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Roman

Michael Connelly: Black Box

BlackboxSeit 20 Jahren lässt Michael Connelly Harry Bosch ermitteln, zur Feier umspannt sein neuester Fall genau diesen Zeitraum. Während der Unruhen in Los Angeles von 1992 wird eine dänische Journalistin erschossen. Der Fall wird verschleppt und als ungelöst zu den Akten gelegt. Detective Bosch jedoch, der damals abberufen wurde, mag ihn nicht vergessen und findet 2012 eine heiße Spur: die Tatwaffe. Zunehmend erhärtet sich der Verdacht, dass die Journalistin kein zufälliges Opfer der gewalttätigen Ausschreitungen war, und dass der Mord noch nicht einmal mit denen in Zusammenhang stand. Die Spur führt in den Zweiten Golfkrieg, wo sie als Kriegsreporterin unterwegs war.

Schreiberische Experimentierfreude ist sicherlich nicht das erste, was einem zu Michael Connelly einfällt. Umso erstaunlicher ist es, dass seine bislang 17 Bosch-Romane nie demselben Strickmuster folgen. Die Fälle sind mal vertrackt, mal schnurgerade, mal steht die Politik im Vordergrund, mal die Psychologie, einige Romane sind entspannte Krimis, andere mitreißende Thriller, vereinzelt kommt Action auf. Nach einem aufregendem Auftakt im historischen Los Angeles unmittelbar nach Rodney King strapaziert Black Box ein wenig die Geduld mit etwas zu viel Schreibtischarbeit, aber die unerwartete Entwicklung des Plots, die wohldosierten Einblicke in Boschs Privatleben mit Teenager-Tochter und Lebensgefährtin und das höchst dramatische Finale entschädigen mehr als großzügig für ein paar Durststrecken. Dass nicht jede Nebenhandlung ordentlich aufgelöst wird, liegt in der Natur einer Serie: dies ist nicht das letzte, was wir von Harry Bosch, seinen Freunden und Feinden lesen werden. Zum Glück.

-- ANe

Kôji Suzuki: Der Graben


GrabenManche Bücher möchte man vor ihrem Marketing in Schutz nehmen. Zwar ist nichts am Klappentext von Kôji Suzukis neuem Roman Der Graben sachlich falsch. Doch suggerieren reißerische Formulierungen und die kindischen Blutflecken auf dem Titel eine Art von oberflächlichem Schocker, von der ein Buch  kaum weiter entfernt sein könnte als dieses. Um einen Horrorroman handelt es sich durchaus. Allerdings um einen für Erwachsene, die sich nicht mehr vor Zombies und zähnefletschenden Monstern fürchten. Ein Roman für Leser, die erkannt haben, dass das einzige, wovor man Angst haben muss, der Verlust ist. Der Verlust der Liebe, der Sicherheit, der Gewissheit, der Gesundheit, letztendlich vielleicht der Existenz.

Die Journalistin Saeko hat schon einige Verluste hinter sich: Der Vater ist in ihrer Kindheit auf mysteriöse Weise verschwunden, der Ehemann mittlerweile ebenfalls, wenn auch unmysteriös durch Scheidung. Letzteres ist zu verkraften, Ersteres nagt noch immer an ihr. Dass sie gerade einen seltsamen Knoten in ihrer Brust ertastet hat, hellt ihre Stimmung ebenso wenig auf wie der neue Arbeitsauftrag: Für eine Fernsehsendung soll sie das plötzliche Verschwinden einer ganzen Familie untersuchen. Bald findet sie nicht nur Parallelen, sondern sogar konkrete Verbindungen zum Fall ihres Vaters. Außerdem scheint das Ganze verknüpft mit anderen seltsamen Phänomen: Verschwindenden Sternen in anderen Galaxien, Erderschütterungen, Logikaussetzern in mathematischen Gleichungen.

