu kommen aus der Mühle der Pflege. Häufig finden sie keine bezahlbare Entlastung wie zum Beispiel Tagespflegeinrichtungen.

Seit Jahren spricht man vom Pflegenotstand hierzulande. Woran fehlt es am meisten, am Personal, am Geld, am Engagement?
Fussek und Schober: Es fehlt vor allem an Menschlichkeit und einer humanen Grundhaltung in der Gesellschaft. Wir leisten uns den Luxus,  das Problem kollektiv zu verdrängen. Dabei sind die Probleme seit vielen Jahren dieselben. Es fehlt die notwendige Zeit, um den pflegebedürftigen Menschen Essen und Trinken zu reichen und mit Ihnen zur Toilette zu gehen. Es werden zu viele Psychopharmaka gegeben, und das nur, um Bewohner ruhig zu stellen. Fixierungen werden eingesetzt, weil sie die Pflege erleichtern. Nachts ist eine Pflegekraft oftmals für 60 und mehr Menschen zuständig. Bei einer solch unverantwortlichen Besetzung dürfte keine Altenpflegerin den Dienst antreten.

Sie behaupten, schlechte Pflege ist Folter! Was ist schlechte Pflege – und wann ist der Tatbestand der Folter erfüllt?
Fussek und Schober: Wenn wir die Kriterien von Amnesty International zugrunde legen, dann müssen wir bei vielen Missständen in Pflegeheimen von Folter und menschenunwürdiger Behandlung sprechen. Schlafentzug gilt in jedem Gefangenenlager als Folter. In vielen Pflegeheimen werden Bewohner regelmäßig nachts geweckt und gewaschen, damit es im Frühdienst etwas ruhiger ist. Einen Dauerkatheter oder eine Magensonde als pflegeerleichternde Maßnahme zu legen, ist Körperverletzung. Das kommt in der Pflege jedoch regelmäßig vor. Tausende Fixierungen (Fesselungen) finden in deutschen Pflegeheimen täglich statt, ohne richterliche Genehmigung. Würde das in einem Gefängnis passieren, müsste der zuständige Minister zurücktreten. Bei alten Menschen interessiert es niemanden. Sie kommen oftmals nicht einmal an die frische Luft, dabei ist in jedem Knast der tägliche Hofgang obligatorisch. 

Wenn man in ein Pflegeheim kommt oder in ein Altersheim, wird man schon am Eingang mit Urkunden und Zeugnissen konfrontiert. Die sagen mir: Alles geprüft, alles in bester Ordnung. Wie seriös sind solche Zertifikate?
Fussek und Schober: Jeder Reiseveranstalter würde für solche Verbrauchertäuschung wegen Prospektbetrugs juristisch belangt werden. In Pflegeheimen interessiert sich leider niemand dafür. Jeder weiß aber, dass es ein Heim ohne Mängel gar nicht geben kann.

Wenn es bei uns so schlecht um die Pflege bestellt ist, was muss dringend geändert werden?
Fussek und Schober: Wir haben kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsproblem. Die Forderungen in unserem Buch Es ist genug! Auch alte Menschen haben Rechte sind alternativlos und ähnlich wie bei der Hochwasserkatastrophe sofort umzusetzen. Die Bürger müssen sich wie bei der Flut gegenseitig helfen und niemand darf die notleidenden Menschen im Stich lassen. Diese Solidarität fordern wir für Kinder und für alte Menschen. Angehörige sind verantwortlich, Kinder haften für ihre Eltern, genauso wie Eltern für ihre Kinder haften müssen.

 

--BHa

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