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Autor im Fokus

Matting legt Urban Fantasy vor - bis 9.12. exklusiv auf Kindle

Meltworld_ShanghaiMit Meltworld Shanghai legt Matthias Matting jetzt sein Roman-Debüt vor: Urban Fantasy, die sich sehen lassen kann. Bis 9.12.2012 ist der Roman für 4,99 EUR exklusiv für Kindle erhältlich.

Wir haben dem Autor einige Fragen gestellt:

Was hat Sie dazu bewogen, einen Roman zu schreiben?
Und wie kamen Sie auf Shanghai, gibt es eine persönliche Beziehung zur Stadt?

Matthias Matting: Die beiden Fragen hängen in diesem Fall eng zusammen. Vor etwa einem Jahr war ich zum ersten Mal in Shanghai. Das ist eine unglaublich spannende Stadt. Und es gibt dort so viele Orte, die mich sofort in eine bis dahin ungeschriebene Geschichte versetzt haben. Wo findet man das sonst: eine Bibliothek, halb altrömisch, halb aus der Zeit des chinesischen Kaisertums? Ein Hotel, das wie eine Märchenvilla wirkt? Und dann die unglaublichen Kontraste zwischen der Altstadt, wo die Menschen leben wie vor 50 Jahren, und den Hochhausvierteln, die an eine Mega-Version von New York erinnern. Oder wo kann man sich in einem Ballsaal in die 1930-er tanzen, als Shanghai als das Paris des Ostens galt und von den Triaden beherrscht wurde? Diese Orte wollten unbedingt in eine Geschichte.

Warum Fantasy?

Matthias Matting: Liao Yiwu ist schuld, der chinesische Schriftsteller, der gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt. Auf meiner ersten Reise nach Shanghai hatte ich sein Buch "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" im Gepäck, eine Sammlung von Interviews, die der Autor mit ganz verschiedenen Menschen geführt hat. Die faszinierenden Mythen, etwa über den Beruf des Totenrufers, von denen ich darin zum ersten Mal las, haben so wunderbar zu den Orten gepasst, die ich mir bei diesem Besuch angesehen habe, dass einfach Fantasy daraus entstehen musste.

Was macht Ihr Buch besonders?

Matthias Matting: Der Titel "Meltworld" ist bewusst gewählt. Ich will nicht zu viel verraten, aber das Shanghai, das der Leser kennenlernt, ist ein riesiger Schmelztigel. Trotz vielen Jahren Kommunismus sind Mythen hier sehr lebendig. Gut und Böse liegen in dieser Stadt unglaublich nah zusammen - von Shanghai ging zum Beispiel auch die Kulturrevolution aus, die im Roman ebenfalls eine Rolle spielt und Millionen Menschen das Leben kostete. 

Sie gehen sehr kreativ damit um, die Leser einzubeziehen, wie kamen Sie darauf?

Matthias Matting: Das gehört, finde ich, ebenfalls zu einer "Meltworld". Die Hauptperson, Hannah Harlof, hat mich schon sehr früh gedanklich begleitet. Sie war der Kern, von dem die Geschichte ausging. Da lag es nahe, dass sie bei Facebook und Twitter von ihrem Alltag erzählt. Sie berichtet, was in Shanghai passiert, und manche dieser nicht ausgedachten Ereignisse passten so gut, dass sie schließlich zu Elementen der Story wurden. Hannah hat ein gewisses Eigenleben entwickelt, sie hat zum Beispiel auch einen Shanghai-Reiseführer verfasst, der in diesen Tagen in einer Verschenk-Aktion bei Amazon erhältlich sein wird. Bei manchen ihrer Facebook-Freunde hat sie sich sogar mit Postkarten gemeldet. So verschmelzen die Wirklichkeit und die im Buch erzählte Geschichte. Zwei Leser können sich übrigens all die Orte, die Hannah besucht hat, auch selbst ansehen - eine Reise nach Shanghai ist der Hauptpreis des Leserwettbewerbs, der im Buch und auf der Website zum Buch näher erklärt wird.

-- VMe

Kuckucksmädchen: Ein Roman über die "Generation Option"

Kuckuck

 

Mit Acht Wochen verrückt hat Eva Lohmann einen beindruckenden Debütoman vorgelegt. Nun folgt ihr zweites Werk Kuckucksmädchen.

