Blogs at Amazon

Roman

Khaled Hosseini: Traumsammler

Traumsammler

Drei Romane, dreimal Afghanistan, dreimal Geschichten von suchenden und verlorenen Menschen. Khaled Hosseini gehört zu den Autoren, die sich immer wieder am selben Themenkomplex abarbeiten. Einer seiner Beweggründe ist von jeher klar: Er ist ein Mann mit einem Anliegen. Er will Afghanistan und insbesondere Kabul von den Schreckensmeldungen und Elendsbildern der internationalen Nachrichtenproduktion lösen. Das tut er nicht, indem er den Schrecken und das Elend schönredet, sondern es in historische Zusammenhänge setzt. Indem er von Menschen erzählt, die nicht einfach nur Täter oder Opfer sind, und auch vom facettenreichen kulturellen Leben vor Sowjet-Besatzung und Taliban-Herrschaft. Mit Traumsammler wird ein weiterer legitimer Beweggrund deutlich, sich immer wieder auf dasselbe Thema zu stürzen: Man schreibt und schreibt und schreibt, um zu verfeinern. Drachenläufer und Tausend strahlende Sonnen waren beeindruckende, atemlose und atemberaubende Geschichten, bei denen sich das Literarische dem Erzählten unterordnen musste. In Traumsammler wird nun die Erzählwut ein wenig gedrosselt, dafür hält eine größere erzählerische Finesse Einzug.

Mit drei Jahren wird das Mädchen Pari von ihrem notleidenden Vater an einen wohlhabenden Kabuler und seine exaltierte Dichter-Gattin verkauft. Ihr zehnjähriger Bruder Abdullah bleibt mit gebrochenem Herzen beim Vater auf dem Land. Pari kann sich bald an ihre frühe Kindheit nicht mehr erinnern. Sie geht mit ihrer Ziehmutter nach, nomen est omen, Paris. Sie wird zur Frau, überwirft sich mehrmals mit der Mutter, gründet eine eigene Familie. Letzteres tut Abdullah ebenso, ihm wird eine Tochter geboren, er nennt sie Pari. Die junge Pari ist eine von einigen Personen, die eine späte Wiedervereinigung der Geschwister herbeiführen könnte.

Wie in seinen ersten beiden Romanen schafft Hosseini es, eine hochemotionale Geschichte ohne falsche Sentimentalität zu erzählen, und ohne seine Figuren und Leser mit einem plumpen Happy End zu beleidigen. In erster Linie ist die Geschichte aber diesmal ein Gefäß für mehrere Geschichten, die episodenhaft wiedergegeben werden, munter zwischen Orten, Zeiten und Perspektiven springend. Hosseini trifft die feinen Tonänderungen, die bei jedem Perspektivwechsel nötig sind, perfekt. Trotz der breitgefächerten Handlung hat man nie den Eindruck, es mit stilistischem und narrativem Flickwerk zu tun haben. Traumsammler bleibt ein Roman, selbst wenn die Struktur an eine Novellensammlung mit wiederkehrenden Figuren und Motiven erinnert.  Die Beschreibungen von städtischen und ländlichen Umgebungen sind kitschlos poetisch, die Figuren sind nie nur das, was sie bei der ersten Begegnung zu sein scheinen. Ein großer Erzähler war Khaled Hosseini schon immer. Mit Traumsammler ist aus ihm auch ein großer Schriftsteller geworden.

-- ANe

Autor des Monats November: Karen McQuestion

Alles_was_man_braucht

 

 

Der November hat uns fest im Griff. Die Zeit der kurzen, grauen Tage beginnt. Das ist genau die richtige Zeit für lange Leseabende auf dem Sofa. Heute möchten wir Ihnen den Roman Alles, was man braucht von Karen Mc Question empfehlen. Die Autorin schickt darin ein Jahr lang drei sehr unterschiedliche Frauen auf die Suche nach sich selbst und dem Wesen der Liebe.

