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Reingelesen

Die letzte Fahrt des legendären Schiffsfrisörs Sigismund Skrik

611chezrNBL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_Liebe Leserin und lieber Leser,

  es gibt Welten, die kennt man kaum, weil sie im Verborgenen gedeihen, oder zumindest früher mal gediehen. Aber dafür gibt es ja Bücher, zum Beispiel dieses.

 Lange vor Udo Waltz, Vidal Sassoon oder wie die Star-Stylisten alle heißen, gab es einen Mann, der die wirklich schrillen Haar-Kunstwerke schuf. Er war der Super-Friseur des 19. Jahrhunderts und hieß Sigismund Skrik. Er arbeitete viel auf Auswandererschiffen, die zwischen Europa und der neuen Welt verkehrten. Und wie alle wirklich guten Coiffeure bearbeitete er nicht nur die Köpfe seiner Kunden, sondern auch deren Seelen. Er wurde so etwas wie der Beichtvater der sieben Meere.

 Und so erfährt Sigismund Skrik, während er auf der Liberty, dem letzten großen Atlantik-Segler, zwischen Hamburg und New York hin und her schippert, was jene Menschen umtreibt und bewegt, die die alte Welt hinter sich lassen und in der neuen Welt ihr Glück suchen wollen. Schicksale, Hoffnungen, Abenteuer, Siege und Niederlagen. Auch während seiner letzten Fahrt auf der Liberty im Jahr 1879, nach der er auf den neuen Superdampfer Gigantik überwechseln will (was nichts wird, aber das müssen Sie selber lesen), sitzen sie vor Sigismund Skrik auf dem Friseurstuhl und reden sich alles von der Seele, nebenbei überstehen sie gemeinsam während der langen Wochen auf See die aberwitzigsten Abenteuer.

Da ist zum Beispiel die Edel-Kurtisane, die von einem Verehrer von Sankt Petersburg ein Vermögen geerbt hat, der Zoologe aus Leipzig, der seine vier Makaken-Damen mit einem Affen in Desmoines verkuppeln will, die Ringerin aus dem Kopenhagener Tivoli, die bei Barnum&Bailey als „stärkste Frau der Welt“ auftreten soll, der Anarchist aus Moskau, der sich als harmloser Nudist entpuppt, die junge Adlige, die auf der Flucht vor den Häschern ihres Vaters ist, der sächsische Erfolgsschriftsteller, der inkognito zum ersten Mal in den Wilden Westen reist, um die Indianer zu bekehren, die Operndiva aus Mailand, die ein letztes Mal singen will, der Arbeitsvermittler, der 20 Klöpplerinnen aus Brügge eine große Zukunft versprochen hat, die alte Gräfin aus Ostpreußen, die mit einer geheimnisvollen Kiste unterwegs ist, der Bauer aus Lauenburg, der es in Minnesota zu einer eigenen Farm und mehreren Squaws gebracht hat und nun seine Familie nachholt, der Konzertpianist, der als Goldgräber in Kalifornien reich werden will, der Weinbauer aus Bordeaux, dessen Rebstöcke die salzhaltige Luft auf See nicht vertragen, der Heiratsschwindler auf der Suche nach der richtigen Frau und die Taschendiebin, die in Amerika neu anfangen will.

Sie alle schütten Sigismund Skrik (der übrigens der Ich-Erzähler des Buches ist) ihr Herz aus und entwerfen so ein Panorama der großen Auswanderungszeit, das hinter aller Komik eine Welt zeigt, die für viele tatsächlich keine Zukunft mehr bot. Ich zumindest möchte damals nicht als Mitglied einer der ärmeren Gesellschaftsschichten gelebt haben.

Ob das alles stimmt? Naja, es ist ein Roman. Aber es hat solche Schiffs-Friseure gegeben. Der Urgroßvater eines Freundes von mir war so einer, deshalb bin ich überhaupt auf die Idee für diese Geschichte gekommen. Für mich ist Sigismund Skrik im Laufe des Jahres, in dem ich an seinen Memoiren geschrieben habe, so real geworden, dass ich ihn leibhaftig vor mir sehe. Er ist mir ans Herz gewachsen, und all die anderen an Bord auch. Am meisten – aber das verrate ich nicht. Mal sehen, wie das bei Ihnen ist. Sie können es mir dann ja schreiben.

Ich kann Ihnen versichern, dass ich selbst den größten Spaß  gehabt habe beim Schreiben.

 Herzliche Grüße an alle, ob Wasserratten oder nicht.