Liebe Eva Lohmann, woher nehmen Sie die Themen, mit denen Sie sich in Ihren Büchern auseinandersetzen?

Eva Lohmann: Aus meinem Leben. Große Teile des ersten Buches Acht Wochen verrückt habe ich in einer psychosomatischen Klinik geschrieben. Ich hatte eine Despression. Und ich habe darüber Tagebuch geführt. Ich wollte zeigen, dass man auch ein schweres Thema mit leichten Worten erzählen kann. Geschichten über Krankheiten können traurig und komisch zugleich sein. Das zeigt dieses Buch, und ich glaube, das ist auch der Grund, warum damals ein Verlag darauf aufmerksam geworden ist.

Mein zweiter Roman Kuckucksmädchen hat ebenfalls einen persönlichen Ursprung: Ich kam in die schwierige Situation, dass ich die Wohnung ausräumen musste, in der mein Großvater dreißig Jahre seines Lebens verbracht hat. Und ich musste mich fragen, was mit all den Sachen passiert, die wir in unserem Leben so anhäufen? Warum brauchten unsere Großeltern diese Eicherustikalschrankwände? Und was werden unsere Enkelkinder mit den vielen Wohnbuchstaben und Industrielampen machen, die wir alle gerade so fleißig zusammen tragen? In meinem zweiten Roman Kuckucksmädchen beschäftige ich mich – neben der Suche nach dem perfekten Mann natürlich - auf etwas ironische Weise mit den Themen Vergänglichkeit und Schicksal. Und diese beiden Motive lassen die Heldin Wanda ja überhaupt auf die Suche nach ihren Ex-Freunden gehen.

Was verbindet das Kuckucksmädchen mit Acht Wochen verrückt?

Eva Lohmann: Viele Leser haben sich eine Fortsetzung von Acht Wochen verrückt gewünscht. Aber die konnte ich nicht schreiben. Kuckucksmädchen ist eine ganz andere Geschichte, obwohl auch hier die Hauptperson einen kleinen Knacks hat. Natürlich gibt es minimale Verknüpfungen zwischen beiden Romanen, die sehr aufmerksamen Leser nicht entgehen werden – ich möchte aber nichts vorwegnehmen. Es sind augenzwinkernde Kleinigkeiten.

Gibt es trotzdem so etwas wie einen Stil, der sich durch die beiden Bücher zieht?

Eva Lohmann: "Trocken, melancholisch, ironisch, mutig" - das sagen viele Leserinnen über meine Art zu schreiben. Falls man nach Wiedererkennungsmerkmalen sucht, sind es wohl die kleinen, surrealen Dinge, die in meinen eigentlich sehr realitätsnahen Geschichten passieren. In meinem ersten Buch gibt es zum Beipiel ein kleines, sprechendes Problem. Es sitzt auf dem Bett und "baumelt mit den kurzen Beinchen, die es von der Lüge geerbt hat." Das Problem nimmt nur eine kleine Rolle ein, was ich im Nachhinein schade finde, bei Lesungen ist es nämlich immer sehr gut angekommen. Fürs zweite Buch habe ich mir vorgenommen, meine Lust am Personifizieren von Sachen einmal hemmunglslos auszuleben - und das sprechende Herz erfunden. Es hört sich im ersten Augenblick kitschig an, aber ich habe alles daran gesetzt, dass es ein aufsässiges, schwieriges, manchmal teuflisches kleines Herz geworden ist.

Ist das Schreiben zu Ihrem Beruf geworden?

Eva Lohmann: Im Moment kann ich davon leben. Und es ist der perfekte Beruf für mich. Schon als Kind hatte ich zu allem, was unmittelbar um mich herum passierte, Wörter und Texte vor Augen. Ich war immer in der Rolle des Beobachters. Lange Zeit habe ich gedacht, das sei normal, jeder würde die Welt sehen wie ich - und gleichzeitig im Kopf mitschreiben. Irgendwann habe ich verstanden, dass das eine besondere Art ist, die Welt zu sehen. Dass ich diese Eigenart zu meinem Lebensinhalt machen kann, das ist ein großes Geschenk.

Und wie reagiert das Publikum?

