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Horror

Familienduell des Grauens: Doctor Sleep vs. Christmasland

LandDer Horrorautor Joe Hill hatte sich einst sein Pseudonym gewählt, weil er nicht mit seinem Vater verglichen werden wollte. Kein Wunder, wenn der Vater Stephen King ist. Es hat geholfen: Hill durfte zu einer eigenständigen Größe im Genre werden, bevor die ganze Sache aufflog. Mit seiner neuen Veröffentlichung allerdings kann er sich den Vergleichen nicht mehr entziehen, denn Christmasland ist mit seinem epischen Umfang, seinem übersinnlich begabten Provinzpersonal, seiner dämonischen Unterwanderung des amerikanischen Traums und seinen Entwicklungsroman-Themen verdächtig nah am Werk des Vaters. Da dieser Tage außerdem Stephen Kings neuer Großroman Doctor Sleep erschienen ist, liegt es nahe, beide Bücher in einem Kampf über 7 Runden gegeneinander antreten zu lassen.

Runde 1: Die Geschichte

Christmasland heißt das schaurige Zwischenreich in Joe Hills Roman, in das ein anscheinend unsterblicher Unhold und sein nicht allzu heller aber umso brutalerer Handlanger mit ihrem bösen Automobil Kinder entführen, die dort über kurz oder lang zu gefühllosen kleinen Monstern werden. Als der Sohn der übersinnlich begabten Vicky entführt wird, macht sie sich auf, dem finsteren Mr. Manx das Handwerk zu legen.Sleep
Doctor Sleep ist der Spitzname von Dan Torrance, weil er mit seinen übersinnlichen Begabungen Sterbenden beim letzten Einschlafen hilft. Dem ähnlich begabten Mädchen Abra hingegen muss er nicht beim Sterben helfen, sondern beim Überleben. Eine Bande vampirartiger Schwerenöter hat es auf die Energie abgesehen, die Kinder wie sie im Todeskampf abgeben.
Hills Geschichte ist zielgerichteter, schnörkelloser als die seines Vaters, wodurch sie lange Zeit die Nase vorn hat. Denn King mäandert und verweilt auf Wegen und Plätzen, die nicht immer rasend interessant sind. Auf den letzten Metern aber holt er auf und zaubert überraschende Enthüllungen und kluge Verweise auf den Vorgänger-Roman Shining aus dem Hut, wodurch in dieser Runde beide Autoren gerade noch gleichziehen und einen Punkt bekommen.

Runde 2: Die Stimme

Wenn man einen Stephen-King-Roman liest, weiß man sofort, dass man einen Stephen-King-Roman liest – selbst wenn man es nicht weiß. Des Autoren Plauderton ist unverkennbar. Wenn er gut drauf ist, hört man ihm gebannt zu. Wenn er sich zu sehr bemüht, wird er unangenehm aufdringlich. In Doctor Sleep hat King den Stil, der ihn zu Recht reich und seine Leser glücklich gemacht hat, souverän im Griff.
Joe Hills Stil ist nüchterner, weniger verbindlich, geht weniger Risiko ein. Damit liegt man im Zweifelsfall nie verkehrt. Gewinnt aber im Vergleich mit einem höchst unikalen Meistererzähler keinen Blumentopf, denn dieser Punkt geht eindeutig an Stephen King.

Runde 3: Die Guten

Dan Torrance und Abra sind eckige und kantige King-Charaktere, mit denen man gerne 700 Seiten und mehr verbringt. Joe Hills Vicky allerdings, diese gebrochene Frau, die wir schon als tapferes Mädchen kennengelernt haben, werden wir nie vergessen. Ein Punkt für den Sohnemann.

