Blogs at Amazon

« Kindle-Deal des Tages: 30. Oktober | Alle Posts | Kindle-Deal des Tages: 31. Oktober »

William Boyd: Solo

Solo

Filmisch geht es James Bond seit einigen Jahren wieder prächtig, aber literarisch scheint er in einer Identitätskrise zu stecken. Seit sich mit Raymond Benson 2002 der letzte festangestellte Bond-Romanautor verabschiedete, setzen die Rechteverwalter bei neuen Titeln auf Event-Charakter statt Kontinuität. So wird alle paar Jahre ein neuer Promi aus dem Hut gezaubert, der ein Buch nach eigener Fasson schreiben darf, ohne Rücksicht auf zuvor Geschehenes. 2008 blamierte sich Sebastian Faulks beim Versuch, mit der Stimme Ian Flemings zu sprechen. Jeffery Deaver gebar 2011 den Agenten gleich ganz neu, als moderne Figur in modernen Zeiten. Eine überraschend runde Sache, aus der gerne eine Serie hätte werden können. Nun allerdings ist mit William Boyd der nächste Gast-Starautor dran, der wieder sein eigenes Süppchen kocht und die Figur heim in die 60er holt. Das ist zwar schade um die verpasste Gelegenheit zu einer neuen Kontinuität. Ein Vergnügen ist Solo dennoch.

James Bond wird in das (fiktive) afrikanische Land Zanzarim berufen, um einen Despoten aus dem Weg zu schaffen und damit einen Bürgerkrieg zu beenden. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit einem Söldner, dem Bond nach Beendigung der Mission zwecks persönlicher Rache in die USA nachreist. Dabei muss er feststellen, dass in Afrika nicht alles war, was es gewesen zu sein schien.

Das Hauptaugenmerk liegt bei Boyd, wie bei Bond-Erfinder Ian Fleming, nicht auf überzeichneter Action, sondern auf der wendungsreichen Handlung und der lebendigen Schilderung der internationalen Schauplätze und des mondänen Lebensstils eines kosmopolitischen Schwerenöters. Dabei ist Solo ein Bond-Roman mit der Betonung auf Bond. Wir erleben Bond nicht nur als Abenteuerfigur, sondern auch als Liebenden (also nicht nur, wie zu erwarten, als Liebhaber), Mieter (seine Wohnung wird renoviert) und Zweifler (mit 45 fühlt er sich langsam zu alt für seine anspruchsvollen Aufgaben). Die Geschichte schreitet im angenehmen mittleren Tempo eines klassischen Spionagekrimis voran, ein Genre, das Boyd beherrscht. Genauso souverän beherrscht er die Beschreibung des Lebensgefühls im London der ausschwingenden 60er und der Zustände in afrikanischen Krisengebieten (Boyd wuchs in Ghana und Nigeria auf). Die Überraschungsversuche der Handlungswendungen sind unterschiedlich erfolgreich. Der scheinbare Verrat einer vertrauten Figur und ihre folgende Rehabilitierung sind ebenso sichere Bond-Bretter wie der anschließende Beischlaf zur Wiedergutmachung und der tragische Todesfall, der gerächt werden will. Auch wenn sie einem nicht vor Erstaunen die Sprache verschlagen: Dramaturgisch sind die Wendepunkte glänzend gesetzt und geben den Rhythmus für den bislang gelungensten Bond-Roman der Post-Benson-Ära vor.

-- ANe

Kommentare

Feed You can follow this conversation by subscribing to the comment feed for this post.

Kommentar schreiben

Wenn Sie ein TypePad- oder TypeKey-Konto haben, melden Sie sich bitte an.