Sie interessieren sich auch für andere Autoren des Monats? Hier finden Sie unsere Auswahl für 2013.

--SMi

William Boyd: Solo

Solo

Filmisch geht es James Bond seit einigen Jahren wieder prächtig, aber literarisch scheint er in einer Identitätskrise zu stecken. Seit sich mit Raymond Benson 2002 der letzte festangestellte Bond-Romanautor verabschiedete, setzen die Rechteverwalter bei neuen Titeln auf Event-Charakter statt Kontinuität. So wird alle paar Jahre ein neuer Promi aus dem Hut gezaubert, der ein Buch nach eigener Fasson schreiben darf, ohne Rücksicht auf zuvor Geschehenes. 2008 blamierte sich Sebastian Faulks beim Versuch, mit der Stimme Ian Flemings zu sprechen. Jeffery Deaver gebar 2011 den Agenten gleich ganz neu, als moderne Figur in modernen Zeiten. Eine überraschend runde Sache, aus der gerne eine Serie hätte werden können. Nun allerdings ist mit William Boyd der nächste Gast-Starautor dran, der wieder sein eigenes Süppchen kocht und die Figur heim in die 60er holt. Das ist zwar schade um die verpasste Gelegenheit zu einer neuen Kontinuität. Ein Vergnügen ist Solo dennoch.

James Bond wird in das (fiktive) afrikanische Land Zanzarim berufen, um einen Despoten aus dem Weg zu schaffen und damit einen Bürgerkrieg zu beenden. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit einem Söldner, dem Bond nach Beendigung der Mission zwecks persönlicher Rache in die USA nachreist. Dabei muss er feststellen, dass in Afrika nicht alles war, was es gewesen zu sein schien.

Das Hauptaugenmerk liegt bei Boyd, wie bei Bond-Erfinder Ian Fleming, nicht auf überzeichneter Action, sondern auf der wendungsreichen Handlung und der lebendigen Schilderung der internationalen Schauplätze und des mondänen Lebensstils eines kosmopolitischen Schwerenöters. Dabei ist Solo ein Bond-Roman mit der Betonung auf Bond. Wir erleben Bond nicht nur als Abenteuerfigur, sondern auch als Liebenden (also nicht nur, wie zu erwarten, als Liebhaber), Mieter (seine Wohnung wird renoviert) und Zweifler (mit 45 fühlt er sich langsam zu alt für seine anspruchsvollen Aufgaben). Die Geschichte schreitet im angenehmen mittleren Tempo eines klassischen Spionagekrimis voran, ein Genre, das Boyd beherrscht. Genauso souverän beherrscht er die Beschreibung des Lebensgefühls im London der ausschwingenden 60er und der Zustände in afrikanischen Krisengebieten (Boyd wuchs in Ghana und Nigeria auf). Die Überraschungsversuche der Handlungswendungen sind unterschiedlich erfolgreich. Der scheinbare Verrat einer vertrauten Figur und ihre folgende Rehabilitierung sind ebenso sichere Bond-Bretter wie der anschließende Beischlaf zur Wiedergutmachung und der tragische Todesfall, der gerächt werden will. Auch wenn sie einem nicht vor Erstaunen die Sprache verschlagen: Dramaturgisch sind die Wendepunkte glänzend gesetzt und geben den Rhythmus für den bislang gelungensten Bond-Roman der Post-Benson-Ära vor.