Eva Lohmann: Die große Aufregung vor allem der Medien um mein erstes Buch ist glücklicherweise vorbei. Ich habe viele Interviews gegeben, bin in Talkshows gesessen. Das hatte den Vorteil, dass sich das Buch extrem gut verkauft hat, weil Depressionen ein großes Thema waren und sind. Bewegender aber war für mich, dass ich wahnsinnig viele Briefe von Betroffenen bekommen habe, in denen sie sich bedankten, weil sie sich endlich einmal verstanden gefühlt haben.
Beim Kuckucksmädchen finde ich es interessant zu beobachten, wie es von den Leserinnen gesehen wird. Dabei geht es oft um Wanda, die Hauptperson, die sehr zu polarisieren scheint: Und das ist doch eigentlich das, was man als Autorin erreichen möchte – dass sich die Leserinnen mit den Figuren und der Geschichte auseinandersetzen und emotional auf sie reagieren.

--ABi

Werke von Siegfried Lenz nun auch als eBooks verfügbar

Lenz

 

Siegfried Lenz zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.

Für seine Bücher wurde er mit vielen wichtigen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.

Seit 1951 veröffentlicht er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Dieser verlegt Lenz' Werke nun auch als eBooks.

--BHa

Mishka Shubaly: Vom Trinker zum Autor und Sportler

SchiffbrüchigMishka Shubaly hat in seiner Jugend jede Menge Erfahrung mit Alkohol und Drogen gesammelt. Mittlerweile ist er ein erfolgreicher Autor. Davon zeugen unter anderem seine Bücher Schiffbrüchig und Lebens Lauf. Seine neue Droge heißt Sport. Im Interview erzählt er, was ihn motiviert und was die guten und schlechten Seiten des Laufens sind.

Mishka, was motiviert Sie einen Ultramarathon zu laufen?

Mishka Shubaly: Als ich mit dem Laufen begann, hatte ich viele Motivationsgründe. Ich war so sauer und verloren. Ich rannte, weil ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte und um die Macht über meinen Körper wiederzuerlangen. Mein Körper wollte Alkohol, Kokain, wollte aufhören zu laufen. Ich musste meinem Körper beibringen, dass er nicht bekommen würde, was er wollte. Ich habe mich selber überrascht, wie weit ich rennen konnte und die Strecke wurde immer länger. Jahrelang war mein Leben eingeschränkt – ich war unbrauchbar am Morgen, unzuverlässig am Abend und unberechenbar des Nachts. Als ich clean wurde, fiel das von mir ab. Es schien keine Grenze zu geben wie weit ich rennen konnte. Mein Training für meinen ersten Ultramarathon war unglaublich aufregend. Jetzt, wo ich seit Jahren clean bin und ich viel weiter laufe als ich mir jemals hätte vorstellen können, ist es nicht mehr so beängstigend, aber es macht immer noch Spaß. Glücklicherweise ist es einfach, sich für einen Ultramarathon anzumelden und wenn du einmal registriert bist, tja, dann musst du es einfach machen.

Was war Ihre witzigste Lauferfahrung?

Mishka Shubaly: Ich teilte Vaseline-Tuben mit Wildfremden. Ich rannte in New York an Bussen vorbei, wobei der halbe Bus mich anfeuerte und die andere Hälfte mich mit Entsetzen anstarrte. In Mexiko lief ich in einen Nachbarort, Aasgeier kreisten über meinem Kopf, und ich musste einem kleinen Mädchen an einem Kokosnussstand erklären, dass ich was zu essen kaufen musste, weil ich hier gerade hergelaufen war. Sie starrte mich an, gab mir mein Wechselgeld, schüttelte ihren Kopf und sagte „Es loco!“

Eines Morgens begegnete ich ein paar Touristinnen in Manhattan. Beide hatten Blickkontakt mit mir. Ich rannte nach Brooklyn, Queens und zurück in den Central Park… und da lief ich wieder genau diesen beiden Touristinnen in die Arme, bestimmt vier Stunden später. Ihre Kinnladen klappten runter und ich lächelte nur, winkte und lief wieder an ihnen vorbei.

Das Beste kam vom Sohn meines Freundes. Er fragte mich warum ich nur acht Zehennägel hätte und ich erzählte ihm, dass zwei bei einem 24-Meilen-Lauf abgefallen waren. Er schaute mich an, schaute seinen Vater an und sagte „Wie blöd! Du solltest dafür das Auto nehmen!“ Ich schaute meinen Freund an, der mich angrinste und meinte „Er ist vier, Mishka, und sogar er weiß das. Wann wirst du es endlich kapieren?“

Was war Ihre schlechteste Entscheidung bei einem Lauf?

