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Reingelesen

Trevanian: Im Auftrag des Drachen

TrevanianBond-Erfinder Ian Fleming und Bourne-Erfinder Robert Ludlum wurden ihrerzeit verdächtigt, hinter dem Pseudonym Trevanian zu stecken (tatsächlich handelte es sich um den Filmhistoriker Rodney William Whitaker). Angesichts ähnlicher Inhalte und Figuren ist das nachvollziehbar. Andererseits: Warum sollten diese Herren ausgerechnet für ihre besten Werke ein Pseudonym wählen? Literarisch war und ist Trevanian im Thriller-Genre eine Klasse für sich. Sein Stil ist geschliffen, sein Wissen scheint enzyklopädisch, und seine Romane bieten wirklich den Grad an Abenteuerlichkeit, den andere nur versprechen. Der neu aufgelegte Im Auftrag des Drachen (ursprünglich von 1972, 1975 von und mit Clint Eastwood verfilmt) bildet da keine Ausnahme.

Jonathan Hemlock ist Universitätsdozent und Kunstliebhaber. Seine Sammelleidenschaft finanziert er sich als geheimdienstlicher Auftragsmörder. Eigentlich mag er nicht mehr so recht, als ein neuer Auftrag reinkommt, aber er braucht dringend eine Finanzspritze für seine nächste Anschaffung. Außerdem enthält dieser Auftrag eine persönliche Komponente: er gibt Hemlock die Möglichkeit, den Tod eines geschätzten Kollegen zu rächen. Der Haken: die Zielperson ist noch nicht identifiziert. Hemlock muss selbst herausfinden, welches Mitglied einer Bergsteigertruppe der zu killende Killer ist. Ausgerechnet bei einem Besteigungsversuch der Eiger-Nordwand.

Einen gelungenen Unterhaltungsroman mit einer unsympathischen Hauptfigur zu schreiben ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Trevanian schafft es ohne Weiteres. Jonathan Hemlock ist ein gesellschaftlich integrationsfähiger Psychopath wie Sherlock Holmes, James Bond oder Hannibal Lecter. Große Gefühlsregungen sind nicht sein Ding. Freundschaften sind strengen Regeln unterworfen. Sex nimmt er mit, wo er ihn kriegen kann, und wenn es mal keinen gibt, ist es auch nicht schlimm. Leidenschaft verspürt er allenfalls für die schönen Künste, und auch da begeistert er sich eher für handwerkliche Präzision als für künstlerischen Subtext. Nein, liebenswert ist diese Figur nicht, aber überaus interessant. Das ist mehr als die halbe Miete, insbesondere, wenn die Geschichte um die Figur herum so präzise und dynamisch geschrieben ist, ohne Durststrecken und ohne übertriebene Action, voll politischem Sendungsbewusstsein und sarkastischem Witz. Dass einige der erotischen Begegnungen an Fantasien aus 70er-Jahre-Herrenmagazinen erinnern, ist zu verkraften. Es ist schließlich ein 70er-Jahre-Herrenroman. Daran muss nicht alles schlecht sein. Das meiste ist es ganz und gar nicht.

-- ANe

Donna Tartt: Der Distelfink

 

FinkDurch das angelsächsische Feuilleton spukt momentan mal wieder die Sommerloch-Debatte, ob der Roman, zumindest der literarische, tot sei. Dabei sind es gerade die englischsprachigen Autorinnen und Autoren, die mit ihren aktuellen Veröffentlichungen die überzeugendsten Lebenszeichen der Gattung geben.  Eine davon ist Donna Tartt, legendär langsame Autorin von drei Romanen in über 20 Jahren. Logisch, dass jeder neue Tartt zum Ereignis ausgerufen wird. Im Fall von Der Distelfink völlig zu Recht.