Runde 4: Die Bösen

Das Dämonische Duo und die Monster-Kinder von Christmasland gewinnen an Substanz, je mehr sich die Ereignisse zuspitzen. Anfangs allerdings scheinen sie viel zu lang reine Oberfläche zu sein; als käme es Joe Hill vor allem darauf an, dass seine Geschöpfe cool auf einem Filmplakat aussähen.
Stephen Kings Vampir-Wesen hingegen sind von Anfang an über-erklärt und wir müssen so viel Zeit mit ihnen verbringen, dass ihnen eher der Schrecken lästiger Verwandter als blutrünstiger Ungeheuer anhängt. Dann doch lieber noch ein Punkt für Joe Hill.

Runde 5: Der Subtext

Doctor Sleep ist ein Roman über Abhängigkeit, Christmasland ist einer über Missbrauch. Hill opfert sein Thema mitunter dem grellen Effekt, während King es stets ernst nimmt, ob beim Alkoholiker Dan Torrance oder den anderweitigen Substanzabhängigkeiten der Antagonisten. Ein klarer Punkt für den King.


Runde 6: Der Horror

Würde Christmasland auf alles Übernatürliche verzichten, was durchaus denkbar wäre, wäre der Roman weitaus erschreckender. Vielleicht sogar unerträglich und nicht mehr als Unterhaltungsliteratur vertretbar. Genau das weiß Joe Hill, genau deshalb hat er den Fantastik-Filter eingesetzt und genau deshalb funktioniert sein Buch als Horror-Roman.
King hat inzwischen ein so festes Regelwerk um seine Shining-Mythologie geschnürt, dass ihr die Luft fehlt, die der Schrecken zum Atmen braucht. Dies mag gelungene Fantasy sein, aber für den Horror fehlt das Geheimnis, der dunkle Fleck. Ein Punkt für Hill.

Runde 7: Die Verweise

Vater und Sohn haben es sich nicht nehmen lassen, in ihren Romanen auf die eigenen Werke und die des anderen zu verweisen. King tut dies kunstvoll, ihm scheint wirklich an der Schaffung eines gemeinsamen, schlüssigen Erzähl-Universums gelegen. Bei Hill hingegen kommen King-Anspielungen als plumpes Seitenknuffen und Augenzwinkern daher, was einen eher aus der Geschichte rausbringt als in eine größere hinein. Dafür ein Punkt für Stephen King.

Damit steht es letztendlich 4:4. Man wird wohl doch nicht umhin kommen beide zu lesen.

-- ANe

Marisha Pessl: Die amerikanische Nacht

AmerikanischenachtÜberraschung gelungen: Marisha Pessl, das literarische Wunderkind von 2006, hat mit ihrem lang hinausgezögerten zweiten Roman Die amerikanische Nacht tatsächlich einen lupenreinen, waschechten, spülmaschinenfesten Schauerroman abgeliefert. Dass Vertreter der höheren Literatur mitunter von ihren Rössern hinabsteigen und, gern mit etwas gönnerhaftem Gestus, einen Abstecher in die vermeintlichen Niederungen der Genre-Literatur wagen, ist beileibe nichts Neues. Doch meist missbrauchen sie die Genre-Konventionen für literarische Fingerübungen und augenzwinkernde Meta-Spielchen. Nicht so Pessl: Ihr Roman hat keine Ambitionen über den Schauer hinaus, keinen doppelten Boden mit verstecktem Subtext. Zumindest nicht mehr, als ein anständiger Schauerroman haben sollte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der augenscheinliche Selbstmord von Ashley Cordova, Tochter von Stanislas Cordova, einem kultisch verehrten und extrem öffentlichkeitsscheuen Regisseur verstörender Filme, eine Art Mischung aus Dario Argento, Thomas Pynchon und Aleister Crowley. Ein Investigativjournalist nach dem Karriereknick, ein gescheiterter Musiker und eine verhinderte Schauspielerin glauben, dass hinter Ashleys Tod ein düsteres Geheimnis steckt. Sie stellen eigene Ermittlungen an, machen sich auf die Suche nach dem ominösen Vater.

