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Interview mit Marion Johanning zur Erscheinung von "Die honigsüßen Hände"

Am 9. Februar erscheint der Johanninghistorische Roman Die honigsüßen Hände exklusiv bei Amazon Publishing. Wir haben die Autorin vorab getroffen und die Gelegenheit gehabt, Ihr einige Fragen zu stellen.

Wann hat Ihr persönliches Interesse für geschichtliche Themen begonnen bzw. gab es ein entscheidendes Ereignis, das diese Begeisterung ausgelöst hat?

Ich habe mich eigentlich schon immer für Geschichte interessiert. Als Kind kniete ich vor dem Lexikon meiner Eltern und betrachtete die Gemälde von Heinrich VIII. und seinen sechs Frauen. Mit 13 verschlang ich Bücher über die alten Ägypter, später fesselten mich die Römer und das Mittelalter. Bis heute fasziniert mich alles, was mit Geschichte zu tun hat. Ich finde es wichtig, das eigene Leben in einem größeren Kontext zu sehen.

 Welche Quellen ziehen Sie gerne zu Rate, um für Ihre Bücher zu recherchieren? Finden sich die interessanten Sachen mittlerweile alle online?

Wenn mir klar ist, in welcher Zeit die Geschichte spielen soll, recherchiere ich zunächst online, um einen Überblick über die Zeit und die einschlägige Literatur zu bekommen. Danach führt mich mein Weg in die Stadtbücherei, aus der ich stapelweise Bücher nach Hause trage. Das System der Fernleihe schätze ich sehr, denn spezielle Fachliteratur gibt es meistens nur in den Unibibliotheken. Manche Bücher schaffe ich mir an, z.B. Standard-Nachschlagewerke oder historische Stadtführer.

Wenn ich für eine bestimmte Zeit sensibilisiert bin, dient mir auch alles Mögliche als Quelle – Zeitschriften, Magazine, sogar das Fernsehen. Ich gehe in Archive, besuche Museen, ziehe, wenn nötig, den Rat von Experten hinzu. Unverzichtbar ist aber immer die Recherche vor Ort. Ich muss ein Gefühl für Landschaften und Orte entwickeln, um sie beschreiben zu können.

Das Mittelalter ist als dunkles Kapitel der Menschheit in die Geschichte eingegangen. Welche positiven Entwicklungen wurden dennoch Ihrer Meinung nach im Mittelalter angestoßen?

Im Hochmittelalter kam es durch einige günstige Faktoren zum Entstehen und Aufblühen vieler Städte. Handel und Gewerbe nahmen zu, den Bürgern wurden durch ihre kirchlichen oder weltlichen Herren nach und nach Privilegien eingeräumt, dank derer eine gewisse Freiheit entstand.

Es gibt ja den schönen Spruch „Stadtluft macht frei“: Viele hörige Bauern und Leibeigene flohen in die Städte und wurden Stadtbewohner, wenn ihr Grundherr nicht binnen Jahresfrist Ansprüche stellte. Die alte Feudalgesellschaft bekam Risse.

Später legte sich das selbstbewusste Bürgertum, durch den Handel reich geworden, vielfach mit seinen Stadtherren an. In meinem Roman sind die Auseinandersetzungen zwischen den Bürgern und dem Erzbischof in Köln ja auch ein Thema.

Die Emanzipation der Frauen spielt in Ihrem Buch eine wesentliche Rolle. Welche Berufe konnten Frauen in dieser Zeit am ehesten ausüben?

Von den neuen stadtbürgerlichen Freiheiten profitierten auch die Frauen. In Köln z.B. waren das Textilhandwerk, die Garn- und Tuchherstellung und die Erzeugung von Lebensmitteln wichtige Wirtschaftszweige, an denen die Frauen maßgeblich beteiligt waren. Frauen stellten Garn her, webten, handelten mit Stoffen. Sie buken Brot und brauten Bier, ob als Hausherrin oder Magd für den eigenen Gebrauch oder als Handwerkerin für den Verkauf. Sie arbeiteten als Wirtin, Schankmagd oder mussten ihren Lebensunterhalt als Dirne verdienen. Es gab im 13. Jahrhundert in Köln die ersten Beginenkonvente - mittelalterliche Gemeinschaften von Frauen, die weder heiraten noch in ein Kloster eintreten wollten. Sie arbeiteten als Hebammen, Lehrerinnen, Seidenweberinnen, Spinnerinnen, Wäscherinnen. Die Großmutter meines Protagonisten Daniel Jude – Sela Jude – gründete übrigens 1230 den ersten Beginenkonvent in Köln.

Gibt es etwas, das Sie Ihren LeserInnen gerne für die Lektüre mit auf den Weg geben möchten?

Ich hoffe, dass es mir gelingt, meine Leserinnen und Leser für ein paar Stunden in die mittelalterliche Welt zu entführen.

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