Im Alter von 13 Jahren verliert Theo Decker seine Mutter bei einem Bombenattentat auf ein New Yorker Museum, das beide gemeinsam besuchen. Unter Schock stiehlt er am Tag der Tragödie ein Gemälde, ‚Der Distelfink‘ von Carel Fabritius. Es wird ihm in den nächsten Jahren, in denen er unter verschiedenen Vormunden in New York und Las Vegas aufwächst und auf diverse schiefe Bahnen gerät, Halt und Hindernis zugleich sein.

Kann man noch etwas zu Der Distelfink sagen, das noch nicht gesagt worden ist? Vielleicht sollte zur Abwechslung mal darauf hingewiesen sein, wie modern der Roman ist. Es scheint ein Gesetz zu geben, laut dem man unbedingt von Dickens sprechen muss, wenn man von Der Distelfink spricht. Ganz von der Hand zu weisen ist der Vergleich nicht, obwohl inzwischen in der Literaturkritik der Dickens-Vergleichsreflex bei jedem einigermaßen linear erzählten Roman ab einem gewissen Umfang zu zucken scheint. Viel interessanter als Donna Tartts Mut zum strukturellen Konservativen aber ist ihr Bekenntnis zur Gegenwart. Der Distelfink ist kein Retro-Schmöker von dieser schrulligen, etwas entrückten Lieblings-Tante aus den Südstaaten, sondern ein Roman aus dem Hier und Jetzt von einer Frau, die in diesem Hier und Jetzt fest verankert ist. Theo Decker ist ein Kind der Gegenwart, ein Kind von iPhone und Grand Theft Auto, und seine Odyssee ist sehr gegenwärtig – egal, wie klassisch sie erzählt ist. Tartt kann nicht nur die Requisiten der Ultramoderne benennen, sondern weiß auch um ihre Bedeutung. Was Decker erlebt und was ihm widerfährt, wäre ohne heutige Technologien, Drogen, Mobilität und Medien nicht möglich. Letztendlich mögen Menschen seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte mit ähnlichen Resultaten scheitern, doch die Wege zum Ziel ändern sich mit den Zeiten. Deshalb müssen solche Geschichten immer wieder neu erzählt werden, denn sie sind immer wieder neu. Der Distelfink verbindet das Klassische mit dem Modernen auf eine Art, die man dann später ‚zeitlos‘ nennen wird.

-- ANe

Neue Leseideen gesucht? 25 Kindle-Favoriten entdecken.

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--MHo

Reingelesen: "Crime" von Irvine Welsh

WelshWir haben reingelesen in Crime von Irvine Welsh. Welsh hatte 1993 mit seinem Debütroman Trainspotting (hier englisch) einen der gekonntesten Romane der Gegenwart veröffentlicht und schottischen Pub-Toiletten damit weltweit zu berüchtigter Berühmtheit verholfen.

In Trainspotting und in seinen folgenden Romanen, z.B. The Acid House oder Drecksau schreibt Welsh immer wieder über die dunklen Seiten menschlicher Leidenschaften wie Drogenabhängigkeit, Gewalt, Sexismus. Dabei kennt er weder Grenzen noch Kompromisse: harte Milieus, krasse Typen, schwarzer Humor.

Jetzt ist sein neuester Roman Crime auf Deutsch erschienen. Inspektor Ray Lennox fliegt mit seiner Verlobten Trudi nach Florida. Was eigentlich als Urlaub zum Abschalten und Hochzeitsvorbereiten geplant war, verwandelt sich bald in eine Flucht quer durch den Bundesstaat - gemeinsam mit der 10jährigen Tianna. Im Auftrag der Mutter will er das Mädchen vor den pädophilen Übergriffen Ihres Umfelds in Sicherheit bringen. Aber kann er das?  

