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Weltenbummler: Hüttngaudi in Österreich

Das Land der Berge ruft im Winter nach Skiflitzern und Hüttenabenden, aber hat auch kulinarisch jede Menge zu bieten. Genießen Sie die Vielfalt und Lebenslust Österreichs mit den passenden Buch-Tipps - Augenzwinkern inklusive.

Unsere Empfehlung für Weltenbummler: "Fincamond" von Eva-Maria Farohi

 

 

Fincamond

 

 

Eva-Maria Farohi im Exklusiv-Interview

 

Was schätzen Sie als gebürtige Wienerin an Österreich?

Eva-Maria Farohi: Österreich ist ein verhältnismäßig kleines Land – aufgeteilt in neun Bundesländer, von denen jedes einen eigenen Charakter besitzt, seinen eigenen Charme hat.

Entsprechend überschaubar sind die Größenverhältnisse. Natürlich kennt nicht "jeder jeden". Aber eine gewisse Gemütlichkeit, ich würde fast sagen "Intimität", ist vorhanden. Sogar in Wien, das gerade in letzter Zeit eine rasant wachsende Stadt ist. Aber selbst da kann es noch vorkommen, dass einen der Polizist morgens auf der Straße grüßt.

Die Kleinheit von Österreich in Verbindung mit der Größe Europas ist etwas, das ich sehr schätze. Womit ich bereits verraten habe, dass ich Europäerin, Österreicherin und Wienerin gleichermaßen bin.

 

Glauben Sie, dass es einen Unterschied zwischen deutschen und österreichischen Autoren gibt?

Eva-Maria Farohi: Ehrlich? Nein.

Natürlich gibt es Autoren, die der Eigenart einer bestimmten Menschengruppe besonders verbunden sind. Ich denke zum Beispiel an Mundartdichter, oder durchaus auch manche Satiriker.

Aber generell denke ich, dass es bei Autoren – ebenso wie bei jeder anderen Künstlergruppe auch – einfach nur bessere und schlechtere gibt, berühmtere und weniger berühmte.

Sicherlich prägt einen Künstler die Umgebung, in der er lebt. Sie inspiriert ihn.
Schreiben ist nämlich ein ziemlich einsamer Job, bei dem persönliche Erfahrung und Fantasie miteinander verschmelzen und Gefühle in Worten gefasst werden. Die Sprache, in der ein Autor schreibt, spielt dabei sicher eine gewaltige Rolle.

"Was Deutschland und Österreich trennt, ist die gemeinsame Sprache", soll Karl Kraus gesagt haben. Natürlich hört man, ob jemand aus Norddeutschland stammt, oder aus Österreich – oder aus der Schweiz. Das ist auch ganz in Ordnung so.

Einen wirklichen Einfluss auf die schriftstellerische Tätigkeit hat dieser Unterschied aber nicht.

 

Was ist ihr liebster Ort in Österreich den Sie den Amazon-Lesern empfehlen möchten?

Eva-Maria Farohi: Auch wenn das jetzt vermutlich nicht sehr originell ist: Ich finde meine Heimatstadt einfach toll. Und obwohl ich derzeit etwas außerhalb lebe, bin ich doch immer sehr gern auch in Wien.

Dann laufe ich durch die so vertrauten Gassen der Josefstadt - dem kleinsten Bezirk, in dem ich aufgewachsen bin … und weiter, am Burgtheater vorbei, zur Hofburg hinüber, durch das Michaelertor auf den Kohlmarkt – den Graben, bis hin zum Stephansdom und …
Also Wien ist immer eine Reise wert.

Der Wiener selbst ist zwar ein wenig eigen. Er ist nie zufrieden. Das nennt man raunzen, und er meint es nicht bös. Außerdem sieht er oft verdrießlich drein – auch das gehört zu seiner Eigenart. Aber abends dann, beim "Heurigen", wo man den typischen Grünen Veltliner, einen trockenen Weißwein, trinkt, wird er auf einmal gemütlich. Da findet man schnell Kontakt zu ihm, und er zeigt sein "goldenes Wienerherz", auf das er so stolz ist.

 

Nach einer Kurzgeschichte haben Sie im letzten November Ihren ersten Roman "Fincamond" erfolgreich veröffentlicht. Er spielt hauptsächlich auf Mallorca. Steckt auch ein wenig Österreich in Ihrem Roman?

Eva-Maria Farohi: Ich glaube, es ist kein besonders großes Geheimnis, wenn ich sage, dass die zweite Hälfte meines Herzens Mallorca gehört. Ich habe dort sechs wunderbare Jahre verbracht - dennoch war immer auch so ein Stückchen Österreich dabei.

Darum ist es vermutlich kein Zufall, dass die Großmutter meiner Protagonistin Wienerin ist. Oma Helene ist ein typisches Wiener Original. Sie ist gemütlich und sie raunzt auch ein wenig, vor allem aber kocht und bäckt sie himmlisch – und verwöhnt alle mit den Klassikern der Wiener Küche. Was sie im zweiten Band meiner Mallorca-Trilogie, der im Frühjahr erscheinen wird, auch wieder ausgiebig tun darf.

 

Die Protagonistin in "Fincamond" trifft in Mallorca auf geänderte Lebensbedingungen und verändert sich dadurch. Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen einem Leben in Österreich und dem in Mallorca?

Eva-Maria Farohi: So komisch das klingt, ich habe erst in Mallorca gelernt, richtig zu genießen. Früher habe ich die Dinge immer getrennt. Arbeit – Freizeit – Spaß.
Für den Mallorquiner gehört das zusammen. Denn alles zusammen ist "das Leben".

Man lebt nicht, um zu arbeiten, man arbeitet, um zu leben. Auch hat der Job nicht annähernd denselben Prestigewert, wie bei uns. Er ist lediglich ein Job, der getan werden muss.

Der eine ist Arzt, der andere Busfahrer. Der eine reicher, der andere ärmer. Mit der Wertschätzung des einzelnen Menschen hat das nichts zu tun. Auf den Charakter und das Verhalten der Gemeinschaft gegenüber kommt es an.
Nirgendwo habe ich so stark erlebt, dass man mich ausschließlich nach meinem eigenen Tun beurteilt hat, wie in Mallorca.

Auch findet der Mallorquiner immer Zeit, um einige persönliche Worte zu wechseln. Selbst dann, wenn die Warteschlange vor der Kassa gerade lang ist - doch keiner der Wartenden würde sich darüber aufregen.
Diese Art zu leben ist wesentlich stressfreier, das spiegelt sich in den Menschen wieder.

Außerdem sind viele mallorquinische Familien immer noch sehr reich an Mitgliedern. Natürlich trifft man einander nicht ununterbrochen. Aber bei großen Festen kommen alle zusammen. Und auch im Alltag begegnen sie einander regelmäßig. Das verleiht eine Kraft, die sich wiederum in einer gewissen Gelassenheit wiederspiegelt, selbst dann, wenn es im Leben einmal etwas rauer zugeht.


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