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Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes

Wahrheit

Olivier Passan ist ein typischer Grangé-Protagonist (man hat beim Lesen die Verfilmung mit Jean Reno schon vor Augen): Gezeugt von drogensüchtigen Hippies, geboren unter einer Buddha-Statue, unglückliche Odyssee durch mehrere Heime, Selbstfindung in Japan, aktuell im Pariser Polizeidienst. Dort jagt er den "Geburtshelfer", einen Serienmörder mit Vorliebe für schwangere Frauen. Ist sein Berufsleben schwierig, so ist sein Privatleben auch kein Zuckerschlecken. Er und seine Frau Naoko bereiten gerade die Scheidung vor. Als wäre das nicht schlimm genug, beginnt auch noch jemand, der Frau und den Kindern nachzustellen. Sie verdächtigt Olivier. Olivier verdächtigt den Geburtshelfer. Es kommt alles ganz anders.

Die Handlung von Die Wahrheit des Blutes beginnt in Paris und verlagert sich nach Japan, beides dankenswerte Szenarien für einen Recherche-Freak, Weltenbummler und famosen Ortsbeschreiber wie Grangé. Kleinere Ungenauigkeiten verzeiht man dabei gerne. Problematisch wird es allerdings, wenn der Autor die Einzelschicksale seiner Figuren zu Volksschicksalen verallgemeinert: „Naoko Akutagawa (…) hatte die ganz normale Hölle aller japanischen Kinder durchgestanden (…): Schläge mit dem Gürtel, eisige Duschen sowie Schlaf- und Nahrungsentzug.“ Dem Rezensenten sind mehrere japanische Erwachsene in Frau Akutagawas Alter bekannt, die diese „ganz normale Hölle aller japanischen Kinder“ irgendwie gar nicht mitbekommen haben.

Doch wenn man Die Wahrheit des Blutes nicht als repräsentative Studie über asiatische Kindererziehung liest, sondern als ausgedachten Unterhaltungsroman mit der Grangé-typischen, opernhaften Übertreibung in Ausdruck und Inhalt, dann liest man eine überraschend kunstvolle Verquickung von Psychodrama und Psychothriller, die in der Auslotung des Innenlebens ihrer Figuren eine Genauigkeit und Wahrhaftigkeit erreicht, die sie in ihren kulturellen Exkursen manchmal vermissen lässt. Darüber hinaus ist die Geschichte überaus originell strukturiert. Der Leser sollte kein Feind von Überraschungen sein.

-- ANe

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