CrimeReingelesen:

Sie wollte ihrer Momma noch sagen, was für ein mieser Typ das war. Wie der zu Haus in Mobile. Und das Schwein in Jacksonville. Aber ihre Momma schminkte sich vor dem Spiegel die Augen und sagte, sie solle den Mund halten und lieber zusehen, dass die Fensterläden fest geschlossen waren, im Lauf der Nacht sollte von Nordosten ein Unwetter aufziehen. Das Mädchen ging zum Fenster und sah nach draußen. Alles war still. Eine glänzende Mondscheibe sandte bläuliches Licht in die Wohnung, nur durchbrochen von den Zweigen der toten Eiche im Hof: Sie warfen harte, krampfaderige Schatten, die sich düster die Wände entlangstahlen wie etwas Lebendiges. Sie drückte den Schnappriegel herunter, mit dem die schützenden Lamellenwände festgestellt wurden; dabei konnte man sich die Finger klemmen, aber sie zog im entscheidenden Moment die Hand weg, wie ein schlaues Mäuschen, das Käse aus einer Falle stibitzte. Dann betrachtete sie die ausdruckslose Hingabe ihrer Mutter im Spiegelbild. Früher hatte sie immer gerne zugesehen, wie Momma sich schön machte, wie konzentriert sie mit dem kleinen Bürstchen ihre langen Wimpern dunkler tuschte. Aber jetzt nicht mehr. Etwas zog ihr den Magen zusammen. Geh heute Abend nicht weg, sagte das Mädchen leise, halb hoffnungsvoll, halb flehend. Die kleine rosa Zunge ihrer Mutter schoss heraus und befeuchtete den Eyelinerstift. Mach dir um mich keine Sorgen, Schatz, mir passiert schon nichts, und dann hupte unten ein Auto; mit einem Klicken sprang die Klimaanlage an, und es wurde kühler im Raum.

Photo: © Steve Double

-- ABi

Gratis Vorab-Textauszug: "Der Mann der kein Mörder war"

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Dieses Buch ist ein Fest für alle Krimifans: Das Krimidebüt von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt, Der Mann der kein Mörder war (hier Vorab-Textauszug), beschreibt den ersten Fall des Sebastian Bergmann, eines brillianten, schrägen und zutiefst unsymphathischen Kriminalpsychologen. Es gilt den Mord an dem jungen Roger aufzuklären, der in einem Waldstück bei Västerås brutal ermordet und mit herausgerissenem Herzen gefunden wird.

Gratis eBook vorab: Exklusiv für Kindle gibt es jetzt ein kostenloses eBook, das noch vor Erscheinen des eigentlichen Buches mit einem großzügigen Vorab-Textauszug aufwartet.

Viel Vergnügen beim Hineinschmökern!

 

 

Der_Mann_der_kein_Mörder_war

 

 

Das vollständige Werk Der Mann der kein Mörder war erscheint in Kürze und kann jetzt vorbestellt werden.

 

 

 

 

-- BSa

Reingelesen: Dampfnudelblues

Dampfnudelblues Wir haben für Sie in den neuesten Krimi von Rita Falk reingelesen.

Aus Dampfnudelblues:

STIRB, DU SAU!, steht auf dem Höpfl seiner Hauswand.
Ärgerlich. Und nicht nur für den Höpfl.
Weil, wenn am Montag in aller Herrgottsfrüh das verdammte Telefon läutet, noch dazu das dienstliche, dann ist das halt scheiße. Erst recht vor dem Frühstück.
Dran ist eben der Höpfl. Der Höpfl wohnt hier am Dorfrand, ist Rektor in der Realschule und er will jetzt, dass ich komm.
Zwei Marmeladensemmeln und die Eier mit Speck, die mir die Oma brät, müssen dann leider reichen. Für den Früchtequark bleibt keine Zeit.
„Was ist jetzt mit dem Quark?“, schreit mir die Oma hinterher, grad wie ich zur Tür raus will. Weil sie schon seit Jahren nichts mehr hört, deut ich bloß auf die Uhr und meine Waffe und sie kapiert’s.

Dampfnudelblues ist bereits der zweite Fall, in dem der Franz Eberhofer ermittelt.
Im Herbst 2010 erschien der erste Fall des Franz Eberhofer, Winterkartoffelknödel, in dem wir erfahren, wie er strafversetzt wird in sein niederbayerisches Heimatdorf Niederkaltenkirchen und dort in ziemlich grausligen Mordfällen ermitteln muss.

-- BSa