Steht das Ende der Welt bevor? Selbstverständlich, doch es kommt nicht als brüllendes Endzeit-Spektakel daher, sondern als intime, persönliche Geschichte, die Menschen wichtiger nimmt als Menschheit. Als „Japans Stephen King“ wird Kôji Suzuki von seinem deutschen Verlag angepriesen, was vielleicht angesichts seiner Popularität in der Heimat und seiner Sujets nicht ganz verkehrt ist. Bei diesem Roman allerdings fühlt man sich eher an einen anderen großen Amerikaner erinnert, nämlich Richard Powers mit seinen Protagonisten, die ihre Erlösung in der Wissenschaft suchen und schließlich mit Wittgenstein feststellen müssen, „dass, selbst wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.“ Das drohende Unheil in Der Graben wird durch zunehmende Erklärungen stets nur noch bedrohlicher und endgültiger. Jedes gelöste Rätsel macht den Blick aufs nächste, größere Mysterium frei. Die Wissenschaft schafft keine Sicherheiten, sondern macht Unsicherheiten zur Gewissheit. Der Mensch ist nicht nur allein im Universum, er ist auch allein mit dem Universum.

Das ist Literatur, die vom Leser ein wenig Mitarbeit verlangt. Das scheint nur fair angesichts der Arbeit, die sich der Autor gemacht hat. Der Roman und seine Figuren neigen zum Monologisieren übers Astronomische, Mathematische, Physikalische, Archäologische. Das Philosophische ist die logische Konsequenz daraus. Diese allerdings wird dem Leser überlassen. Der Graben liefert jede Menge Gedankenfutter, kaut es aber nicht vor. Fraglich bleibt, ob dieser feinsinnige Roman mit seiner grobschlächtigen Vermarktungsstrategie die Leser finden wird, die darin ein gefundenes Fressen sehen.

-- ANe

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Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

MurakamiTsukuru Tazaki lebt in Tokio und konstruiert Bahnhöfe. Doch er kann innerlich seiner Jugendzeit in Nagoya nicht entfliehen. Nachdem er seinen Heimatort verlassen hatte, wurde er von seinen vier besten Freunden plötzlich verstoßen. Auf Anraten seiner Bekannten und gelegentlichen Bettgefährtin Sara rafft sich Tazaki nach Jahren der Unsicherheit auf, den Grund für den damaligen Stimmungswechsel in seinem Freundeskreis zu erfahren. Seine Reise führt ihn erst zurück nach Nagoya, schließlich sogar nach Finnland.

Zwei Schlüsselsätze fallen in Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. Einer lautet: „Eine Persönlichkeit hat jeder, solange er lebt.“ Das klingt zunächst nach genau der Art von Binsenweisheit, für deren Verbreitung Murakami von Skeptikern am häufigsten kritisiert wird. Doch die Erkenntnis ist nicht so trivial und selbstverständlich, wie sie klingt. Murakami beweist das selbst mit einem Trick: Der Titel seines Romans führt den Leser auf Glatteis, wo er länger als nötig bleibt, aus eigenem Verschulden. Man liest schon auf der Titelseite, dass Herr Tazaki farblos sei und glaubt es prompt. Man glaubt es auch noch eine ganze Weile während der Lektüre. Dabei gibt es dafür überhaupt keine Anhaltspunkte. Der Titel, das wird früh erklärt, bezieht sich lediglich darauf, dass Tazaki in seiner Jugendclique der Einzige war, in dessen Namen keine Farbbezeichnung vorkam. Ansonsten ist er eine mitten aus dem Leben gegriffene Figur. Er hat seinen privaten Enthusiasmus zum Beruf gemacht, er ist kulturell in Maßen interessiert, ist sexuell und sportlich aktiv, nicht sonderlich gesellig aber auch kein pathologischer Einsiedler. Vielleicht keiner der großen literarischen Exzentriker, doch sicherlich kein Mann ohne Eigenschaften. Wenn dieser Tazaki farblos ist, dann sind es rund 99% der Menschheit ebenfalls.

Das Hauptthema des Romans ist die Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung durch andere. Tazaki findet seinen Seelenfrieden nicht dadurch, dass er erfährt, was den Bruch seines Freundeskreises ausgelöst hat (gleichwohl erfährt er es). Wichtiger ist, dass er erfährt, was er seinen Freunden bedeutet und bedeutet hat. Erst als er sich mit den Augen anderer sieht, begreift er, dass er nicht farblos ist.