Mishka Shubaly: Ich hab Anfängerfehler gemacht bei der Bekleidung. Früher lief ich in Baumwollshirts, die furchtbar scheuerten. Bei einem Halbmarathon vergaß ich Pflaster auf meine Brustwarzen zu kleben und blutete zwei Shirts durch. Ich startete ein 50-Meilen-Rennen in Zehenschuhen, um bereits nach einer Runde zu humpeln und auf meine Straßenschuhe auszuweichen. Ich startete ein anderes Rennen mit zwei paar Wollsocken (es war kalt) und nach nicht mal fünf Meilen mussten wir einen Fluss durchqueren. Ich fühlte mich als würde ich mit Ziegeln an den Füßen laufen. Glücklicherweise übertrifft meine Belastbarkeit (gerade so) meine Dummheit, so habe ich mir nie dauerhaften Schaden zugefügt.

-VHe

Hilary Mantel zum Gewinn des Man Booker Prize 2012

Bodies

 

 

 

Hilary Mantel hatte bereits 2009 den Man Booker Prize für ihren Titel Wolf Hall gewonnen und sich deshalb keine Chancen bei der Vergabe des Preises 2012 ausgerechnet. Umso überraschter war sie, als sie dann als Preisträgerin feststand und für Bring up the Bodies ausgezeichnet wurde.

Die Autorin hat einen exklusiven (englischen) Blogeintrag für die Kindle-Redaktion verfasst. Viel Spaß beim Lesen.

 

 

 

 

Hilary Mantel:

I’m still stunned.  I went to Tuesday’s award of the Man Booker Prize with no clear idea of who would win – except that it wouldn’t be me.  I didn’t lack faith in my book, Bring Up The Bodies.  It’s just that I’d won so recently in 2009. And I knew that in the history of the prize, only two authors have won twice.  So I expected that Wednesday morning would see me on the train home to Devon, with the trace of a good loser’s smile fading from my face.

Instead I found myself in front of what felt like a thousand camera flashes, and within moments of the announcement live on radio and TV.  I still felt disbelieving.  Even if you don’t expect to win, there’s a moment of anticipation when your heart squeezes small.  And often, the chairman of the judges prolongs the agony, with a long show-biz pause.  But this year’s chairman was brisk.  He took us by surprise. Before I had taken in what was happening I was on the stage, and before I had taken a breath I was making a speech.

I know this was a strong year. I know how hard these decisions can be, because in 1990 I was a Booker judge myself.  So I feel lucky, and honoured. All day I’ve been talking. Giving an account of myself. Talking about the disaster and discouragement I’ve encountered. Trying to explain the unexplainable – how I write. Trying to explain to interviewers that no writer is ever an overnight success. Fame may arrive overnight, but there’s usually a story behind that story, and almost always it’s a story of prolonged and strenuous effort that is largely hidden from the world. This is my story.  Twelve years of work before I published. Twelve published books before one of them, Wolf Hall, shot to the top of the bestsellers’ list and gained me a million readers.

I’m still not quite used to that. Previous books sold a few thousand copies only. Something in Wolf Hall struck a chord with both the critics and the public. Writing is an unpredictable business, and so is publishing. I don’t think any of us realised Wolf Hall would be such a huge hit.  That book was the first of a trilogy. Bring Up The Bodies, is the second. No pressure, then…

I’m not asking myself, at this stage, whether I can possibly win the prize for the third time. That would be plain greedy. All my attention, next year, will be concentrated the book itself. It has to capture and hold the first two books within it, and yet stand up as a story in itself.  Technically, it will be a nightmare.

But I feel I’m writing better than at any time before. I think these novels have made me extend my range and take bold decisions. I think the material is full of possibilities. I think there is more I can do.

--SMi

Deutscher Buchpreis 2012 für Ursula Krechel

LandgerichtUrsula Krechel gewinnt den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis 2012 für ihren Roman Landgericht.

Mit diesem Titel geht die Autorin den Spuren deutscher Geschichte nach. Der Roman handelt vom Exil und von den fünfziger Jahren, von einer Rückkehr ohne Ankunft.

Lernen Sie den Roman Landgericht jetzt kennen.

