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Science Fiction

In Sachen "Perry Rhodan": Markus Heitz im Interview

Markus_Heitz Sehr passend zum 50-jährigen PERRY RHODAN-Jubiläum und dem WeltCon 2011-Kongress am 30.9.2011 feiert der vielfach preisgekrönte Autor Markus Heitz mit dem Gastroman Todesjagd auf Rhodan (Band 2615) seinen Einstand im Perryversum.

Das Kindle-Team hat Heitz einige Fragen gestellt:

Sie sind jetzt Gast-Autor bei Perry Rhodan, der ältesten SciFi-Serie der Welt. Eine spontane Fügung oder schon lange geplant?

 MH: Eine spontane Fügung, die wir ein bisschen vorher geplant haben.
Klaus hatte mich bereits ein-, zweimal angesprochen, aber mir fehlte ein bisschen die Zeit und der Mut, mich an die Materie heranzutasten. Früher habe ich Perry Rhodan gelesen, die dicken Sammelsilberbände, aber ich war nach alle den Jahren nicht mehr in der Serie heimisch.
Da ich wusste, dass es eingefleischte Fans gibt, die sich extrem gut in diesem Universum auskennen, ist die Gefahr für einen Gastautoren durchaus gegeben, sich den Unmut zuzuziehen, wenn der Gastroman nicht passt. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist.
Und es hat Spaß gemacht, in der Welt unterwegs zu sein, die man als Jugendlicher bereiste und Abenteuer mit verfolgte.

Wirklich gute Science Fiction erkennt man an…..

MH: ... dem Spaß, den die Autoren und die Leserschaft daran haben.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass sich Genres wie SciFi und Fantasy ungebrochener Beliebtheit erfreuen?

MH: Weil sie in fremde Welten entführen, in denen alles möglich ist. Das ist lustigerweise das Bindeglied zwischen den anscheinend so weit voneinander entfernten Genres. Wo selbst Physiker einräumen müssen, dass sie nicht wissen, ob die physikalischen Gesetze der Erde an jedem Ort des Universums gelten... Ist das spannend? Ich finde schon!  Perry_Rhodan_2615

Gibt es maßgebliche Menschen in Ihrem (Schriftsteller-) Leben?

MH: Da unterscheide ich mich nicht wesentlich von anderen. Es gibt Menschen, die in meinem Leben eine wichtige Rolle inne haben. Aber Vorbilder auf Schriftstellerebene habe ich keine.

Wie finden Sie es, dass es Ihre Bücher jetzt auch als eBooks zu lesen gibt?

MH: Es ist an der Zeit, mit der Zeit zu gehen und das elektronische Buch anzubieten. Zwar ist die Zahl der eBook-Leser noch sehr, sehr überschaubar, aber es ist ein Angebot an alle, die auf die neue Technik setzen. Früher oder später werden es mehr werden, je nach Preis der eReader und Verfügbarkeit. Ich vergleiche das gerne mit den Handys: von der Luxusware zum Massenprodukt.

Wir sind gespannt auf Ihr nächstes Projekt. Verraten Sie uns mehr?

MH: Aktuell sitze ich an der Überarbeitung eines Horrorromans, der im Mai bei Droemer/Knaur erscheint. Titel und Inhalt sind noch geheim.
Dazu habe ich mir was Besonderes einfallen lassen: musikalische Hinweise, zu finden bei MySpace, unter dem Namen THE_MAHET'S. Ich habe kleinere Songs entworfen, welche die Phantasie anregen und einen Vorgeschmack auf das Buch geben sollen. Ist mal was anderes, dachte ich mir. Für "meinen" Perry Rhodan kam es zu spät, sonst hätte ich auch noch was dazu gezaubert.

Perry-Kopf_72dpi-300x287Mehr über den Autor und Bücher, die von Markus Heitz als eBooks erschienen sind, finden Sie auf seiner Autorenseite bei Amazon.de.

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-- BHa

Willkommen auf Kindle, Major PERRY RHODAN!

„Flammenspeere durchzucken die Nacht, als die STARDUST inmitten einer Feuersäule abhebt und die Erde hinter sich lässt. Ihr Ziel ist der Mond. Chefpilot und Expeditionsleiter der STARDUST ist ein Major der US Space Force. Sein Name: PERRY RHODAN.“

Perry_Rhodan Wir freuen uns, dass jetzt erste 170 Perry Rhodan Bände auf Kindle zu lesen sind.

