Blogs at Amazon

« Unsere Empfehlung: Der neue Roman d | Alle Posts | Exklusives Interview mit Izabelle J »

Exklusives Interview zur Kurzgeschichte "Der Vasall des Königs" von Daniel Wolf

Im exklusiven Interview beantwortet Autor Daniel Wolf fragen zu seiner neuen Kurzgeschichte "Der Vasall des Königs". In der historischen Kurzgeschichte (nur als eBook erhältlich) beschreibt Wolf das Leben von Balian Fleury, der zur Zeit des Heiligen Römischen Reiches mit seinem Leben hadert. Die Arbeit im traditionsreichen Kaufmannsgeschäft der Familie liegt ihm nicht; immerzu steht er im Schatten seines Bruders Michel. Als Wilhelm von Holland, der junge König des Heiligen Römischen Reiches, gegen die aufständischen Friesen in den Krieg ziehen will, wittert Balian seine Chance, dem tristen Dasein zu entkommen. Gegen den Willen seiner Familie schließt er sich dem königlichen Heer an. Anfangs ist Wilhelm siegreich, und Balian genießt das abenteuerliche Leben. Doch dann entwickelt sich der Feldzug zur Katastrophe …

Worum geht es in „Der Vasall des Königs“?

Der „Vasall“ spielt einige Jahre nach meinem Roman „Das Licht der Welt“ und erzählt von Balian, Rémys und Philippines Sohn. Balian ist inzwischen erwachsen und das schwarze Schaf der Familie Fleury, denn er fühlt sich weder zum Kaufmann noch zum Buchmaler berufen. Stattdessen will er Ritter werden wie seine Vorfahren mütterlicherseits. Um dieses Ziel zu erreichen, schließt er sich dem König an und zieht in den Krieg – was seiner friedliebenden Familie überhaupt nicht gefällt.


Vasall_des_koenigs
„Der Vasall des Königs“ ist bereits der dritte Roman über die Kaufmannsfamilie Fleury. Können Sie uns bitte kurz etwas über diese Serie sagen.

Die Fleury-Romane bilden keine Serie im eigentlichen Sinn, da man jedes Buch auch ohne Kenntnis der anderen lesen und verstehen kann. Aber natürlich bauen sie aufeinander auf, und ich denke, dass es Spaß macht zu beobachten, wie sich die Familie Fleury und ihre Heimatstadt Varennes-Saint-Jacques über die Jahrzehnte hinweg entwickeln. Seit dem ersten Buch „Das Salz der Erde“ sind inzwischen 80 Jahre vergangen, und die vierte Generation der Fleurys bestimmt das Geschehen. Balian, seine Zwillingsschwester Blanche und ihr älterer Bruder Michel sind alle drei sehr verschieden, da sind Spannungen und Konflikte an der Tagesordnung. Der nächste Roman, der nach „Der Vasall des Königs“ erscheinen wird, rückt die Beziehung der drei in den Mittelpunkt. Außerdem bekommt darin das Schicksal der Fleurys eine ganz neue Richtung. Aber mehr wird noch nicht verraten.


Welche realen historischen Ereignisse und Persönlichkeiten spielen in „Der Vasall des Königs“ eine Rolle?

Die Geschichte spielt in den Jahren 1255 und 56, also mitten im Interregnum, der kaiserlosen Zeit. König Wilhelm von Holland, der umstrittene Herrscher des Heiligen Römischen Reiches, hat einige Auftritte und beeinflusst dabei Balians Schicksal. Wilhelms Feldzug gegen die aufständischen Friesen in Nordholland bildet den historischen Rahmen der Geschichte. Außerdem wird die Politik des mächtigen Rheinischen Bundes gestreift.

Wolf_Licht-der-Welt_Stammbaum_151002

 
Was fasziniert Sie ausgerechnet am Mittelalter, einer Zeit, in der das Leben doch deutlich weniger komfortabel war als heute?

Vergleicht man das Mittelalter mit der Gegenwart in Europa, erscheint es sehr fremd – nicht nur, weil das Leben viel härter war und es weder Zahnpasta noch Smartphones gab. Auch das Denken und Fühlen der Menschen unterschied sich stark von unserer modernen Weltsicht. Religion und magische Vorstellungen bestimmten die Gedankenwelt; aufklärerische Konzepte wie Kindheit, Individualismus, wissenschaftliche Methodik, Menschenrechte und dergleichen waren unbekannt. Diese Fremdheit will ich in meinen Romanen erforschen, denn sie fasziniert mich – obwohl ich selbst überhaupt kein religiöser oder „magiegläubiger“ Mensch bin.

Wie arbeiten Sie? Haben Sie schon gleich eine Idee im Kopf, die Sie „nur“ noch zu Papier bringen müssen? Oder entwickelt sich die Geschichte erst beim Schreiben?

Zunächst recherchiere ich sehr viel über die Epoche, die Thematik und die Region, über die ich schreiben will. Während der Recherchen werden meine Ideen konkreter; Figuren und erste Handlungsverläufe entstehen. Irgendwann habe ich dann genug Material, um mit dem Plotten anfangen zu können, sprich: Ich skizziere den Roman von Anfang bis Ende und arbeite alle Charaktere, Konflikte und Schauplätze aus. Erst wenn diese Skizze – das „Storyboard“ – steht, fange ich mit dem Schreiben an. Klingt technischer, als es ist. Während des Schreibens verändere ich noch mal viel oder berücksichtige neue Ideen. Trotz aller Planung ist die Arbeit am Roman also immer ein organischer (und mitunter chaotischer) Prozess.

© Goldmann Verlag

Kommentare

Feed You can follow this conversation by subscribing to the comment feed for this post.

Kommentar schreiben

Wenn Sie ein TypePad- oder TypeKey-Konto haben, melden Sie sich bitte an.