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Roman

Jess Walter: Schöne Ruinen

RuinenSchöne Ruinen ist ein optimistischer Roman über das Scheitern. Der Titel geht zurück auf ein Zitat in einer Zeitschrift, das Richard Burton als "schöne Ruine" bezeichnete. Es könnte aber auch auf jede Figur des Romans zutreffen. Sie alle sind auf die eine oder andere Weise gescheitert: Als Schauspielerin, als Hotelier, als Musiker, als Schriftsteller, als Filmproduzent. Das heißt nicht, dass das Schicksal diese Menschen besiegt hätte. Ein verhinderter Schriftsteller kann ein guter Autoverkäufer werden. Eine Schauspielerin, die vergeblich auf den großen Durchbruch wartete, kann erfolgreich Schauspiel lehren. Ein Produzent kann nach der Filmkarriere immer noch schmuddeliges Reality-TV raushauen.

Wichtiger als die Frage nach der beruflichen Eignung ist doch die nach der Eignung als Mensch. Und da meint der Italiener Pasquale etwas vermurkst zu haben, als er 1962 die amerikanische Schauspielerin Dee Moray hatte ziehen lassen, die in seinem entlegenen Hotel untergetaucht war, unglücklich verliebt in und geschwängert von Richard Burton, der gerade in relativer Nähe Cleopatra drehte. Pasquale und Dee kommen einander menschlich nah, aber ihre eigenen Probleme stehen einer echten Romanze im Weg. Jahrzehnte später taucht Pasquale als alter, radebrechender Mann in Hollywood auf, um der Liebe noch eine Chance zu geben …

Man kann mit Schöne Ruinen anfangs hadern: Die Geschichte von der unglücklichen amerikanischen Schauspielerin im malerischen italienischen Seeort lässt sich an wie veredelte Chick-Lit, und die satirischen Seitenhiebe gegen Hollywood sind altbacken (altes Hollywood: hach, Frühstück bei Tiffany / neues Hollywood: würg, alles nur noch verfilmte Videospiele). Von Kapitel zu Kapitel allerdings wird deutlicher, was Jess Walter hier vorhat und warum die vermeintliche Schmonzette in den USA ein beträchtlicher Kritikerliebling war. Diese eine Geschichte ist in Wirklichkeit viele Geschichten. Mit der gleichen Sorgfalt, mit der die Geschichten von Dee und Pasquale erzählt werden, werden auch die der Menschen erzählt, die diese Geschichten beeinflussen. Und die Geschichten, die diese Geschichten beeinflussen. Das können die unmittelbaren Lebensgeschichten der Protagonisten des Buches sein, aber auch eine Kannibalenschnurre aus dem Wilden Westen, in der eine Romanfigur eine gute Drehbuchidee wittert, oder ein Auszug aus dem autobiografischen Kriegsroman, an dem eine andere Figur scheitert. Walters Kunst ist es, bei diesem großen Panorama immer den Überblick zu behalten, alles zu allem in Zusammenhang zu setzen und es durchgehend für den Leser interessant zu gestalten. Wer einmal gepackt ist, bleibt gepackt. Ganz egal, ob er eigentlich lieber über Kannibalen, Rockmusiker, italienische Fischer, amerikanische Autoverkäufer, Hollywood, Idaho oder Edinburgh liest.

Selbst auf den letzten Metern führt der Roman noch neue Figuren ein, bei denen man gerne etwas verweilt wäre. Aber dann wären aus über 400 Seiten möglicherweise über 800 Seiten geworden. Es spricht für Schöne Ruinen, dass einen das eigentlich nicht gestört hätte.

-- ANe

"Inferno" - der neue Roman von Dan Brown

Inferno

 

Lange mussten wir warten, heute ist es endlich so weit: Mit Inferno setzt Dan Brown seine Thriller-Reihe um den Symbolforscher Robert Langdon fort.

Nach Illuminati, Sakrileg und  Das verlorene Symbol wird Langdon erneut in einen geheimnisvollen Fall verwickelt. In Italien ist der Harvard-Professor diesmal einer Verschwörung um Dantes Literaturklassiker Göttliche Komödie auf der Spur.

