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Science Fiction

Ernest Cline: Ready Player One

ReadyErnest Cline, Autor von Ready Player One, braucht es gar nicht zu leugnen: Er ist Nostalgiker. Schlimmer noch: 80er-Jahre-Nostalgiker. Er schrieb das Drehbuch zur Star-Wars-Fandom-Klamotte Fanboys und ist schamlos stolzer Besitzer eines 82er DeLorean (Sie wissen schon, Flux-Kompensator). Nicht weiter verwunderlich, dass auch sein Debütroman tief verwurzelt ist in der Popkultur seines Lieblingsjahrzehnts – obwohl die Handlung rund 60 Jahre später spielt.

Im Jahr 2044 haben Kriege, Terror, Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen die wirkliche Welt unwirtlich gemacht. Deshalb flüchten sich die Menschen mit ihren Avataren lieber in die OASIS, eine gigantische virtuelle Welt für Beruf, Schule und Freizeit. Erschaffen wurde sie einst vom zwischenzeitlich verstorbenen Multimilliardär James Halliday, eine Art Mischung aus George Lucas und Bill Gates. Der hatte in seine Schöpfung ein Easter Egg eingebaut, also einen geheimen Bereich, wie Software-Entwickler ihn gerne als kleines Schmankerl für besonders findige Nutzer in ihre Werke integrieren. Der Clou am Clou: Wer das Easter Egg findet, erbt Hallidays gesamtes Vermögen. Seit Jahr und Tag beißt sich daran die ganze OASIS-Bevölkerung die Zähne aus, bis der junge Tunichtgut Wade Watts den ersten handfesten Hinweis findet. Halliday war, wie Wade, ein 80er-Jahre-Freak, und der Weg zu seinem Vermögen führt durch allerlei Filmzitate, historische Computerspiele und Schweinerockmusik.

Als bekannt wird, dass Wade dem Geheimnis auf der Spur ist, heften sich die jetzigen Betreiber von Hallidays alter Firma an seine Fersen. Um an das Vermögen zu kommen, schrecken sie vor keiner Untat zurück, nicht in der virtuellen und nicht in der wirklichen Welt. Aber um Wade, seinen besten Freund Aech und die Star-Bloggerin Art3mis formiert sich eine kleine Gruppe von Rebellen, die dem bösen Imperium gegen alle Chancen ordentlich Widerstand leisten wollen. 

Glücklicherweise ist Ready Player One keines dieser „Hach, Nutella!“-Nostalgiebücher geworden, sondern ein strukturell, stilistisch und inhaltlich überzeugendes Science-Fiction-Heldenepos mit einem schlüssigen Weltentwurf, unterscheidbaren Figuren und einer Geschichte, die bei aller Anspielungsfreude ihre Spannung in erster Linie aus sich selbst bezieht. Cline macht das Abstrakte meisterhaft dinglich; man vergisst im Nu, dass viele (nicht alle) der Gefahren nur das virtuelle Leben gefährden, und dass statt mit Schwertern und Schusswaffen eher mit Tasten und Joysticks gekämpft wird (virtuellen Tasten und Joysticks, denn das Buch spielt oft mit dem Spiel im Spiel). Löblich ist auch, dass der Autor beim Durchdeklinieren des 80er-Jahre-Trivialwissens nicht nur Amerika im Kopf hat, sondern ebenso japanische Riesenmonster und britische Komödianten zu Ehren kommen. Will man überhaupt einen Makel an Ready Player One finden, dann ist es wohl der, dass Cline keine Möglichkeit seines Stoffes ungenutzt lassen will und damit manche verschenkt. Der Einfallsreichtum ist schlichtweg so groß, dass zwischen Weltraumoper, Fantasy-Abenteuer, Jugendromanze und orwellscher Arbeitswelt-Satire der eine oder andere Einfall zu kurz kommt. Einigen Nebenfiguren wünscht man etwas mehr Raum zur Entfaltung, manchmal wird etwas zu beiläufig über Leichen gegangen, einige Konzepte sind so erklärungsbedürftig, dass sich insbesondere in der Frühphase manch Passage wie eine (immerhin amüsante) Gebrauchsanleitung liest. Dabei verletzt das eines der obersten Nerd-Prinzipien: Gebrauchsanleitungen sind für Weicheier!

Wer aber fest in der Zielgruppe verankert ist, kann dies als Erbsenzählerei abtun und sich freuen an einer cleveren Variante der klassischen Geschichte vom ewigen Kampf zwischen coolen Underdogs und uncoolen Kapitalisten. Und wer mit John-Hughes-Filmen und Textadventures aufwachsen musste, wird sich auch das eine oder andere nostalgische Magenflattern nicht verkneifen können. Das ist vertretbar, weil es eben nicht das einzige ist, was Ready Player One zu einem zukünftigen Klassiker der Geek-Literatur macht, der fortan wie Per Anhalter durch die Galaxis oder Der Herr der Ringe von Geek-Generation zu Geek-Generation weitergereicht werden wird.

 -- ANe

STAR WARS jetzt auf Kindle

Star WarsWir freuen uns, dass das große Weltraumabenteuer STAR WARS - die monumentale epische Saga - jetzt auf Kindle im eBook Format erhältlich ist, so z. B. Star Wars - Episode IV: Krieg der Sterne - Roman nach dem Drehbuch von Georg Lucas und fast 100 weitere Star Wars-Geschichten.