--SMi

 

Entdeckt! Interview mit Kandidat Karsten Flohr

41ZuKMjVcvL._BO2,204,203,200_,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-70,22_AA300_SH20_OU03_[1]Der Amazon Autoren-Preis zielt darauf ab, neue Talente aus dem deutschsprachigen Raum zu präsentieren und zu fördern. Für den Preis im Sommer ist Karsten Flohr mit seinem Roman Zeiten der Hoffnung nominiert. Er ist gemeinsam mit vier weiteren Autoren auf der Jagd nach den besten Kundenrezensionen.

Wir haben dem Nominierten vorab einige Fragen gestellt:

Worum geht es in Ihrem Buch?
 Zeiten der Hoffnung erzählt die Liebesgeschichte zwischen einem jungen deutschen Offizier und einer Französin vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs. Die beiden sehen sich vor große Herausforderungen und Veränderungen gestellt, einerseits durch den Ausbruch des deutsch-französischen Krieges, andererseits durch die Auflösung der "alten" Gesellschaftsordnungen, die diese Zeit mit sich brachte.

Warum dieses Thema?
Der Erste Weltkrieg jährt sich in Kürze zum hundertsten Mal. In der Erinnerung der Deutschen wird dieser vom Zweiten Weltkrieg überschattet, während er beispielsweise in Frankreich und Großbritannien als "La Grande Guerre" bzw. "The Great War" in die Geschichte eingegangen ist. Dies liegt u. a. daran, dass diese Zeit weitreichende Veränderungen für das Leben der Menschen in ganz Europa mit sich brachte. Zum einen wurden in der Folge in einigen Ländern die Monarchie und der Adel abgeschafft. Zum anderen fanden auch folgenschwere soziale und gesellschaftliche Umwälzungen statt, wie das Erstarken des Kommunismus und die Russische Revolution, die Einführung des Frauenwahlrechts, die Modernisierung des Alltags, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Frage, wie Menschen mit all diesen Veränderungen umgingen und welche Auswirkungen der Krieg und die Zeit danach auf deren Leben hatten, finde ich ungemein spannend. Darüber wollte ich schreiben.

Wie erleben die Romanfiguren diese Zeitenwende?
Die verschiedenen Figuren in meinem Buch erleben das ganz unterschiedlich. Für die einen ist es ein Desaster, für andere der Beginn einer hoffnungsvollen Zukunft. Freiherr von Schwemer beispielsweise, der Vater meines Protagonisten Wilhelm, leitete das Kaiserliche Kolonialamt. Er muss erleben, wie sich seine Lebensgrundlage und damit auch seine gesellschaftliche Stellung geradezu auflösen. Sein Sohn Wilhelm erlebt die Schrecken des ersten industrialisierten Krieges als Mitglied einer Elitetruppe, der Kaiserlichen Husaren, die gegen die neuartigen Waffen, wie Panzer, Flugzeuge und Giftgas, ins Feld ziehen müssen und dabei vollkommen chancenlos sind.
Wilhelms Schwester Elisabeth, die sich in der Frauenbewegung engagiert, und seine Geliebte Adèle, die in Lothringen lebt und sich mit der deutschen Besetzung konfrontiert sieht, erleben den Aufbruch in eine neue Zeit völlig anders. Für sie ist diese Zeit mit Hoffnung besetzt. Beide Frauen verkörpern auf unterschiedliche Weise die neue Frauengeneration, die sich zum ersten Mal in der Geschichte wirklich erfolgreich nach vorne kämpfen und aktiv an der Gestaltung ihres Lebens mitwirken.

Ihnen liegt der historische Rahmen sehr am Herzen – wie authentisch sind die Schilderungen, wie haben Sie für diesen Roman recherchiert?
Größtenteils habe ich Bücher und Publikationen über diese Zeit gelesen und in Bibliotheken recherchiert. Das Berliner Großstadtleben sowie das Leben in der deutschen Kolonie Togo werden sehr ausführlich geschildert. Hier war mir wichtig, dass auch die kleinen Details mit der historischen Realität übereinstimmen, seien es Kinofilme, Schlager, die Straßennamen in Togo, die Beschreibung von Kleidung oder des kolonialen Alltags. Es treten auch Personen der Zeitgeschichte auf, wie beispielsweise der Klavierfabrikant Bechstein, der in meinem Roman ein enger Freund der Familie von Schwemer ist.
Die Kriegsgeschichte habe ich vor Ort recherchiert. Ich habe Belgien und Frankreich bereist, war auch in Verdun. Dort sind die Schlachtfelder heute noch zu sehen, es gibt zahlreiche Denkmäler, Museen und Erinnerungsstätten. Im französischen Alltag ist die Erinnerungskultur rund um den Ersten Weltkrieg sehr lebendig und sehr gut aufgearbeitet, etwa in Filmen und Ausstellungen. Man kann sich eine sehr authentische Vorstellung darüber verschaffen, wie es war.