--NGl

 

Mo Yan: Frösche

FroescheDie Verleihung des Literaturnobelpreises 2012 an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan sorgte erst für Überraschung (wieder kein Murakami/Roth/Dylan/Favorit XY), dann für leichtes Unwohlsein bis mittlere Empörung: Zu sehr sei seine Karriere von der Kommunistischen Partei Chinas begünstigt, zu wenig spreche er gegen das Unrecht in seinem Land, zuletzt sprach er sich sogar noch einigermaßen deutlich für Zensur aus.  

Die Kritik ist nicht ganz unberechtigt, nur leider ist sein Roman Frösche großartig.

Der Titel geht zurück auf den Gleichklang der chinesischen Worte für "Kinder" und "Frösche", und dabei ist man gleich beim Thema der Geschichte: Chinas Ein-Kind-Politik. Die Schlüsselfigur und roter Faden, wenn auch nicht Hauptfigur, ist die anfängliche Geburtshelferin Gugu, die zusehends zur gefürchteten Vollstreckerin von Zwangsabtreibungen wird. Sie ist ein Wendehals vor dem Herrn, hängt ihre Nase stets nach dem Pekinger Regierungswind, ist je nach politischem Zeitgeist überzeugte Kommunistin, Sozialistin, Kapitalistin. Reue zeigt sie erst in hohem Alter, die Sympathien des Lesers hat sie da längst verspielt.

Trotz der schrecklichen Gugu und ihrer schrecklichen Taten ist es ein großer Spaß, Frösche zu lesen. Als positiv geschwätziger Briefroman konzipiert, sprudelt die Erzählung geradezu über vor Mitteilungsdrang, berichtet atemlos vom Schicksal einer Dorfgemeinschaft über Jahrzehnte hinweg, von der Zeit, in der Kohle essen besser war als gar nichts essen, bis in die Smartphone-Gegenwart. Dabei hat man Anteil am Werdegang verschiedener Figuren, deren Schicksale mit dem Wirken Gugus verbunden sind. Sei es, dass sie von ihr auf die Welt gebracht wurden, oder dass ihre eigenen Kinder von ihr genommen wurden, oder beides.

Ein psychologischer Roman ist Frösche nicht, das muss er auch nicht sein. Warum eine Figur welche Wandlung durchmacht, so es überhaupt Wandlungen gibt, wird nicht thematisiert. Es ist ein Roman, in dem Ereignis auf Ereignis folgt, und so ein großes politisches und gesellschaftliches Panorama Chinas der jüngsten Vergangenheit gezeichnet wird anhand vermeintlich kleiner Schicksale. Das alles in einer Sprache, die selbst dem Grauen Schmöker-Qualitäten abringt, ohne es zu banalisieren.

Es bleibt legitim, wahrscheinlich sogar unbedingt notwendig, Mo Yans politische Rolle und seine öffentlichen Äußerungen kritisch zu hinterfragen. Allerdings: So suspekt einem der Mensch sein mag (das eitle Nachwort des Romans schafft kaum Abhilfe), so begnadet ist der Literat. Der Literaturnobelpreis zeichnet kein politisches Engagement aus, sondern ein literarisches Werk. Mo Yan hat ihn völlig zu Recht erhalten, Frösche ist der beste Beweis.

-- ANe 

Alexander Broicher über seinen neuen Roman "Unter Frauen"

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Zum Erscheinen seines neuen Romans Unter Frauen erzählte uns Alexander Broicher im Interview über seine persönlichen Erlebnisse unter Frauen.

In Ihrem neuen Buch Unter Frauen lebt ein Mann mit drei Frauen in einer WG. Schreiben Sie aus eigener Erfahrung?

Alexander Broicher: Während meiner Studienzeit habe ich ein Praktikum in Hamburg absolviert und war in einem Mädchenwohnheim einer Modeschule untergebracht, da das Wohnheim während der Semesterferien angeblich leer stünde. Tatsächlich waren aber einige Bewohnerinnen nicht ausgeflogen. Da die Unterkunft lediglich für Frauen vorgesehen war, gab es keine getrennten Waschräume. Ein Umstand, den ich eines Morgens am eigenen Leib erfuhr, als ich gerade in der Sammeldusche stand. 
 
Sie haben zum Beispiel für die TV-Serie Verliebt in Berlin geschrieben. Was reizt Sie als erfahrener Drehbuchautor an Romanen?