Gestalterisch hebt sich Die amerikanische Nacht ein wenig vom Durchschnittsroman ab, denn der Text wird immer wieder unterbrochen von faksimilierten Dokumenten, etwa Zeitungsartikeln oder Webseiten. Letztendlich ist diese Form des Erzählens aber keine bedeutende Innovation gegenüber klassischen Brief- und Tagebuchromanen, spätestens seit Dracula ein beliebtes Stilmittel des Grusel-Genres. Neu ist allenfalls die liebevolle Durchgestaltung der fiktiven Dokumente. Nicht ganz zu Unrecht wirft das die Frage auf, ob die Autorin aufs Zeigen zurückgreifen muss, weil sie ihrem Erzählen nicht vertraut. Tatsächlich wirkt die Sprache mitunter verdächtig simpel, neigt gar zu schiefen Bildern und faulen Vergleichen. Man sollte das Marisha Pessl allerdings nicht ankreiden, sondern ihrem Talent zugutehalten: Hier spricht schließlich nicht sie selbst als allwissende und eloquente Erzählerin, sondern ein Ich-Erzähler, der nach allem, was wir von ihm wissen, nicht die hellste Leuchte im Schuppen ist. Der gelegentliche visuelle Ausbruch aus dem reinen Text mag nicht unbedingt notwendig sein, ist aber schlicht und einfach eine willkommene Abwechslung in einem Schmöker von 800 Seiten. Man hätte eher noch mehr davon Gebrauch machen dürfen, als ganz darauf zu verzichten.

Inhaltlich fährt Pessl das volle Grusel-Programm inklusive schwarzer Magie, Verschwörerzirkel und unheimlicher Anwesen auf. Kurz vor Schluss jedoch scheint es, als sei man doch nur einem literarischen Trick auf den Leim gegangen. Da tauchen plötzlich Lösungen auf, die weit vom Schlimmsten, was man sich vorgestellt hat, entfernt sind. Die tote Tochter, die verschwundenen Kinder, die Verbrennungsöfen – scheinbar gibt es nun Erklärungen, die zwar von menschlicher Tragik künden, aber nicht unbedingt von unmenschlichem Horror. Vielleicht wollte die Autorin dem Leser nur den Spiegel vorhalten, ihn als voyeuristisches, vorurteilsbehaftetes, nach größtmöglichem Elend gierendes Biest entlarven?

Doch nichts löst sich in eitel Sonnenschein auf. Mit nur wenigen geschickten Zügen wird das Geschehen zurückmanövriert ins Dunkle, Ungewisse, wo es für immer bleiben wird. Wer sein Heil in Auflösungen und Erklärungen sucht, wird mit einem anständigen Schauerroman nicht glücklich. Und Die amerikanische Nacht ist ein anständiger Schauerroman. Zum Glück.

-- ANe

Heute neu: Gesicht des Bösen - spannendes Horror-Buch aus USA jetzt auch auf Deutsch

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Matt Cahill ist Witwer und führt ein ruhiges Leben als Holzfäller im Nordwesten der USA. Zudem kümmert er sich um seinen zu Unfällen neigenden Freund Andy und steht am Anfang einer neuen Beziehung mit seiner Kollegin Rachel. Jedoch endet ein Skiurlaub mit Rachel tragisch, als Matt durch eine Lawine ums Leben kommt. Für Matt stellt sein Tod aber nicht das Ende, sondern den Anfang dar: Von nun an befindet er sich auf einer Odyssee quer durch eine dunkle Welt, in welcher er sich mit einem brutalen, übernatürlichen Wesen konfrontiert sieht, welches das Böse in unserer Welt verbreitet. Das Buch ist im amerikanischen Original unter dem Titel The Dead Man erschienen und seit 14. August endlich auch auf Deutsch erhältlich: Gesicht des Bösen von Lee Goldberg und William Rabkin.

-- AWe

Kindle Lese-Marathon: 500 englische eBooks je unter 2 EUR

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Stöbern Sie jetzt durch 500 eBooks aus den Bereichen Krimi, Romane, Fantasy & Science Fiction, Kinder- und Jugendbücher sowie Sachbuch & Ratgeber.

Alle eBooks in dieser Aktion sind vorübergehend auf einen Preis unter 2 EUR reduziert.