Schreiben Sie an einem neuen Roman?
Ich arbeite momentan an einer Fortsetzung von Zeiten der Hoffnung. Allerdings sollen nun Figuren, die hier in zweiter Reihe stehen, in den Fokus rücken, wie Elisabeth, die Schwester des Protagonisten. Dabei tauchen natürlich spannende Fragen auf, beispielswiese wie Elisabeth, die sich gegen die alten Traditionen stellt und sich in der Frauenbewegung stark macht, den Anfang der Weimarer Republik erlebt.

-- MRa

 

Entdeckt! Interview mit der Kandidatin Christiane Fux

51GKQPDNKfL._BO2,204,203,200_,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-69,22_AA300_SH20_OU03_[1]Der Amazon Autoren-Preis zielt darauf ab, neue Talente aus dem deutschsprachigen Raum zu präsentieren und zu fördern. Für den Preis im Sommer ist Christiane Fux mit ihrem Roman Das letzte Geleit nominiert. Sie ist gemeinsam mit vier weiteren Autoren auf der Jagd nach den besten Kundenrezensionen.

Wir haben der Nominierten vorab einige Fragen gestellt:

Liebe Frau Fux, wie kommt es, dass eine Münchnerin Hamburger Krimis schreibt?
Ganz einfach: Ich bin ja eine Hamburgerin, die es nach München verschlagen hat. Auch wenn ich schon seit über 20 Jahren sehr gerne an der Isar lebe, ticke ich noch immer wie ein echter Fischkopf, wie die Bayern sagen. Der trockene Humor, die Sprache, die Denke ist noch immer nordisch by nature. Als ich losgelegt habe mit dem Schreiben war schnell klar, dass darum auch meine Geschichte an der "Waterkant" spielen musste.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Gab es erst die Idee zu Das letzte Geleit oder erst den Wunsch zu schreiben?
Geschrieben habe ich schon immer gern, weswegen ich meinen Beruf als Journalistin nach wie vor mit Begeisterung ausübe. Aber dann kam mir die Idee für einen ermittelnden Bestatter und ich wusste: Jetzt ist die Zeit reif für ein Buch.

Sie haben ein spannendes und witziges Team von Charakteren versammelt, entspringen diese komplett Ihrer Phantasie oder haben Sie Anlehnungen aus ihrer näheren Umgebung genommen?
Die Hauptfiguren sind allesamt im Wesentlichen meiner Phantasie entsprungen – auch wenn man natürlich auch immer ein Stück von sich selbst mit hineinschreibt in so einen Charakter. In den Nebenfiguren habe ich jedoch den einen und die andere aus meinem Umfeld mit einem Augenzwinkern portraitiert.

Was war die Motivation, einen Mediziner/Bestatter zum Protagonisten zu machen? Hat Sie Ihre Tätigkeit als Medizin-Redakteurin inspiriert?
Schätzungen zufolge wird nur jeder zweite Mordfall überhaupt als ein solcher aufgedeckt, weil viel zu selten obduziert wird. Gerade bei alten Menschen erkennt ein unerfahrener Hausarzt dann schnell auf eine natürliche Todesursache. Ein Bestatter mit medizinischem Hintergrund hat da eine glaubwürdige Basis, um Morde aufzudecken – und aufzuklären. Darüber hinaus sind meine medizinischen Kenntnisse sicher eine große Inspirationsquelle für mich. Wie es im Bestattergewerbe zugeht, musste ich allerdings erst gründlich recherchieren.

Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt und wenn ja, können Sie uns schon etwas darüber verraten?
Der zweite Roman um Theo Matthies ist schon in Arbeit. Hier hat der Täter eine besonders perfide Mordmethode ersonnen: Er infiziert seine Opfer mit Tollwutviren. Wenn sich da die ersten Symptome zeigen, ist der Mensch trotz modernster Medizin unrettbar verloren.