„Eine Persönlichkeit hat jeder“ – ungefähr nach der Hälfte des Romans steht eine Anschuldigung im Raum, die hinzufügen lässt: vielleicht mehr als eine. Trotz rechtsstaatlicher Unschuldsvermutung und genereller Sympathie schwebt fortan der Schatten des Zweifels über Tsukuru Tazaki. Hat er, oder hat er nicht? Vieles spricht dafür, dass er nicht hat. Doch eine dunkle Seite wohnt der Figur allemal inne. Sind da nicht diese seltsamen, leicht aggressiven erotischen Träume? Ist nicht ein Freund spurlos verschwunden? Und was ist mit dieser heftigen Todessehnsucht in jungen Jahren? Die Ahnung, dass alles ganz anders sein könnte, ist bei Murakamis besten Romanen immer mit von der Partie, so auch hier.

Der zweite Schlüsselsatz ist eher ein Fragment: „Ähnlich, aber doch anders“, erklärt der Protagonist das Wesen von Japanern und Chinesen gegenüber zwei finnischen Kindern, die Probleme mit der Unterscheidung haben. Damit unterstreicht Murakami, der sich selbst eher als asiatischer denn japanischer Autor sieht, das Thema von Außenwahrnehmung vs. Selbstwahrnehmung und hebt es nebenbei noch auf eine politische Ebene. Vor allem aber beschreibt dieses Fragment hervorragend den Roman selbst: Er ist ähnlich wie andere Romane des Autors, aber doch anders. Die Figuren und die strenge erzählerische Struktur erinnern an das Frühwerk, das einigermaßen naturalistisch daherkam, ohne die konkreten Ausflüge in die Phantastik und assoziativen Verschachtelungen, welche die späteren Bestseller bestimmten. Das Irreale ist aber zumindest unterschwellig vorhanden, in Erzählungen innerhalb der Erzählung, in Träumen und in Handlungsfäden ohne Auflösung. So ist dieser Murakami ein typischer Murakami, ohne ein allzu typischer Murakami zu sein. Ähnlich, aber doch anders. So, wie es sein sollte.

-- ANe

Countdown: Preis der Leipziger Buchmesse

Heute nachmittag um 16 Uhr wird der Preis der Leipziger Buchmesse zum zehnten Mal verliehen. Wer geht als Sieger aus dem Rennen hervor, bei dem 136 Verlage insgesamt 410 Titel eingereicht haben?

Wir haben die 15 für den Preis nominierten Bücher aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch und Übersetzung nochmal für Sie aufgelistet:

Am Ende schmeißen wir mit Geld Angezogen das Geheimnis der Mode Buch des Fluesterns

 

 

 

 

 

Das Blutbuchenfest Das Hohe Haus Ein Jahr im Parlament Der Schatten des Fotografen Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki Europe Central Jacques der Fatalist und sein Herr

 

 

 

 

 

 

Vor dem Fest

Max Weber Ein Leben zwischen den Epochen     

 

 

Flut und Boden Vielleicht Esther 

 

 

 

Spielen Der Schatten des Fotografen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben Ihnen für die Zeit um den Valentinstag eine besonders schöne Auswahl an Romanen zusammengestellt. Stöbern Sie hier zwischen Krimis mit starken weiblichen Hauptcharakteren, wunderbaren Romanen, zuckersüßen Liebesgeschichten und Ratgebern fürs Herz.

 

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Nora Luttmer: Der letzte Tiger

TigerAuch in Vietnam schläft das Verbrechen nicht: Kaum ein Jahr nach seinem ersten niedergeschriebenen Fall muss Kommissar Ly wieder ermitteln. Sein Freund Truong wurde von seinem Kühlschrank per Stromschlag getötet, offiziell ein Unfall. Doch an die offizielle Version will Ly nicht glauben. Er findet bald Zusammenhänge zu dem Fall, der ihm eigentlich übertragen wird: Eine Tiger-Attacke mitten in Hanoi. Der Tiger gehörte zur Beute eines Schmuggler-Netzwerks, das Tiere für die Herstellung traditioneller Medizin verschleppt und verkauft – eine illegale Praxis. Mitschuldige findet der Kommissar jede Menge – doch wird er an die Drahtzieher herankommen und den Mord aufklären?