Seit ihrem Start Anfang der 60iger Jahre, ist diese Reihe das Synonym für Science Fiction in Deutschland. Getragen vom ungebrochenen Fortschrittsglauben der Zeit brechen Perry Rhodan und seine Freunde auf zum Mond und entdecken fremde Rassen (Arkondiden, Individualverformer, Cappins …), Maschinenwesen, unerhörte Technologien und Lichtjahre entfernte Galaxien. Sie finden dort Freunde und  (damit es spannend bleibt) sehr viel mehr erbitterte, unmenschliche Feinde. In vielen tausend Einzelbänden, in Heftchen und Taschenbüchern entwickeln sich parallele Erzählstränge und Nebenwelten, alle charakterisiert durch die vom Format vorgegebenen charakteristischen kurzen Spannungsbögen. Action steht neben detailverliebtem Ausgestalten von interstellaren Raumschiffen und verleiht den einzelnen Erzählzyklen, die sich über Tausende Jahre entwickeln, ihren einzigartigen Reiz, der den Serien auch den Sprung in die Herzen vieler Fans außerhalb Deutschlands ermöglichte. Übersetzungen und Adaptionen in vielen Ländern waren die Folge.

Jetzt auf Kindle z.B. Silberband 21 - Straße nach Andromeda, der Start des beliebten "Meister der Insel"-Zyklus, Silberband 94, der Start in den Bardioc Zyklus oder Band 2600, der Start in den neuen Zyklus.

Oder auch die ersten 50 Heftromane in einem Komplett-Band mit Perry Rhodan - Zyklus 1: Die Dritte Macht, in dem die Terraner mit Hilfe von auf dem Mond gestrandeten uralten Sternfahrern die Grenzen nationaler Politik und Denkweisen überwinden. Zu naiv? Ja, aber sympathisch und spannend.

-- CSc

Als das Jahr 2006 noch Zukunft war: William Gibsons Idoru-Trilogie

Idoru Der kanadische Schriftsteller William Gibson hat in den knapp 30 Jahren seiner Karriere einen erstaunlichen, aber letztendlich nur konsequenten Wandel vom Science-Fiction-Erneuerer zu einem der wichtigsten englischsprachigen Gegenwartsautoren frei von allen Genre-Stigmata vollzogen. Ständig innovativ, technologisch, soziologisch und kulturell immer auf der Höhe der Zeit – es ist eine seltsame Vorstellung, dass der 63-jährige rein rechnerisch kein Junger Wilder mehr ist.

Ein bisschen in Vergessenheit geraten ist heute, völlig zu Unrecht, der mittlere Teil seines bisherigen Schaffens, der eine Art Bindeglied zwischen den Cyberpunk-Romanen der Neuromancer-Trilogie und den literarischen Techno-Thrillern der letzten Jahre darstellt. Dabei müssen sich die Romane Virtuelles Licht, Idoru und Futurematic, die jetzt als Die Idoru Trilogie gesammelt neu aufgelegt wurden, keinesfalls hinter Gibsons alten Klassikern und neuen Bestsellern verstecken.

Ganz im Gegenteil. Insbesondere Idoru, den zweiten Roman im Sammelband, möchte man mit Superlativen nur so überschütten. Es ist nicht nur Gibsons bis dato bester Roman, es ist überhaupt einer der besten Science-Fiction-Romane der Neunziger, einer der besten Tokio-Romane der Neunziger, generell einer der besten englischsprachigen Romane der Neunziger, und eigentlich könnte man den Zeit- und Sprachraum auch noch ausweiten. Ist Gibsons allseits verehrtes Debüt Neuromancer vielleicht ein klitzekleines bisschen überschätzt, so wird Idoru ständig in inakzeptablem Maße unterschätzt. Im Zentrum der Handlung steht ein alternder westlicher Rockstar, der es sich in den Kopf gesetzt hat, ein virtuelles japanisches Popidol zu heiraten (idoru ist die japanische Entsprechung des englischen Wortes idol). Eigentlich geht es aber um die Geschichten der Menschen, deren Leben aus unterschiedlichen Gründen um das freudige Ereignis kreisen, zum Beispiel besorgte Fanclub-Mitglieder, Sicherheitspersonal, Datenspione, Schmuggler, Hacker und die russische Mafia. Figuren, die einem nahegehen und einen nach der Lektüre noch lange begleiten (sonst nicht die Stärke dieses Autoren), in einem berauschenden Szenario aus weitergedachter urbaner Wirklichkeit und digitalem Märchenwald.

Manches an der Oberfläche der drei Romane wirkt charmant veraltet, aber das ist kein Beinbruch. Science Fiction war noch nie gut darin, die Zukunft vorauszusagen. Die Vorstellung von virtueller Realität, die mit Datenhelmen und -handschuhen erlebbar ist, scheint heute genauso „herrlich Neunziger-Jahre-mäßig“ wie die Vorstellung von punkigen Fahrradkurieren als hippe Helden. Ganz zu schweigen davon, dass sich das mobile Faxgerät dann doch nicht durchgesetzt hat. Aber das, was zwischen den Zeilen steht, bleibt frappierend aktuell, etwa die Kritik an der Gentrifizierung alternativer Lebensräume oder die amerikanische Ur-Angst, dass die Asiaten bald alles übernehmen. Im Laufe der Jahre hat sich lediglich ein paarmal die Vorstellung verschoben, welche Asiaten genau das sein werden.