Dieses Angebot gilt bis zum 30. August 2012 um 23.59 Uhr und ist für Kunden mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein erhältlich.

-- AWe

Dean Koontz über "Die schwarze Feder"

Die_schwarze_FederIn seinem großartigen Kurzroman Die schwarze Feder erzählt Dean Koontz, wie der monsterhafte Alton Turner Blackwood zu seiner wahnhaften, mörderischen Bestimmung fand. Seine ganze Geschichte ist nachzulesen in Der Rabenmann, der am 12. Dezember auf Kindle erscheint.

Mit 400 Millionen verkauften Büchern ist Dean Koontz einer der meistgelesenen Autoren weltweit. Im nachfolgenden Interview gewährt er einen Blick hinter die Kulissen.

Wie kamen Sie auf die Idee, Die Schwarze Feder zu schreiben?

Es war mein amerikanischer Verleger, der mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen vielleicht 25-seitigen Kurzroman um Alton Turner Blackwood zu schreiben, den Bösen in Der Rabenmann. Er plante, diesen Kurzroman vor dem Roman erscheinen zu lassen, und zwar ausschließlich als E-Book. „Super Marketing“, meinte er. „Und wahrscheinlich amüsant zu schreiben.“
Kaum hatte ich den Vorschlag gehört, erschien vor meinem geistigen Auge die Figur des jungen Howie Dugley. Ich fand Howie sofort so spannend, dass es mir unmöglich wurde, die Geschichte nicht zu schreiben. Schnell wuchs sie auf über 50 Seiten, und als ich sie abschloss, war ich traurig, dass Howie meine Phantasiewelt schon wieder verließ.

Was war leichter für Sie zu schreiben, der Roman – normalerweise Ihre bevorzugte Gattung – oder der Kurzroman?

Nun, für die 472 Manuskriptseiten des Romans saß ich deutlich über 1600 Stunden an der Computertastatur, was etwa dreieinhalb Stunden pro Seite entspricht. Die 52 Seiten des Kurzromans schrieb ich in etwa 80 Stunden, brauchte also etwa eineinhalb Stunden pro Seite. Der Kurzroman fiel mir in gewisser Weise leichter, weil ich schon von Anfang an mein Ziel vor Augen hatte. Aber die kürzere Form hat auch ihre Tücken. So musste der Text in die Welt des Romans passen, ohne aber dessen Geheimnisse zu verraten. Glücklicherweise ging es mir schon immer so, dass mir die am schwierigsten zu schreibenden Texte auch am meisten Spaß bereiten. Erst die Herausforderung macht die Reise interessant.

War Die schwarze Feder Ihr erster Text, der ausschließlich als E-Book erschien? Und lesen Sie selbst E-Books?

Ja, es war mein erster. Ich selbst lese noch keine E-Books, weil ich das Buch als physischen Gegenstand zu sehr liebe. Doch die E-Book-Verkäufe sind in den Staaten in die Höhe geschossen. Und ich sehe schon auch, wie praktisch elektronische Bücher sind.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Das Leben ist so vollgepackt mit Wundern und Geheimnissen, dass es immer Neues zu erzählen und neue Figuren zu erforschen gibt. Ich habe den fünften und letzten Band meiner Frankenstein-Serie abgeschlossen. Momentan sitze ich am Finale eines großen Romans über ein Haus des Schreckens – aber es ist keine Geistergeschichte. Etwas viel Merkwürdigeres als Geister herrscht in der Villa aus dem 19. Jahrhundert … Und dann geht’s an den nächsten Odd-Thomas-Roman. Ich fürchte, so schnell wird das nichts mehr mit meinem Zahnmedizinstudium.

Der_Rabenmann

Der Rabenmann - die ganze Geschichte des Horrors rund um Alton Turner Blackwood - erscheint am 12.12.2011 auf Kindle. Sichern Sie sich jetzt schon Ihr Exemplar.

 

 

 

 

 

 

 

-- BSa