-- MRa

Entdeckt! Interview mit der Kandidatin Odile Kennel

518W3UGXsIL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-67,22_AA300_SH20_OU03_[1]Der Amazon Autoren-Preis zielt darauf ab, neue Talente aus dem deutschsprachigen Raum zu präsentieren und zu fördern. Für den Preis im Sommer ist Odile Kennel mit ihrem Roman Was Ida sagt nominiert. Sie ist gemeinsam mit vier weiteren Autoren auf der Jagd nach den besten Kundenrezensionen.

Wir haben der Nominierten vorab einige Fragen gestellt:

In Ihrem Roman Was Ida sagt erzählt nicht nur Ida. Drei Frauen aus drei Generationen eröffnen den Blick auf eine außergewöhnliche deutsch-französische Familiengeschichte. Können Sie diese drei Frauen kurz charakterisieren?
Da ist zunächst Louise, die ständig bemüht ist, nicht sentimental oder nostalgisch zu sein, die mit ihrer Familie nichts mehr zu tun haben will und doch mit ihrer eigenen Geschichte und der Geschichte ihrer Mutter Paulette konfrontiert wird; Paulette, die auf den Besuch ihrer Tochter Louise wartet, so wie sie ihr Leben lang nicht gehandelt, sondern gewartet hat, die sich erinnert und an ihrer Erinnerung zweifelt; und schließlich Ida, Paulettes Cousine, von deren Existenz Louise erst aufgrund einer Todesanzeige erfährt und die Louise eine Familiengeschichte offenbart, die in die Zeit der deutschen Besatzung zurückgeht.

Familien haben ihre Geheimnisse. Auch in der Familie aus der Normandie, von der Sie erzählen, wurde vieles verschwiegen. Können Sie hier ein wenig davon verraten?
Alle Geheimnisse in Was Ida sagt haben mit Frauen zu tun, deren Lebensentwürfe nicht "zeitgemäß" waren: Eine außereheliche Beziehung; die Beziehung einer jungen Französin zu einem deutschen Wehrmachtssoldaten; und ein Kind, was nicht erwünscht war und zur Adoption freigegeben wurde. Jede dieser Frauen weiß nur um einen Teil der Geschichte(n), allein der Leser kennt am Ende alle Puzzlestücke.

C694da528e5d0a22d17ae1.L._V143866472_SY140_[1]Selten wurde bislang in einem Roman von dem Schicksal französischer Frauen erzählt, die sich in einen deutschen Wehrmachtssoldaten verliebt haben. Warum war dieses Thema so lange tabu?
Das hat viel mit der Scham der Betroffenen zu tun, mit der Erinnerung an die Demütigungen, die einige der Frauen am Ende des Krieges erlitten haben. Hinzu kommt, dass die Scherungen von mutmaßlichen Kollaborateurinnen kein rühmliches Kapitel der französischen Geschichte sind. Auf deutscher Seite hatten Soldaten, die in Frankreich Kinder zeugten und Versprechungen machten, obwohl zu Hause eine Familie auf sie wartete, ebenfalls kein Interesse an diesem Thema. Und nicht zuletzt haben die Kinder, die aus diesen Beziehungen stammen, erst am Ende ihres Lebens damit begonnen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und sie publik zu machen.

Sie erzählen in einer feinen, sinnlichen und bildhaften Sprache. Es ist für den Leser eine große Freude, Ihren Beschreibungen der Landschaft und des Meeres zu folgen oder den Gedanken der Hauptpersonen. War es schwierig, den richtigen Ton für diese Geschichte zu finden?
Den Ton haben im Grunde die Hauptpersonen selbst bestimmt! Louise kommt nach vielen Jahren zurück an den Ort ihrer Kindheit und ist überwältigt von der Präsenz des Meeres, den Gezeiten; Idas Geschichte erfährt der Leser aus ihren Aufzeichnungen, sie hat bereits eine oft humorvolle Distanz zu dem, was sie erzählt; und Paulette mit ihrem atemlosen Erzählen hat sich als letzte regelrecht in den Roman hineingedrängt: Als sei es endlich an der Zeit, das Schweigen zu brechen, und zwar sofort ... 