Der Cover-Slogan „Kommissar Ly ermittelt in Hanoi“ verkauft den Roman eigentlich unter Wert. Dank seines klapprigen Mopeds ermittelt Kommissar Ly auch in den Dörfern und in der Wildnis außerhalb der Stadt, wo Nora Luttmer die eindringlichsten Passagen von Der letzte Tiger ansiedelt. Das Thema zeugt von Sendungsbewusstsein, doch geht die Botschaft nie auf Kosten der Spannung. Der Plot ist schlüssig, flott erzählt, oft überraschend und vor allem besetzt mit glaubhaften Figuren, die sich nicht leicht in ein simples Gut/Böse-Schema pressen lassen. Selbstverständlich sind auch Lys problematische Familienverhältnisse wieder Thema: die etwas unterkühlte Beziehung zu seiner Frau, die nicht mehr ganz fitte Mutter, der brutale Schwager, das bockige Teenagertöchterchen. Es spricht nicht gegen sondern für den Roman, dass man davon gerne noch mehr gelesen hätte. Also auf ein nächstes Mal.

-- ANe

Die Mitternachtsrose - Neuerscheinung und Gruß von Lucinda Riley

Lucinda Riley begeistert mit ihren Romanen Der Lavendelgarten und Das Orchideenhaus eine wachsende Fan-Gemeinde.

Heute erscheint nun Die Mitternachtsrose

Für ihre Leserinnen und Leser hat Lucinda Riley einen kleinen Gruß:

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist mir eine große Freude, Ihnen meinen neuen Roman, „Die Mitternachtsrose“, vorstellen zu dürfen. Von allen Büchern, die ich bisher geschrieben habe, ist es mein liebstes, und auch die Figur der Anni liegt mir am Herzen wie sonst keine! Ich habe zwei Stunden geweint, nachdem ich die letzte Seite geschrieben hatte, denn ich war so eng verbunden mit den Schicksalen meiner Protagonisten, dass ich sie gar nicht ziehen lassen wollte. Nun gehören sie Ihnen, und ich hoffe, Sie mögen sie. Ich danke Ihnen aufrichtig, dass Sie mein Buch lesen. Ohne Sie alle wäre ich nichts.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

Lucinda Riley

Für immer Ella und Micha: Der neue Roman von Jessica Sorensens

Während Micha sich einen Traum erfüllt und mit seiner Band auf Tour geht, ist Ella ans College zurückgekehrt. Sie sehnt sich nach Micha, aber in letzter Zeit sind die gemeinsamen Momente selten geworden. Zugleich machen die Abgründe in ihrer Familie es Ella schwer, an ihr Glück zu glauben. Sie will Micha auf jeden Fall davor schützen, und eines Tages trifft sie eine radikale Entscheidung, die sie für immer von ihm entfernen könnte. Entdecken Sie einen spannenden Roman von Jessica Sorensen.

Zum Erscheinen ihres Buches schickt die Autorin Grüße an ihre deutschen Leser.

 

  EllaLiebe Leserinnen, liebe Leser,

ich liebe es die Figuren meiner Romane zu erfinden, denn sie sind einfach das Wichtigste für mich. Jede soll etwas ganz Besonderes sein und ihre eigene spannende Geschichte erzählen.

Im ersten Teil der Geschichte von Callie und Kayden, Die Sache mit Callie & Kayden, erzähle ich von der scheuen Callie,die niemandem traut und sich sofort übergeben muss, wenn ihre Gefühle zu intensiv werden. Seit sie an ihrem zwölften Geburtstag ein schreckliches Erlebnis hatte, hat sie sich stark verändert. Doch mit dem unnahbaren Kayden teilt sie ein Geheimnis und kann sich mit seiner Hilfe ihrer dunklen Vergangenheit stellen. Denn eigentlich weiß Callie genau, was sie will. Aber wird sie es auch wagen, ihre wahren Gefühle für Kayden zuzulassen?