-- ANe

Marisha Pessl: Die amerikanische Nacht

AmerikanischenachtÜberraschung gelungen: Marisha Pessl, das literarische Wunderkind von 2006, hat mit ihrem lang hinausgezögerten zweiten Roman Die amerikanische Nacht tatsächlich einen lupenreinen, waschechten, spülmaschinenfesten Schauerroman abgeliefert. Dass Vertreter der höheren Literatur mitunter von ihren Rössern hinabsteigen und, gern mit etwas gönnerhaftem Gestus, einen Abstecher in die vermeintlichen Niederungen der Genre-Literatur wagen, ist beileibe nichts Neues. Doch meist missbrauchen sie die Genre-Konventionen für literarische Fingerübungen und augenzwinkernde Meta-Spielchen. Nicht so Pessl: Ihr Roman hat keine Ambitionen über den Schauer hinaus, keinen doppelten Boden mit verstecktem Subtext. Zumindest nicht mehr, als ein anständiger Schauerroman haben sollte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der augenscheinliche Selbstmord von Ashley Cordova, Tochter von Stanislas Cordova, einem kultisch verehrten und extrem öffentlichkeitsscheuen Regisseur verstörender Filme, eine Art Mischung aus Dario Argento, Thomas Pynchon und Aleister Crowley. Ein Investigativjournalist nach dem Karriereknick, ein gescheiterter Musiker und eine verhinderte Schauspielerin glauben, dass hinter Ashleys Tod ein düsteres Geheimnis steckt. Sie stellen eigene Ermittlungen an, machen sich auf die Suche nach dem ominösen Vater.

Gestalterisch hebt sich Die amerikanische Nacht ein wenig vom Durchschnittsroman ab, denn der Text wird immer wieder unterbrochen von faksimilierten Dokumenten, etwa Zeitungsartikeln oder Webseiten. Letztendlich ist diese Form des Erzählens aber keine bedeutende Innovation gegenüber klassischen Brief- und Tagebuchromanen, spätestens seit Dracula ein beliebtes Stilmittel des Grusel-Genres. Neu ist allenfalls die liebevolle Durchgestaltung der fiktiven Dokumente. Nicht ganz zu Unrecht wirft das die Frage auf, ob die Autorin aufs Zeigen zurückgreifen muss, weil sie ihrem Erzählen nicht vertraut. Tatsächlich wirkt die Sprache mitunter verdächtig simpel, neigt gar zu schiefen Bildern und faulen Vergleichen. Man sollte das Marisha Pessl allerdings nicht ankreiden, sondern ihrem Talent zugutehalten: Hier spricht schließlich nicht sie selbst als allwissende und eloquente Erzählerin, sondern ein Ich-Erzähler, der nach allem, was wir von ihm wissen, nicht die hellste Leuchte im Schuppen ist. Der gelegentliche visuelle Ausbruch aus dem reinen Text mag nicht unbedingt notwendig sein, ist aber schlicht und einfach eine willkommene Abwechslung in einem Schmöker von 800 Seiten. Man hätte eher noch mehr davon Gebrauch machen dürfen, als ganz darauf zu verzichten.

Inhaltlich fährt Pessl das volle Grusel-Programm inklusive schwarzer Magie, Verschwörerzirkel und unheimlicher Anwesen auf. Kurz vor Schluss jedoch scheint es, als sei man doch nur einem literarischen Trick auf den Leim gegangen. Da tauchen plötzlich Lösungen auf, die weit vom Schlimmsten, was man sich vorgestellt hat, entfernt sind. Die tote Tochter, die verschwundenen Kinder, die Verbrennungsöfen – scheinbar gibt es nun Erklärungen, die zwar von menschlicher Tragik künden, aber nicht unbedingt von unmenschlichem Horror. Vielleicht wollte die Autorin dem Leser nur den Spiegel vorhalten, ihn als voyeuristisches, vorurteilsbehaftetes, nach größtmöglichem Elend gierendes Biest entlarven?

Doch nichts löst sich in eitel Sonnenschein auf. Mit nur wenigen geschickten Zügen wird das Geschehen zurückmanövriert ins Dunkle, Ungewisse, wo es für immer bleiben wird. Wer sein Heil in Auflösungen und Erklärungen sucht, wird mit einem anständigen Schauerroman nicht glücklich. Und Die amerikanische Nacht ist ein anständiger Schauerroman. Zum Glück.

