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Music

Tom Liehrs "Sommerhit"

"Sommerhit erzählt die Geschichte von einem, der auszog, es allen zu zeigen", heißt es da. Auf Kindle ist das Buch ein echter Sommerschmöker geworden. Anlass genug, seinem Autor Tom Liehr einige Fragen zu stellen.

AmazonMP3-logo-160x49._V192563276_ Wer in die persönliche Playlist des Autors hineinhören möchte, kann das hier tun: Die Playlist zu Sommerhit.

 

Was liegt/steht neben Ihrem Bett?

Da ich gerade umgezogen bin, nicht so schrecklich viel - die meisten Kisten sind noch verschlossen (oder nicht aufzufinden, weil sie irgendwo zwischen den siebzig Kisten mit Büchern versteckt sind). Jedenfalls: "Don Juan de la Mancha" von Robert Menasse, außerdem eine ans Buch anklemmbare LED-Leselampe, weil mein acht Monate alter Sohn noch im Eltern-Schlafzimmer nächtigt. Mein Kindle liegt da auch, aber ich habe die Hülle nebst Leselampe noch nicht gefunden, weshalb ich ihn (oder es?) leider nicht benutzen kann.

Tom_Liehr

Sie waren früher DJ. Wie beeinflusste das Ihr Schreiben am Roman „Sommerhit“?

Ich mag Musik einfach sehr, sehr gerne, übrigens weniger die, die ich jahrelang aufgelegt habe: Wenn man gefühlt tausend Mal Songs wie "I Will Survive" spielen musste, geht einem diese Art von Musik irgendwann ziemlich auf den Zünder, und nicht jedes Publikum ist Grunge-, Punk- oder Indierock-tauglich. Aber Musik ist enorm wichtig, ein Fühlgut-Faktor, und, vor allem, ein exzellentes Transportmittel für emotionale Erinnerungen. Viele Menschen wissen sofort, was in ihnen vorging, als sie ein bestimmtes Stück zum ersten Mal gehört haben, wenn es Jahre später plötzlich wieder im Radio läuft. Jedes Leben hat seinen eigenen Soundtrack. Meiner besteht hauptsächlich aus Indie-Rock und Singer/Songwritern wie beispielsweise Jackson Browne, der ja auch in Sommerhit erwähnt wird. In Geisterfahrer, meinem vierten Roman, findet sich am Ende vieler Kapitel der Song, der zu der Zeit, in der das Kapitel spielt, Nummer eins in Deutschland war (darunter auch Schrecklichkeiten wie Frank Zanders "Ententanz"-Variante). Viele Leser haben mit geschrieben, dass sie sich sofort an die entsprechende Zeit erinnern konnten, als sie die Songtitel gelesen haben. Musik macht viel mit uns, und ich mag es, das zu nutzen. Durch meine DJ-Zeit (und die Arbeit in einer Radiostation vorher) weiß ich recht viel über die Branche, und das habe ich in Sommerhit genutzt. Es gibt, hiervon abgesehen, eine inoffizielle Leitlinie für Autoren, die da lautet: "Show, dont' tell" - sinngemäß bedeutet das: Zeige etwas, und teile es nicht einfach mit. Will sagen: Erkläre den Lesern nicht, was sie zu fühlen haben, sondern bringe sie dazu, es selbst zu fühlen, indem Du nachvollziehbar erzählst. Mit Musik geht das besonders gut.

Wie entstand die „Sommerhit“ Playlist?

Die drei Sommerhits, die im Buch wichtige Rollen spielen, sind wirklich typische Sommerhits - im Nachhinein betrachtet recht schreckliche Songs (wie etwa "Comment ca va?" von The Shorts), die es aber trotzdem geschafft haben, den Nerv der Zeit zu treffen, oder die einfach gut vermarktet wurden. Mein Lektor kam auf die Idee, diesen Hits eine sehr persönliche Playlist gegenüberzustellen, die sich ein geneigter Leser anstelle von "Sommerhits" an einem lauen Abend anhören kann. Es sind Musikempfehlungen und zugleich - wie oben angedeutet - Stimmungsträger. Einige der Songs haben auch inhaltlich mit dem Buch zu tun, etwa "Papillon" von den genialen Editors oder "Time Flies" von Porcupine Tree. Die Idee hierzu stammt übrigens ursprünglich von dem französischen Verlag, der meinen "Geisterfahrer" in Frankreich herausgebracht hat. "Asphalte Editions" lässt jeden Roman mit einer Playlist enden, die vom Autor zusammengestellt wurde, und die sozusagen die Stimmung des Romans und auch die des Autors beim Schreiben irgendwie wiedergibt. 

Zu welchen Songs sind Sie in den 90er Jahren über die Tanzfläche gerockt?    Sommerhit_KindleBlog

Meistens stand ich oben, hinter dem Pult, wenn ich in einem Laden mit Tanzfläche war, aber wenn ich mal unten zappelte, dann gerne zu Die Ärzte oder Depeche Mode, vor allem aber zu härteren Sachen von Bands wie Green Day, The Offspring, Rage Against The Machine und The Presidents of the USA. Eigentlich aber war ich nicht sehr wählerisch - wenn eine Party gut läuft und der DJ seine Sache ordentlich macht, kann sogar eine Schlagerparty Spaß machen. Je weniger Musikwünsche das Publikum äußert, umso besser läuft die Mucke, und genau darum geht es bei dieser Angelegenheit: Dass man sich von Stimmung mitreißen lässt.

-- HBa