Ihr

Karsten Flohr

25 Kindle-Favoriten: Leseempfehlungen für den November

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben für den grauen November 25 eBooks ausgesucht, die wir für entdeckenswert halten.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf unsere 25 Kindle-Favoriten:

KS25 Nov Blog-Teaser 

Entdecken Sie alle 25 Empfehlungen hier. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

"Bereue" - ein spannender Psychothriller von Lisa Fink

Ben Biller verliert innerhalb weniger Tage alles. Obdachlos, zurückgewiesen von seinen Mitmenschen erkennt er, was für ihn wirklich wichtig ist. Doch es ist zu spät, sein Leben zu ändern, ein Wahnsinniger fordert seinen Selbstmord … 51meOoU8nVL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX278_SY278_PIkin4,BottomRight,1,22_AA300_SH20_OU03_

»Herzlichen Glückwunsch! Heute beginnt für Dich nicht nur ein neues Lebensjahr, sondern auch ein neues Leben. Du wirst erkennen, was Du getan hast. Bereue und richte Dich selbst.«

Jahrelang hat Ben Biller all seine Energien darauf verwendet, sich an die Spitze eines namhaften Unternehmens zu kämpfen. Als er an seinem achtunddreißigsten Geburtstag diese anonyme Nachricht in seinem Briefkasten findet, hält er es zunächst für einen üblen Scherz. Doch dann verwandelt sich die glänzende Fassade seines Lebens in ein Trümmerfeld. Ohne Job, ohne Geld, obdachlos, zurückgewiesen von seinen Mitmenschen erkennt er, dass ein wahnsinniger Rächer hinter ihm her ist.

 

Ben kann die Hetzjagd nur überleben, wenn er den Jäger unschädlich macht. Doch wer ist er? Und was hat Annelie damit zu tun, seine Jugendliebe, die ausgerechnet jetzt wieder in seinem Leben auftaucht?

25 Kindle-Favoriten: neue Leseideen für Regenwetter im Sommer

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben auch für den Septemer wieder 25 eBooks ausgesucht, die wir für entdeckenswert halten.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf unsere 25 Kindle-Favoriten:

Vierter Stock Mütter Töchter   Panik Alentejo Blue The Circle 

 

 

 

 

         

Entdecken Sie alle 25 Empfehlungen hier. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Unsere Romanempfehlung des Monats: 'Mias Schatten'

Jeden Monat möchten wir Ihnen ein Buch vorstellen, das uns besonders am Herzen liegt. Diesen Monat ist es der Roman von Ki-Ela, der schon 2013 unter dem Titel »Schattierungen von Weiß« veröffentlicht und jetzt neu lektoriert wurde.

Der Roman handelt von Mia und Levin - zwei völlig unterschiedlichen Menschen - deren Wege sich zufällig 51TcREX7elL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX278_SY278_PIkin4,BottomRight,1,22_AA300_SH20_OU03_auf einer Autobahnraststätte kreuzen.

Sie beschließen, einen Teil ihrer Reise gemeinsam zu begehen, und lernen sich immer besser kennen und schließlich auch lieben. Doch Mias Vergangenheit holt sie plötzlich ein und der Kampf um ihre Liebe beginnt. 

Exklusiv erzählt uns die Autorin, wie der Roman entstanden ist:

Liebe Leserinnen und Leser,

vielen Dank, dass Sie sich für meinen Roman ‚Mias Schatten‘ entschieden haben.

Die Idee zu dieser Geschichte ist während einer Autofahrt entstanden, als im Radio das Lied ‚A whiter shade of pale‘ lief. Dieser wunderschöne Song mit dem rätselhaften Text hat mich ein wenig herumspinnen lassen. Besonders die Zeile ‚That her face, at first just ghostly, turned a whiter shade of pale’ hatte es mir angetan und vor meinem inneren Auge entstand das Bild einer jungen Frau mit einer schweren Vergangenheit.  

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit der Geschichte, begleiten Sie Mia und Levin ein Stück auf ihrem gemeinsamen, und oft schwierigen, Weg.

25 Kindle-Favoriten: neue Leseideen für den August

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben auch für den August wieder 25 eBooks ausgesucht, die wir für entdeckenswert halten.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf unsere 25 Kindle Sommer-Favoriten:

 

Erlöse mich Entscheidungen Der Mann in Nachbars Garten Vor deinem Grab      Komm ich erzähl Dir eine Geschichte  Pleiten Pech und Prinzen

Entdecken Sie alle 25 Empfehlungen hier. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Trevanian: Im Auftrag des Drachen

TrevanianBond-Erfinder Ian Fleming und Bourne-Erfinder Robert Ludlum wurden ihrerzeit verdächtigt, hinter dem Pseudonym Trevanian zu stecken (tatsächlich handelte es sich um den Filmhistoriker Rodney William Whitaker). Angesichts ähnlicher Inhalte und Figuren ist das nachvollziehbar. Andererseits: Warum sollten diese Herren ausgerechnet für ihre besten Werke ein Pseudonym wählen? Literarisch war und ist Trevanian im Thriller-Genre eine Klasse für sich. Sein Stil ist geschliffen, sein Wissen scheint enzyklopädisch, und seine Romane bieten wirklich den Grad an Abenteuerlichkeit, den andere nur versprechen. Der neu aufgelegte Im Auftrag des Drachen (ursprünglich von 1972, 1975 von und mit Clint Eastwood verfilmt) bildet da keine Ausnahme.