-- ANe

Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes

Wahrheit

Olivier Passan ist ein typischer Grangé-Protagonist (man hat beim Lesen die Verfilmung mit Jean Reno schon vor Augen): Gezeugt von drogensüchtigen Hippies, geboren unter einer Buddha-Statue, unglückliche Odyssee durch mehrere Heime, Selbstfindung in Japan, aktuell im Pariser Polizeidienst. Dort jagt er den "Geburtshelfer", einen Serienmörder mit Vorliebe für schwangere Frauen. Ist sein Berufsleben schwierig, so ist sein Privatleben auch kein Zuckerschlecken. Er und seine Frau Naoko bereiten gerade die Scheidung vor. Als wäre das nicht schlimm genug, beginnt auch noch jemand, der Frau und den Kindern nachzustellen. Sie verdächtigt Olivier. Olivier verdächtigt den Geburtshelfer. Es kommt alles ganz anders.

Die Handlung von Die Wahrheit des Blutes beginnt in Paris und verlagert sich nach Japan, beides dankenswerte Szenarien für einen Recherche-Freak, Weltenbummler und famosen Ortsbeschreiber wie Grangé. Kleinere Ungenauigkeiten verzeiht man dabei gerne. Problematisch wird es allerdings, wenn der Autor die Einzelschicksale seiner Figuren zu Volksschicksalen verallgemeinert: „Naoko Akutagawa (…) hatte die ganz normale Hölle aller japanischen Kinder durchgestanden (…): Schläge mit dem Gürtel, eisige Duschen sowie Schlaf- und Nahrungsentzug.“ Dem Rezensenten sind mehrere japanische Erwachsene in Frau Akutagawas Alter bekannt, die diese „ganz normale Hölle aller japanischen Kinder“ irgendwie gar nicht mitbekommen haben.

Doch wenn man Die Wahrheit des Blutes nicht als repräsentative Studie über asiatische Kindererziehung liest, sondern als ausgedachten Unterhaltungsroman mit der Grangé-typischen, opernhaften Übertreibung in Ausdruck und Inhalt, dann liest man eine überraschend kunstvolle Verquickung von Psychodrama und Psychothriller, die in der Auslotung des Innenlebens ihrer Figuren eine Genauigkeit und Wahrhaftigkeit erreicht, die sie in ihren kulturellen Exkursen manchmal vermissen lässt. Darüber hinaus ist die Geschichte überaus originell strukturiert. Der Leser sollte kein Feind von Überraschungen sein.

-- ANe

Kontrovers diskutiert: Feuchtgebiete von Charlotte Roche

Viel wurde darFeuchtgebiete: Romanüber gesprochen, ob Feuchtgebiete verfilmbar sei, und viel mehr noch darüber, ob das Ergebnis jemand sehen wollen würde. Nun ist das kleine Wunder vollbracht, und der Film von David Wnendt nach dem Debütroman von Charlotte Roche startet heute in den Kinos.

Dem Regisseur scheint es den Medienkritiken nach dabei gelungen zu sein, genau die Elemente der Romanvorlage herauszuarbeiten, die im Original eher etwas unter der Oberfläche bleiben. Buch und Film zusammen bilden dadurch eine spannende Kombination.

Die Handlung: Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Sie wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der irren Hoffnung, die beiden könnten sich am Krankenbett der Tochter endlich versöhnen. Unterdessen nimmt sie jene Bereiche ihres Körpers unter die Lupe, die gewöhnlich als unmädchenhaft gelten, und lässt Krankenpfleger Robin die Stellen fotografieren, die sich ihrem neugierigen Blick entziehen.

Selbst wenn Helens Besessenheit eine Notoperation nötig werden lässt – ihr ungestümer Witz und ihre Wahrhaftigkeit machen sie zu einer Sensation nicht nur auf der Station des Krankenhauses. In Feuchtgebiete spricht sie aus, was andere nicht einmal zu denken wagen.