Idoru und der Vorgänger Virtuelles Licht, eine unterhaltsame und kluge Mischung aus Science Fiction und Noir-Detektivgeschichte,  haben in der Peripherie zwar ein paar Figuren und Motive gemein, können aber als eigenständige Werke gelesen werden. Mit dem Abschlussband Futurematic ist das schwieriger. Wie es sich für ein großes Finale gehört, kommen hier alle noch einmal auf die Bühne. Die Handlung spielt in San Francisco (Hauptspielort von Virtuelles Licht), Tokio (Idoru) und in zahlreichen virtuellen Welten. Nichts Geringeres als das Ende der Welt, wie wir sie kennen, steht bevor, aber wie das genau aussehen wird, und was unsere Protagonisten damit zu tun haben, ist selbst bei bester Kenntnis der vorangegangenen Romane schwer zu entwirren. Gibson wird häufig vorgeworfen, und dies nicht ganz zu Unrecht, er stopfe viel zu viele Ereignisse und viel zu wenige Erklärungen in seine Romane. Bei Futurematic stimmt das definitiv, aber dem Lesevergnügen muss das nicht komplett abträglich sein. Verständlichkeit wird in der Literatur und anderen Künsten eh überbewertet. Futurematic ist ein einziges Chaos, aber es ist ein wunderschönes Chaos. Einfach jeden Widerstand aufgeben und mitreißen lassen.

-- ANe

Zukunftsgeschichten über die Gegenwart: „Biokrieg“ von Paolo Bacigalupi

Biokrieg Gute Science Fiction handelt von der Gegenwart. Und gute Science Fiction ist in erster Linie gute Fiction. Beides demonstriert Paolo Bacigalupi in seinem Romandebüt Biokrieg so eindrucksvoll, dass es dafür prompt den Hugo und den Nebula Award gab, die beiden höchsten Auszeichnungen des Genres. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die literarische Welt außerhalb der Zielgruppe von Bacigalupis Talent Notiz nimmt, wurde doch sein zweiter Roman Ship Breaker (englisch) bereits für den über Genregrenzen hinaus renommierten National Book Award nominiert.

In Biokrieg schildert der amerikanische Autor eine Welt, in der sich die Zivilisation dank Umweltsünden und aus dem Ruder gelaufener Gentechnik weitgehend abgeschafft hat. Nur in Thailand, das sich von der internationalen Gemeinschaft rigoros abgeschottet hat, gibt es noch unverseuchte Nahrung und rudimentäre Technik, zum Beispiel Kurbel-Computer. Nach Bangkok hat es vier Menschen verschlagen, deren Lebenswege sich in einer spiralartig erzählten Geschichte immer näher kommen, bis sie hochdramatisch in einem Punkt zusammenlaufen: Ein vorgeblicher Fabrikleiter mit geheimen Plänen, ein Flüchtling auf der Suche nach einer Zukunft, eine idealistische Angestellte des Umweltministeriums und ein zum Dienen geschaffenes Kunstwesen, das sich von seiner devoten Konditionierung emanzipieren muss.

Bacigalupis Figuren sind psychologisch komplex, sein Weltentwurf ist originell und konsistent. Die Handlung des Romans entspringt den Handlungen der Figuren, ist nicht angewiesen auf gimmickhafte Zufälle. Es geht dem Autor darum, das Sittengemälde einer Gesellschaft zu malen, die von unserer nicht weit entfernt ist. Die Menschen können sich darin nur auf sich selbst und im Idealfall aufeinander verlassen. Korrupten Behörden und der nebulösen Regierung ist ebenso wenig zu trauen wie den Heilsversprechen der Religionen, sowohl denen der buddhistischen Leitkultur, wie auch denen der radikalen christlichen Sektierer, die von außen ins Land einfallen und sich nicht integrieren mögen. Abenteuerliche Fluchten und knochenkrachende Action beherrscht Bacigalupi, muss davon aber nur selten Gebrauch machen. Das Abenteuerliche ist nur ein Aspekt von Biokrieg, der mit seinen Sozialdramen und seinen entwurzelten Charakteren mehr von Charles Dickens und Casablanca hat als von konventioneller Genreliteratur. Nur dass Charles Dickens keine Science Fiction geschrieben hat, und dass in Casablanca keine mutierten Elefanten und Katzen rumlaufen.

--ANe