Jonathan Hemlock ist Universitätsdozent und Kunstliebhaber. Seine Sammelleidenschaft finanziert er sich als geheimdienstlicher Auftragsmörder. Eigentlich mag er nicht mehr so recht, als ein neuer Auftrag reinkommt, aber er braucht dringend eine Finanzspritze für seine nächste Anschaffung. Außerdem enthält dieser Auftrag eine persönliche Komponente: er gibt Hemlock die Möglichkeit, den Tod eines geschätzten Kollegen zu rächen. Der Haken: die Zielperson ist noch nicht identifiziert. Hemlock muss selbst herausfinden, welches Mitglied einer Bergsteigertruppe der zu killende Killer ist. Ausgerechnet bei einem Besteigungsversuch der Eiger-Nordwand.

Einen gelungenen Unterhaltungsroman mit einer unsympathischen Hauptfigur zu schreiben ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Trevanian schafft es ohne Weiteres. Jonathan Hemlock ist ein gesellschaftlich integrationsfähiger Psychopath wie Sherlock Holmes, James Bond oder Hannibal Lecter. Große Gefühlsregungen sind nicht sein Ding. Freundschaften sind strengen Regeln unterworfen. Sex nimmt er mit, wo er ihn kriegen kann, und wenn es mal keinen gibt, ist es auch nicht schlimm. Leidenschaft verspürt er allenfalls für die schönen Künste, und auch da begeistert er sich eher für handwerkliche Präzision als für künstlerischen Subtext. Nein, liebenswert ist diese Figur nicht, aber überaus interessant. Das ist mehr als die halbe Miete, insbesondere, wenn die Geschichte um die Figur herum so präzise und dynamisch geschrieben ist, ohne Durststrecken und ohne übertriebene Action, voll politischem Sendungsbewusstsein und sarkastischem Witz. Dass einige der erotischen Begegnungen an Fantasien aus 70er-Jahre-Herrenmagazinen erinnern, ist zu verkraften. Es ist schließlich ein 70er-Jahre-Herrenroman. Daran muss nicht alles schlecht sein. Das meiste ist es ganz und gar nicht.

-- ANe

Donna Tartt: Der Distelfink

 

FinkDurch das angelsächsische Feuilleton spukt momentan mal wieder die Sommerloch-Debatte, ob der Roman, zumindest der literarische, tot sei. Dabei sind es gerade die englischsprachigen Autorinnen und Autoren, die mit ihren aktuellen Veröffentlichungen die überzeugendsten Lebenszeichen der Gattung geben.  Eine davon ist Donna Tartt, legendär langsame Autorin von drei Romanen in über 20 Jahren. Logisch, dass jeder neue Tartt zum Ereignis ausgerufen wird. Im Fall von Der Distelfink völlig zu Recht.

Im Alter von 13 Jahren verliert Theo Decker seine Mutter bei einem Bombenattentat auf ein New Yorker Museum, das beide gemeinsam besuchen. Unter Schock stiehlt er am Tag der Tragödie ein Gemälde, ‚Der Distelfink‘ von Carel Fabritius. Es wird ihm in den nächsten Jahren, in denen er unter verschiedenen Vormunden in New York und Las Vegas aufwächst und auf diverse schiefe Bahnen gerät, Halt und Hindernis zugleich sein.

Kann man noch etwas zu Der Distelfink sagen, das noch nicht gesagt worden ist? Vielleicht sollte zur Abwechslung mal darauf hingewiesen sein, wie modern der Roman ist. Es scheint ein Gesetz zu geben, laut dem man unbedingt von Dickens sprechen muss, wenn man von Der Distelfink spricht. Ganz von der Hand zu weisen ist der Vergleich nicht, obwohl inzwischen in der Literaturkritik der Dickens-Vergleichsreflex bei jedem einigermaßen linear erzählten Roman ab einem gewissen Umfang zu zucken scheint. Viel interessanter als Donna Tartts Mut zum strukturellen Konservativen aber ist ihr Bekenntnis zur Gegenwart. Der Distelfink ist kein Retro-Schmöker von dieser schrulligen, etwas entrückten Lieblings-Tante aus den Südstaaten, sondern ein Roman aus dem Hier und Jetzt von einer Frau, die in diesem Hier und Jetzt fest verankert ist. Theo Decker ist ein Kind der Gegenwart, ein Kind von iPhone und Grand Theft Auto, und seine Odyssee ist sehr gegenwärtig – egal, wie klassisch sie erzählt ist. Tartt kann nicht nur die Requisiten der Ultramoderne benennen, sondern weiß auch um ihre Bedeutung. Was Decker erlebt und was ihm widerfährt, wäre ohne heutige Technologien, Drogen, Mobilität und Medien nicht möglich. Letztendlich mögen Menschen seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte mit ähnlichen Resultaten scheitern, doch die Wege zum Ziel ändern sich mit den Zeiten. Deshalb müssen solche Geschichten immer wieder neu erzählt werden, denn sie sind immer wieder neu. Der Distelfink verbindet das Klassische mit dem Modernen auf eine Art, die man dann später ‚zeitlos‘ nennen wird.