Alexander Broicher: Romane bieten die Möglichkeit, tiefer in die Gedankenwelt der Figuren einzutauchen. Im Film muss man den Großteil der Gedanken und Gefühle ja nach außen bringen, um diese erfahrbar zu machen. Aber das Erzählen in seiner Grundstruktur ist in beiden Medien ähnlich. Ich versuche, auch meine Romane so zu schreiben, dass man sie im Kopf wie einen Film vor sich sehen kann. Ich finde, damit werden die Geschichten lebendiger. Das Lesen wird dadurch dreidimensionaler und macht mehr Spaß.

Ich habe zuvor auch mit Begeisterung Thriller geschrieben. Jetzt ein Buch zu schreiben, das Menschen zum Lachen bringt, ist auch für den Autor ein Geschenk. Nicht selten habe ich beim Schreiben selber schmunzelnd oder sogar lachend am Schreibtisch gesessen.

In Ihrem Buch geht es um Liebe, Komik und Großstadtleben. Was reizt Sie an den Themen am meisten?

Alexander Broicher: Städte ziehen viele Menschen magisch an, aber das vermeintliche Glück findet dort nicht jeder. Im Gegenteil, vieles ist in Städten auch schwieriger, besonders die Partnersuche. Mit Humor lassen sich viele Konflikte einer Figur einfach sehr viel charmanter behandeln. Denn wo es um Liebe geht, ist meist auch Leid im Spiel.

Warum sollte man dieses Buch Ihrer Meinung nach unbedingt lesen?

Alexander Broicher: Ich finde, es ist an der Zeit, das alte Vorurteil "Männer und Frauen passen nicht zusammen" neu zu betrachten. Dafür lasse ich den Helden des Buches in einer Versuchsanordnung mit falschen Vorzeichen starten - als angeblich Schwuler unter Frauen. Und schon entlarven sich Vorurteile und Vorverurteilungen wie von selbst. Es macht einfach Spaß, ihm auf seinem steinigen Weg zur Ehrlichkeit zu folgen, die ihm letztendlich sein ersehntes Liebesglück bringt.

Das Buch ist zudem hochaktuell. Gerade heute wird in Deutschland jeden Tag über Gleichberechtigung diskutiert, sei es beim Thema Frauenquote, Homo-Ehe oder der aktuellen Sexismusdebatte.

--ABi

Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como

Die Ordnung der Sterne über Como

„Ich hatte eine Sternschnuppe gesehen am See. Ich hatte mir gewünscht, dass die Bahn frei wäre für uns. Ich hatte damals gedacht, dass das Schicksal gut wäre, für uns da wäre, dass es alles so fügen würde, dass es irgendwie für alle passt.“ (Quelle: Die Ordnung der Sterne über Como, Monika Zeiner)

Tom Holler ist ein geachteter Pianist, dessen Leben gerade einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. Seine Frau Hedda hat sich von ihm getrennt und jede bis dahin noch vorhandene Ordnung scheint sich im Nichts aufzulösen.  Da kommt ihm eine Italien-Tour mit seiner Jazzband, die ihn zumindest vorübergehend aus seiner Lethargie reißen soll, genau recht. Dann meldet sich auch noch Betty Morgenthal, die mittlerweile in Neapel wohnt und gerne Toms Konzertaufenthalt zu einem Wiedersehen nutzen möchte. Die Kontaktaufnahme katapultiert Tom in alte Zeiten zurück.

Betty war einst die Freundin seines besten Freundes Marc. Zu dritt haben sie die Zeit ihres Lebens in einer gemeinsamen Musiker-WG in Berlin verbracht. Was hat dieses gemeinsame Leben damals zerstört? Kann Tom noch einmal dort anknüpfen, wo sich ihre Wege getrennt haben?


Monika Zeiner hat die Geschichte einer modernen Männerfreundschaft geschrieben, die über das übliche gemeinsame Biertrinken und Fußballabende weit hinausgeht. Die Liebe zur Musik verbindet Marc und Tom tief, sowie die Vorstellung von einem unkonventionellen, nicht bürgerlichen Leben. Klar ist, dass auch für diese Freundschaft und für den Lebensentwurf Grenzen existieren.