--MHo

 

 

Hannah Tunnicliffe: Autorengrüße aus Australien

Tunnicliffe_Brief_final

 

 

Für einen Autor ist es meist der schönste Moment, wenn sein Buch endlich beim Leser ankommt. Hannah Tunnicliffe sendet zum Erscheinen ihres Romans Der Duft von Tee zusätzlich persönliche Grüße an ihre deutschen Leser.

Tunnicliffes erster Roman nimmt Sie mit auf eine interessante Reise: Grace blickt voller Zuversicht in die Zukunft, als sie ihren Mann in ein neues Leben nach Macao begleitet. Doch kurz nach ihrer Ankunft erfährt sie, dass sich ihr Traum von einer eigenen Familie nicht erfüllen wird. In ihrem Schmerz besinnt sich Grace auf ihre Leidenschaft, das Backen, und eröffnet ein Café. Im Lillian’s serviert sie nicht nur Tee und raffinierte Macarons, sondern begegnet auch Menschen, die ihr Leben verändern …

Tee

--SMi

Nicht die Bohne - oder wie Figuren in einen Roman kommen

BohneEs gibt Autoren, die planen jede Zeile Monate im Voraus. Und es gibt Kristina Steffan und ihre Heldin Paula. Die beiden treffen sich gern spontan gegen Mitternacht vor dem heimischen Rechner der Autorin. Kristina Steffan lässt uns exklusiv in ihr Schreibtagebuch schauen, wo sie die Entstehung von Nicht die Bohne! festgehalten hat.

Januar: Neues Buch angefangen. Habe gar keine Zeit für ein neues Buch! Was soll das jetzt? Muss aufhören damit!

Januar: Neues Buch weitergeschrieben. Immer noch keine Zeit. Zeige mir permanent selber einen Vogel. Schreibzeit zwischen 23 und 2 Uhr nachts. Das ist wirklich kein Zustand.

Februar: Kann nicht mehr aufhören. Sehr ungünstig, weil nächtliche Schreibzeit wirklich ungesund. Protagonistin hat leider schon einen Namen: Paula Schmidt. Wenn sie Namen haben, wird es noch schwerer, das Dokument in die hinterste Ecke des Computers zu schieben. Aber ich muss aufhören damit!

März: Es tut mir so leid, Paula. Ich bin wirklich eine böse, hinterhältige Autorin mit extrem schlechten Absichten. Ungewollt vom Ex schwanger zu werden, ist schon richtig fies. Das Ganze in Kombination mit einer latenten Kinder-Abneigung und dann auch noch dem verlorenen Job ... Es tut mir leid. Konnte ja nicht ahnen, was dieses bohnenförmige Wesen in Paulas Gebärmutter so anrichtet. (Habe aufgehört, aufhören zu wollen. Es geht nicht. Die Geschichte muss geschrieben werden. Immer noch ungünstig. Muss ich halt tags mehr Kaffee trinken.)

März: Erste Augenringe sind zu vermelden. Dafür fluppt die Geschichte in die Tastatur. (Schreibe jetzt einfach weiter, frage mich immer noch: Was soll das und wo kommt das jetzt her? Und wer um alles in der Welt ist eigentlich Simon?)

März: Musste Simon auftauchen? Hätte ich Paula nicht einen netten, adretten Maschinenbauingenieur reinschreiben können? Musste es dieser muffelige Tischler sein, dessen Problem mir immer noch unbekannt ist? Nur dass er eins hat, ist klar.

Leider ist zu vermelden: Paula verliebt sich. In die Bohne mit Herzschlag. Und den muffeligen Tischer. Beides scheint unaufhaltbar voranzuschreiten.

Das Bohnen-Projekt läuft ...