-- MRa

Autor im Fokus: Ferdinand von Schirach im Interview

GlückDie Bücher und Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach sind jetzt als eBooks erhältlich, darunter seine Kurzgeschichte Glück für 0,99 EUR - soeben verfilmt von Doris Dörrie. 

Herr von Schirach, Sie haben alleine im deutschsprachigen Raum insgesamt mehr als eine Million Exemplare verkauft. Nun kann sich der Leser  die einzelnen Geschichten aus Verbrechen und Schuld und die Sonderausgabe Der Bäcker für 99 Cent auf den Kindle laden. Warum ist es Ihnen wichtig, diese Geschichten so anzubieten?

Ich schreibe meine Bücher nicht für die Schublade - ich möchte natürlich, dass sie gelesen werden. Wenn ein Leser die Geschichten einzeln kaufen möchte, kann er das jetzt tun. Er kann sich sein Buch selbst zusammenstellen, der Kindle ist ideal dafür. Und er kann für 99 Cent probieren, ob die Geschichten ihm gefallen. Ich glaube, das elektronische Buch wird schon bald genauso wichtig sein wie die gedruckte Ausgabe. Vielleicht wird es unterschiedliche Leser für die unterschiedlichen Medien geben. Ich werde immer gedruckte Bücher haben, ich liebe es, sie anzusehen, schon die Buchrücken im Regal erzählen Geschichten. Aber der Kindle ist ein großartige Möglichkeit, Bücher ins Flugzeug, in den Zug oder in die Ferien mitzunehmen.

Doris Dörrie hat Ihre Geschichte Glück verfilmt. Der Film wird gerade auf der Berlinale in Berlin vorgestellt. Was ist das  für ein Gefühl, sein Werk als Spielfilm zu sehen?

Es ist ganz einfach wunderbar. Man schreibt so eine Geschichte, nachts in Einsamkeit entstehen die Figuren, und zwei Jahre später kann man sich eine Tüte Popcorn kaufen, sich ins Kino setzen und sie ansehen. Das ZDF wird bald eine Reihe der Geschichten als Serie zeigen - auch darauf freue ich mich.

Eigentlich sind Sie Strafverteidiger. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Wie viel „Realität“ fließt in Ihre Geschichten ein?

Mit dem Schreiben habe ich nur begonnen, weil ich nicht besonders gut schlafe. Irgendwann habe ich mich nachts an den Schreibtisch gesetzt, den Laptop aufgeklappt und angefangen. Das ist schon alles. Und ja, die Geschichten sind wahr, Sie haben recht. Aber sie sind nicht wahr, weil sie der Realität entsprechen, sie sind wahr in einem literarischen Sinne. Literatur ist immer wahrer als ein bloßes Abbild der Wirklichkeit. Stellen Sie sich die Akte eines Mordverfahrens vor: zehn Aktenordner, drei Kisten Beweismittel, Aussagen, Gutachten von Sachverständigen und so weiter. Eine Kurzgeschichte hat nur ein paar Seiten. Sie bildet die Wirklichkeit nicht ab - sie ist mehr, sie ist eine andere, eine genauere Wahrheit.

In Ihren Geschichten sind die Protagonisten meist auch Täter. Warum erzählen Sie aus dieser Perspektive?

Hemingway sagte einmal, man solle über das schreiben, was man kennt, und als Strafverteidiger kennt man den Angeklagten besser als ihn die Polizisten, die Staatsanwälte oder die Richter kennen. Der Anwalt verbringt viel Zeit mit ihm, er spricht mit ihm im Gefängnis, in den Pausen im Gericht, manchmal rufen Mandanten auch Jahre nach den Prozessen noch an.Der_Fall_Collini

Im letzen Jahr erschien Ihr erster Roman Der Fall Collini, der die Geschichte eines Rechtsanwaltes erzählt, der versucht herauszufinden, warum der unauffällige Werkzeugmacher Fabrizio Collini in einem Luxushotel einen Großindustriellen ermordet. Worauf dürfen wir uns als nächstes bei Ihnen freuen? Haben Sie schon ein Projekt im Kopf?

Ja, ich sitze bereits dran. Aber ich mag noch nicht darüber sprechen.

Hier finden Sie mehr Bücher von Ferdinand von Schirach für Ihren Kindle.

-- ABi