Auch der dunkelhaarige Kayden trägt ein düsteres Geheimnis mit sich. Er lässt niemanden an sich heran. Am Ende des zweiten Bandes, in Die Liebe von Callie und Kayden, ist es seine große Liebe Callie, die ihm die Kraft gibt, sich selbst zu vertrauen. Calli

Wie Callie hat auch die hübsche Ella in Das Geheimnis von Ella und Micha Angst vor ihren Gefühlen. Sie hat große Schuldgefühle, weil ihre Mutter Selbstmord begangen hat. Doch Micha, mit seinen unglaublich blauen Augen, ist für Ella da. An seiner starken Schulter kommt sie über alles hinweg, was sie erleiden musste. Denn das was sie verbindet ist stärker als der Tod: Die Liebe.

Meine Figuren haben eines gemeinsam, denn sie erleben das großartigste Gefühl der Welt: Sie verlieben sich zum ersten Mal.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Entdecken von Ella & Micha und Callie & Kayden!

Eure Jessica Sorensen

 

 

--DVo

Martin Cruz Smith: Tatjana

TatjanaSeit 1981 lässt Martin Cruz Smith seinen Moskauer Polizisten Arkadi Renko in den zwielichtigeren Winkeln der russischen Gesellschaft ermitteln. Das hat seine Spuren hinterlassen: Inzwischen steckt eine Kugel in Renkos Kopf, die ihn bei zu viel Aufregung umbringen könnte. Dabei ist Aufregung wieder einmal programmiert. In Kaliningrad wird ein Dolmetscher ermordet. Er hinterlässt ein Notizbuch mit einem wirren Code, für den sich Gangster, Polizei und Presse gleichermaßen interessieren. In Moskau verschwindet die Leiche einer Journalistin, die angeblich Selbstmord begangen hat. Ebenfalls tot: Der Mafioso, mit dessen Sohn sich Renkos Ex nun vergnügt. Und dann hat der alte Ermittler auch noch Ärger mit seinem ungezogenen Ziehsohn, der unbedingt zum Militär will.

Martin Cruz Smith hat kürzlich bekanntgegeben, dass er seit geraumer Zeit an der Parkinson-Krankheit leidet und Tatjana nicht mehr komplett selbst tippen konnte, weshalb er große Teile des Manuskripts seiner Frau diktieren musste. Er habe seine Krankheit so lang wie möglich geheim gehalten, weil er nicht als „der Autor mit Parkinson“ gesehen werden wollte. Das ist verständlich, denn nun kann man tatsächlich nicht mehr anders, als sein neuestes Werk nach Auswirkungen der neuen Arbeitsweise abzutasten. Dabei fällt auf, dass Tatjana kompakter ist als andere Renko-Romane, aber keineswegs inhaltlich weniger komplex. Vermutlich handelt es sich sogar um Renkos komplexesten Fall seit langem.  Hier hängt wirklich alles mit allem zusammen; was als Sammlung loser Fäden beginnt, ergibt letztendlich ein festes, meisterlich gewobenes Geflecht. Wer diktiert, muss seine Gedanken stärker fokussieren als der, der frei in die Tasten haut. Vielleicht ist also die straffere Struktur, die dem Spannungsaufbau überaus guttut, der neuen Arbeitsweise geschuldet. Vielleicht ist Smith aber auch einfach ein Autor, der sich mit zunehmender Erfahrung zunehmend auf das Wesentliche konzentriert, zum Gewinn seiner Leser. Aufhalten lässt er sich von seiner Krankheit ebenso wenig wie Arkadi Renko von seiner Kugel im Kopf, der nächste Roman befindet sich bereits im Diktat. Wenn Tatjana ein Indikator ist, stehen uns Martin Cruz Smiths spannendste Arbeiten noch bevor.

-- ANe