--SMi

Jess Walter: Schöne Ruinen

RuinenSchöne Ruinen ist ein optimistischer Roman über das Scheitern. Der Titel geht zurück auf ein Zitat in einer Zeitschrift, das Richard Burton als "schöne Ruine" bezeichnete. Es könnte aber auch auf jede Figur des Romans zutreffen. Sie alle sind auf die eine oder andere Weise gescheitert: Als Schauspielerin, als Hotelier, als Musiker, als Schriftsteller, als Filmproduzent. Das heißt nicht, dass das Schicksal diese Menschen besiegt hätte. Ein verhinderter Schriftsteller kann ein guter Autoverkäufer werden. Eine Schauspielerin, die vergeblich auf den großen Durchbruch wartete, kann erfolgreich Schauspiel lehren. Ein Produzent kann nach der Filmkarriere immer noch schmuddeliges Reality-TV raushauen.

Wichtiger als die Frage nach der beruflichen Eignung ist doch die nach der Eignung als Mensch. Und da meint der Italiener Pasquale etwas vermurkst zu haben, als er 1962 die amerikanische Schauspielerin Dee Moray hatte ziehen lassen, die in seinem entlegenen Hotel untergetaucht war, unglücklich verliebt in und geschwängert von Richard Burton, der gerade in relativer Nähe Cleopatra drehte. Pasquale und Dee kommen einander menschlich nah, aber ihre eigenen Probleme stehen einer echten Romanze im Weg. Jahrzehnte später taucht Pasquale als alter, radebrechender Mann in Hollywood auf, um der Liebe noch eine Chance zu geben …

Man kann mit Schöne Ruinen anfangs hadern: Die Geschichte von der unglücklichen amerikanischen Schauspielerin im malerischen italienischen Seeort lässt sich an wie veredelte Chick-Lit, und die satirischen Seitenhiebe gegen Hollywood sind altbacken (altes Hollywood: hach, Frühstück bei Tiffany / neues Hollywood: würg, alles nur noch verfilmte Videospiele). Von Kapitel zu Kapitel allerdings wird deutlicher, was Jess Walter hier vorhat und warum die vermeintliche Schmonzette in den USA ein beträchtlicher Kritikerliebling war. Diese eine Geschichte ist in Wirklichkeit viele Geschichten. Mit der gleichen Sorgfalt, mit der die Geschichten von Dee und Pasquale erzählt werden, werden auch die der Menschen erzählt, die diese Geschichten beeinflussen. Und die Geschichten, die diese Geschichten beeinflussen. Das können die unmittelbaren Lebensgeschichten der Protagonisten des Buches sein, aber auch eine Kannibalenschnurre aus dem Wilden Westen, in der eine Romanfigur eine gute Drehbuchidee wittert, oder ein Auszug aus dem autobiografischen Kriegsroman, an dem eine andere Figur scheitert. Walters Kunst ist es, bei diesem großen Panorama immer den Überblick zu behalten, alles zu allem in Zusammenhang zu setzen und es durchgehend für den Leser interessant zu gestalten. Wer einmal gepackt ist, bleibt gepackt. Ganz egal, ob er eigentlich lieber über Kannibalen, Rockmusiker, italienische Fischer, amerikanische Autoverkäufer, Hollywood, Idaho oder Edinburgh liest.

Selbst auf den letzten Metern führt der Roman noch neue Figuren ein, bei denen man gerne etwas verweilt wäre. Aber dann wären aus über 400 Seiten möglicherweise über 800 Seiten geworden. Es spricht für Schöne Ruinen, dass einen das eigentlich nicht gestört hätte.

-- ANe

"Inferno" - der neue Roman von Dan Brown

Inferno

 

Lange mussten wir warten, heute ist es endlich so weit: Mit Inferno setzt Dan Brown seine Thriller-Reihe um den Symbolforscher Robert Langdon fort.

Nach Illuminati, Sakrileg und  Das verlorene Symbol wird Langdon erneut in einen geheimnisvollen Fall verwickelt. In Italien ist der Harvard-Professor diesmal einer Verschwörung um Dantes Literaturklassiker Göttliche Komödie auf der Spur.

--NGl