Herr Duhigg, in Ihrem Buch Die Macht der Gewohnheit: Warum wir tun, was wir tun haben Sie sich intensiv mit "Gewohnheiten" aueinandergesetzt: Inwiefern haben sich Ihre eigenen Verhaltensweisen nach dem Schreiben des Buches geändert?Seit dem Beginn meiner Arbeit an diesem Buch habe ich ca. 30 Pfund abgenommen, ich jogge jeden zweiten Morgen (ich trainiere gerade für den New York Marathon) und ich bin viel produktiver als vorher. Und der Grund ist einzig der, dass ich gelernt habe, die Ursache meiner Gewohnheiten zu erkennen und Wege zu finden, wie ich sie ändern kann.
Nehmen Sie beispielsweise meine schlechte Angewohnheit, jeden Nachmittag einen Keks zu essen. Indem ich lernte meine Gewohnheit zu analysieren, fand ich heraus, dass ich eigentlich gar nicht wegen eines Chocolate Chip Cookie in die Cafeteria ging, sondern weil ich mich nach Gesellschaft sehnte – mit meinen Kollegen zu reden, während ich den Keks aß. Das war die wahre Belohnung meiner Gewohnheit. Und ihr Auslösereiz – der Grund, warum ich reflexartig aufstand und mich Richtung Cafeteria in Bewegung setzte – war eine bestimmte Tageszeit.
Also restrukturierte ich meine Gewohnheit: Jetzt stehe ich gegen 15.30 Uhr unwillkürlich auf, schaue mich im Raum nach jemandem zum Plaudern um, unterhalte mich etwa 10 Minuten lang über die Nachrichten des Tages. Ich denke mittlerweile nicht einmal mehr darüber nach. Es kommt ganz automatisch. Es ist eine Gewohnheit. Ich hab seit 6 Monaten keinen Keks mehr gegessen.
Was war für Sie die größte Überraschung im Zuge Ihrer Beschäftigung mit Gewohnheiten?Das Überraschendste, was ich während der Recherche für dieses Buch entdeckt habe, ist die Art und Weise, mit der Unternehmen sich die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zu Gewohnheiten zu Nutze machen, um unser Kaufverhalten zu analysieren – und zu beeinflussen.
Nehmen wir zu Beispiel Target, die riesige Einzelhandelskette. Target sammelt alle Daten, die es bekommen kann, und zwar von so vielen Käufern wie möglich; das schließt auch mit ein, ob man verheiratet ist und Kinder hat, wie viel Geld man verdient, ob man in letzter Zeit umgezogen ist, die Internetseiten, die man besucht hat … Und mit diesen Informationen versuchen sie zu bestimmen, welche Gewohnheiten ein individueller Kunde hat.
Warum? Weil Target weiß, dass es solche besonderen Momente gibt, wenn unsere Gewohnheiten ein wenig flexibler werden. Wenn wir ein Haus kaufen, oder heiraten, oder ein Kind geboren wird, zum Beispiel, ändern sich unsere Gewohnheiten. Aber herauszubekommen, wann jemand ein Haus kauft, heiratet oder ein Kind erwartet, ist schwierig.
Also beobachtet Target unsere Gewohnheiten, um zu sehen, ob sie die großen Eckpunkte in unserem Leben voraussagen können. Und sie machen das mit sehr, sehr viel Erfolg. Manchmal wissen sie besser über das Leben einzelner Kunden Bescheid als deren eigene Eltern.
--ABi