Der Roman ist überaus spannend, überzeugt mit seiner poetischen Sprache und bietet eine Projektionsfläche für Romantiker. Die wohlüberlegte Zeichnung der Charaktere und auch die Schilderung der Lebensatmosphäre Berlins und Neapels sind beeindruckend.

Es ist bestimmt kein Zufall, dass Monika Zeiner für diesen Debütroman bei der diesjährigen lit.Cologne mit einem Preis ausgezeichnet wurde und als Leser kann man sich zukünftig hoffentlich auf weitere Bücher aus ihrer Feder freuen.

--FEd

Nora Luttmer: Schwarze Schiffe

Schwarzeschiffe

Wer längere Zeit in einem Land verbringt, das aus der Ferne als exotisch wahrgenommen wird, kann meistens nicht dem Impuls widerstehen ein Buch drüber zu schreiben. Nicht selten wird daraus ein Krimi. Im Falle Nora Luttmer muss man sagen: Gott sei Dank. Ihr Vietnam-Krimi Schwarze Schiffe ist souverän gelungen und lässt auf Fortsetzungen hoffen.

In einem Tempel in Hanoi wird ein junges totes Mädchen mit einem tätowierten chinesischen Glückszeichen gefunden. Kommissar Ly, genreüblich kriselnd verheiratet und mit Tochter im rebellischen Alter, nimmt sich der Sache an. Es dauert nicht lange, bis Verbindungen zwischen Mordfall, Menschenhandel und illegaler Prostitution deutlich werden. Doch je heißer die Spur wird, desto schwieriger werden die Ermittlungen. Bald wird Lys eigene Familie bedroht. Die Korruption und Lethargie im Polizeiapparat sind keine große Hilfe. Und dann ist da noch eine Zeugin, zu der es den Kommissar mehr als nur beruflich hinzieht.

Zugegeben: Die Zutaten sind hinlänglich bekannt. Aber sie sind kompetent vermengt und zubereitet. Im Ergebnis hat man einen äußerst kurzweiligen Krimi mit interessanten Figuren und jeder Menge Lokalkolorit. Dabei tappt die Autorin nur sehr selten in die Falle, vom Krimi-Pfad abzukommen und sich im landeskundlichen Exkurs zu verheddern.

Der einzige echte Wermutstropfen tropft von der Kehrseite einer eigentlichen Stärke des Romans, nämlich der Straffheit der Erzählung. Einerseits machen gerade die schnelle Abfolge der Ereignisse und der Verzicht auf ihr episches Auswalzen die flotte Lesefreude aus. Andererseits kommt dabei das eine oder andere zu kurz, insbesondere was die Beziehungen der Figuren angeht.

Doch dass nicht jeder Konflikt gelöst wird, ist wahrscheinlich Intention. Es ist stark davon auszugehen, dass dies nur der erste von vielen Romanen über Ly, seine Familie und Kollegen sein soll. Da muss man Stoff für die nächsten Folgen aufbewahren. Bleibt zu hoffen, der Pilot möge tatsächlich in Serie gehen. Wenn einem der deutsche Provinzkrimi mal zu muffig wird, sollte man den Trip nach Hanoi unbedingt wagen.

 -- ANe

Keigo Higashino: Verdächtige Geliebte

Geliebte

Togashi, der gewalttätige Ex-Mann von Yasuko, wird sie nie wieder schlagen, denn nach einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden ist er tot. Unmöglich, dass Yasuko ungestraft davonkommt. Wäre da nicht ihr Nachbar Ishigami, ein unscheinbarer Mathelehrer und brillanter Kopf, der schon lange in die alleinerziehende Mutter verknallt ist. Er kümmert sich um die Leiche und verschafft Yasuko ein Alibi. Polizist Kusanagi hat sie trotzdem in Verdacht. Zusammen mit dem Physiker Yukawa, der Ishigami aus der gemeinsamen Studentenzeit kennt, versucht er die vertrackte Intrige zu entwirren.