-- ANe

Neue Leseideen gesucht? 25 Kindle-Favoriten entdecken.

Liebe Leserinnen und Leser,

Ks25l-mobile_icon-c-de-150x150._V336697280_Ab sofort stellen wir Ihnen jeden Monat 25 eBooks vor, die wir klasse finden - aus Klassikern, Neuheiten, Literaturpreis-Gewinnern, Bestsellern, Romanen, Krimis sowie Sach- und Kinderbüchern. Unsere Empfehlungen enthalten Bücher, die wir gelesen haben und Ihnen empfehlen möchten, versteckte Schätze, die Sie entdecken sollten, oder Bücher, die gerade in aller Munde sind.

Die Auswahl unserer 25 Kindle-Favoriten macht uns sehr viel Spaß - wir wünschen Ihnen ebenso viel Spaß beim Lesen.

 

--MHo

Reingelesen: "Crime" von Irvine Welsh

WelshWir haben reingelesen in Crime von Irvine Welsh. Welsh hatte 1993 mit seinem Debütroman Trainspotting (hier englisch) einen der gekonntesten Romane der Gegenwart veröffentlicht und schottischen Pub-Toiletten damit weltweit zu berüchtigter Berühmtheit verholfen.

In Trainspotting und in seinen folgenden Romanen, z.B. The Acid House oder Drecksau schreibt Welsh immer wieder über die dunklen Seiten menschlicher Leidenschaften wie Drogenabhängigkeit, Gewalt, Sexismus. Dabei kennt er weder Grenzen noch Kompromisse: harte Milieus, krasse Typen, schwarzer Humor.

Jetzt ist sein neuester Roman Crime auf Deutsch erschienen. Inspektor Ray Lennox fliegt mit seiner Verlobten Trudi nach Florida. Was eigentlich als Urlaub zum Abschalten und Hochzeitsvorbereiten geplant war, verwandelt sich bald in eine Flucht quer durch den Bundesstaat - gemeinsam mit der 10jährigen Tianna. Im Auftrag der Mutter will er das Mädchen vor den pädophilen Übergriffen Ihres Umfelds in Sicherheit bringen. Aber kann er das?  

CrimeReingelesen:

Sie wollte ihrer Momma noch sagen, was für ein mieser Typ das war. Wie der zu Haus in Mobile. Und das Schwein in Jacksonville. Aber ihre Momma schminkte sich vor dem Spiegel die Augen und sagte, sie solle den Mund halten und lieber zusehen, dass die Fensterläden fest geschlossen waren, im Lauf der Nacht sollte von Nordosten ein Unwetter aufziehen. Das Mädchen ging zum Fenster und sah nach draußen. Alles war still. Eine glänzende Mondscheibe sandte bläuliches Licht in die Wohnung, nur durchbrochen von den Zweigen der toten Eiche im Hof: Sie warfen harte, krampfaderige Schatten, die sich düster die Wände entlangstahlen wie etwas Lebendiges. Sie drückte den Schnappriegel herunter, mit dem die schützenden Lamellenwände festgestellt wurden; dabei konnte man sich die Finger klemmen, aber sie zog im entscheidenden Moment die Hand weg, wie ein schlaues Mäuschen, das Käse aus einer Falle stibitzte. Dann betrachtete sie die ausdruckslose Hingabe ihrer Mutter im Spiegelbild. Früher hatte sie immer gerne zugesehen, wie Momma sich schön machte, wie konzentriert sie mit dem kleinen Bürstchen ihre langen Wimpern dunkler tuschte. Aber jetzt nicht mehr. Etwas zog ihr den Magen zusammen. Geh heute Abend nicht weg, sagte das Mädchen leise, halb hoffnungsvoll, halb flehend. Die kleine rosa Zunge ihrer Mutter schoss heraus und befeuchtete den Eyelinerstift. Mach dir um mich keine Sorgen, Schatz, mir passiert schon nichts, und dann hupte unten ein Auto; mit einem Klicken sprang die Klimaanlage an, und es wurde kühler im Raum.

Photo: © Steve Double

-- ABi