Manche Krimis beziehen ihre Spannung aus der Frage, wer der Mörder ist. Andere Krimis beantworten diese Frage von vornherein und beziehen ihre Spannung aus der Frage, ob und wie der Mörder überführt wird. Und dann gibt es, ganz selten, Krimis wie Verdächtige Geliebte, die so tun, als gehören sie zur einen Gattung, obwohl sie eigentlich zur anderen gehören, oder vielleicht auch nicht. Wenn der Leser denkt, er denkt, dann denkt er nur, er denkt. Higashinos Roman gewinnt durch einen Plot, der nie auf theatralische Gesten oder strukturelle Experimente angewiesen ist. Man ist einfach gebannt von den Ereignissen, die sich in aller Ruhe aber voller Überraschungen entfalten. Dazu ein ungewöhnliches Ermittlerduo, das einen nicht allzu sehr mit Privatem nervt, und Figuren, die sich moralisch nicht leicht in Schubladen stecken lassen. Verdächtige Geliebte ist eines der Genre-Highlights des vergangenen Jahres. Wer es englisch mag, kann mit Salvation of a Saint schon jetzt einen weiteren komplizierten Fall für Kusanagi und Yukawa lesen.

-- ANe 

Kindle Gratis-Tage: "Fortune de France" gratis am 2.1.2013

Fortune_de_FranceNur heute kostenlos für Ihren Kindle: Fortune de France von Robert Merle.

Frankreich im 16. Jahrhundert - es tobt der Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten. Die Christen beider Parteien metzeln einander fröhlich nieder. Noch in der kleinen Welt von Burg Mespech im Périgord spürt der junge Pierre de Siorac den Riss, der durch das Land geht. Sein Vater, der Barron, ist Anhänger der reformierten Religion und zwingt die Kinder wie auch das Gesinde, sich gleichfalls zu bekehren.

 

 

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Auf unserer Kindle eBooks-Seite finden Sie noch bis zum 6.1.2013 jeden Tag ein Buch geschenkt. 

"Dublin Street" zum Sonderpreis von 4,49 EUR

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Sie will nur eine Nacht des Glücks, aber er legt ihr die Zukunft zu Füßen:

In den USA ist der Roman von Samantha Young, On Dublin Street, hoch bewertet.

Jetzt gibt es ihn auch auf Deutsch und noch bis 6. Januar 2013 zum Einführungspreis von 4,49 EUR: Dublin Street - Gefährliche Sehnsucht.

Wir haben der Autorin Samantha Young einige Fragen gestellt:

Dublin Street erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die niemanden an sich heranlassen will,  dann aber die Liebe ihres Lebens findet. Was hat Sie zu dieser Geschichte inspiriert?
Ich wollte einen Frauenroman schreiben, der so authentisch wie möglich ist und in dem sich die Leserinnen wiederfinden können. Normalerweise haben in romantischen Geschichten ja immer die Männer Probleme, sich zu binden. Im wahren Leben habe ich allerdings oft beobachtet, dass es andersherum ist. Ich dachte, dass es eine interessante neue Wendung ist, wenn mal die Heldin diejenige mit den Bindungsängsten ist.

Ihre Protagonistin, Jocelyn Butler, wirkt auf den ersten Blick ziemlich tough, aber als Leser merkt man schnell, dass sie eigentlich sehr verletzlich ist: Wie haben Sie diese Figur entwickelt?
Jocelyn hat ein bisschen was von mir und von all den wunderbaren Frauen, die ich kenne und die mir im täglichen Leben begegnen. Das machte es einerseits leicht, sie zu beschreiben, anderseits war es wahnsinnig schwer, die Figurenentwicklung so darzustellen, dass es für die Leserinnen nachvollziehbar ist.

Sie haben bisher in erster Linie Jugendbücher veröffentlicht. Was hat Sie dazu bewogen, einen Roman für Erwachsene zu schreiben?
Ich hatte schon immer vor, auch Bücher für Erwachsene zu schreiben, wollte aber zuerst meine Jugendbuchserie abschließen. Anfang 2012 fielen mir dann die Figuren für Dublin Street ein und haben so lange in meinem Kopf herumgespukt, bis ich sie endlich auf Papier gebannt hatte. Eigentlich wollte ich sie zu etwas mehr Geduld überreden und mir noch ein Jahr länger Zeit geben, um das Buch fertig zu schreiben. Aber dann wurde das Genre plötzlich so erfolgreich und mir wurde klar, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um das Buch zu veröffentlichen.

Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?
Immer. Immer, immer, immer. Schon als kleines Mädchen habe ich mir Geschichten ausgedacht. Den größten Einfluss auf mich hatten die Chroniken von Narnia, die ich als Kind gelesen habe. Die von C.S. Lewis entworfenen Welten sind einfach magisch. Seitdem wusste ich, dass ich das Ausdenken von Geschichten zu meinem Beruf machen wollte.

Gibt es Autoren, die Sie bewundern, die Ihre Arbeit beeinflusst haben?
Ich bin ein richtiger Bücherwurm. Es gibt so viele Autoren, die ich bewundere: Margaret Atwood, Angela Carter, Orson Scott Card, Cormac McCarthy, Richard Matheson, Richelle Mead, Suzanne Collins, Patrick Ness, Veronica Roth, Tahereh Mafi, Milan Kundera, Maria V. Snyder, C.S. Lewis, Laini Taylor, Tabitha Suzuma, Cassandra Clare … die Liste ist endlos.

Haben Sie so etwas wie eine Schreibroutine? Oder ein Ritual?
Die ersten Stunden nach dem Aufstehen verbringe ich damit, E-Mails zu beantworten. Danach setze ich mich an meinen Laptop und mache mir Notizen dazu, wie es in den nächsten Kapiteln weitergehen soll. Mittags gönne ich mir eine Pause und kümmere mich um die „Promotion“ für meine Bücher. Den Rest des Tages verbringe ich damit, meine Notizen vom Vormittag umzusetzen und die neuen Ideen in den Plot einzubauen.

--HBa

Chris Pavone: Die Frau, die niemand kannte

Frau

Die amerikanischen Eheleute Kate und Dexter führen ein ansehnliches Leben in Luxemburg, wo sie sich um Kinder und Haushalt kümmert und er als IT-Spezialist Banken zur Seite steht. Vor dieser Beschaulichkeit allerdings war Kate CIA-Agentin, was sie nicht mal ihrem Mann verraten hat. Nun droht sie ihre Vergangenheit einzuholen, als ein neu angekommenes US-Pärchen in ihr Leben dringt. Kate hält die beiden für Agenten mit unguten Absichten. Nicht nur erhärtet sich ihr Verdacht zusehends, auch kommen ihr bald Zweifel an der Sauberkeit von Dexters Lebenslauf.

Das Puzzle mag ein etwas abgedroschenes Bild für einen Thriller sein, aber bei Die Frau, die niemand kannte gibt es kein passenderes: Öffnet man das Buch, purzeln die Einzelteile nur so heraus und erst wenn man sie komplett geordnet hat, erkennt man das ganze Bild. Erzählt wird in vermeintlicher Unordnung auf mehreren zeitlich und örtlich getrennten Handlungsebenen, wobei die Gegenwartshandlung in Paris und der Aufenthalt in Luxemburg den Löwenanteil ausmachen. Es kommt derweil auch zu Ausflügen an andere exotische Orte, z. B. München und Südamerika, und es werden immer wieder kurze Blicke in Kates Vergangenheit als CIA-Agentin geworfen. Diese sind dringend notwendig, um die Figur zu komplettieren. Hat Die Frau, die niemand kannte eine Schwachstelle, dann ist es diese besagte Frau. Sie neigt zu einer wehleidigen Besserwisserei, die europäischen Lesern als typisch amerikanisch erscheinen mag, und die es schwierig macht, mit der Dame warm zu werden.

Andererseits: Wir müssen sie ja nicht heiraten. Der Roman zieht seine Spannung aus dem vertrackten Aufbau des Plots, der raffiniert mit Cliffhangern und unerwarteten Wendungen arbeitet. Wer behauptet, alle Entwicklungen der Handlung vorhergesehen zu haben, der lügt wahrscheinlich. Und zum Schluss, wenn ihr traumatischstes Geheimnis gelüftet ist, ist auch Kate eine Frau mit vielen Eigenschaften. Vielleicht nicht im herkömmlichen Sinne sympathisch, aber interessant genug, dass es ein bisschen schade ist, sie schon verlassen zu müssen, wo man sie gerade erst kennengelernt hat. Eine Fortsetzung wäre kein allzu abwegiger Wunsch.

-- ANe