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie

Mit diesen Worten fing damals ein Sci-Fi Epos der Spitzenklasse an, das auch heute noch viele Menschen rund um die Welt begeistert und eine riesige Anhängerschaft aufweist. Eine riesige Galaxie voller Aliens, Helden, Schurken und Raumschiffen. Alles fing mit dem Kampf der heldenhaften Rebellenallianz gegen das übermächtige Imperium am 25.5.1977 (US Kinostart) an und wuchs mittlerweile um mehrere Filme, Comicserien, hunderte von Büchern, Trading Cards, Rollenspielen und sonstiger Merchandise an. Autoren wie Rebecca Moesta, Kevin J. Anderson und Timothy Zahn sind nur einige der bekannten Namen, die mit ihren Meisterwerken in dieser gewaltigen Galaxie Beiträge geleistet haben.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit sieben Jahren das erste Mal den Anfang der Krieg der Sterne Triologie gesehen hatte. Damals hieß es noch Krieg der Sterne und der Originaltitel Star Wars wurde eigentlich nie verwendet. Wir waren zu der Zeit in einem Urlaubsappartment an der Nordsee und hatten den ganzen Tag über Krabben gepult, als meine Mutter das Video in den Videorekorder schob, um uns drei Kinder zu bändigen. Ich weiss nicht ob sie damals wusste, was sie damit bei mir anrichtete…
Die fantastische und spannende Geschichte fesselte mich als kleinen Jungen sofort, und so wurden alle drei Teile sofort zu meinen Lieblingsfilmen. Ein Buchreferat eines Mitschülers in der fünften Klasse über das Buch Erben des Imperiums aus der Thrawn Triologie von Timothy Zahn entfachte meine Leidenschaft erneut, und ich kaufte mir die ersten Star Wars Bücher seit ich damals vom Fieber angesteckt worden war. Leider gab es damals noch kaum deutsche Star Wars Bücher, und so freute ich mich gewaltig, als ich in einer Buchhandlung in Hannover die ersten englischen Bände von Young Jedi Knights fand, die speziell auf junge Leser zugeschnitten waren. Genau das Richtige für einen deutschen Schüler, der erst seit ein paar Monate Englisch Unterricht genossen hatte. Dies war erst der Anfang meiner Sammlung, die mittlerweile über hundert Bücher aufweist, und ich verschlang sofort jedes Star Wars Buch, das mir in die Hände fiel. Immer wieder verstanden es die verschiedensten Autoren mich auf eine neue Reise in das gewaltige Universum von Star Wars zu entführen, in dem alle Geschichten ineinander stimmig sind oder auf eine Vorgeschichte aufbauen.

Bei der Masse an Büchern ist es natürlich nicht verwunderlich, dass es einerseits sehr gute Bücher, aber eben auch mittlermässige gibt, die dennoch als „leichtes“ Zwischendurch durchaus die Langeweile vertreiben können. Es gibt einige sehr interessante in sich abgeschlossene Reihen im Star Wars Universum, in denen neue Charaktere vorkommen, die Ihre einzelnen, manchmal auch nur kleinen, Rollen in der gesamten Geschichte zu spielen hatten. Meine absoluten Lieblinge unter all den Reihen sind einerseits die X-Wing Reihe, die sich einmal mit den Piloten der Rebellenallianz/Neuen Republik beschäftigt und nicht nur mit den „Haupthelden“ wie Leia, Luke oder Han. Auch die Thrawn Trilogie von Timothy Zahn oder die Young Jedi Knights Reihe kann ich wärmstens empfehlen. 

In all der Zeit war es immer bedauerlich, dass es zwar viele neue Bücher gab, diese aber nur sehr langsam in das Deutsche übersetzt wurden bzw. dann später einfach nicht als eBook erschienen. Auf der einen Seite konnte ich so zwar sehr gut mein Englisch üben, allerdings ist das riesige Bücherregal im Keller eher platzfressend und bei den vielen „zerlesenen“ Exemplaren auch keine Augenweide mehr. Obwohl die meisten dieser Bücher jetzt als eBooks erscheinen, werde ich hier wohl keinen Austausch vornehmen und die alten Exemplare in ihrem Regal lassen. Neuerscheinungen hingegen, oder Bücher die ich bisher nicht kaufen konnte, werden auf meinem Kindle Platz nehmen und nicht auf einem völlig überladenen Bücherregal.

Hier geht es zu allen STAR WARS Büchern für den Kindle.

-- SWa

Cory Doctorow: For The Win

ForthewinDer kanadische Autor und Journalist Cory Doctorow ist als Internet-Aktivist derart umtriebig, dass es Wunder nimmt, dass er überhaupt noch dazu kommt Bücher zu schreiben. Aber das tut er, und zwar sehr rege, und mitunter auch sehr dicke. Wie zum Beispiel For The Win (auf Kindle natürlich kein bisschen dick). Darin geht es mal wieder um Doctorows Lieblingsthemen: das Internet und die Rechte. Allerdings geht es diesmal nicht um Rechte von Urhebern, sondern um die Rechte von Arbeitern. Genauer um die Rechte von Goldfarmern, also Online-Spieler, die im Auftrag von größeren und kleineren Firmen in virtuellen Welten virtuelle Güter horten um sie an ungeduldige aber kaufkräftige Spieler für reales Geld zu verkaufen. Einige der Farmer werden mit ihren Arbeitsverhältnissen zunehmend unzufrieden und vernetzen ihre Proteste. Der virtuelle Aufstand hat bald gefährliche Auswirkungen in der realen Welt: Die Spieler in den USA, China, Indien und Singapur sehen sich nicht nur mit den IT-Spezialisten der Spielkonzerne konfrontiert, sondern auch mit kriminellen Schlägerbanden und der gewaltbereiten Polizei.

Doctorow zieht in seiner undatierten, aber wohl nicht in allzu ferner Zukunft angesiedelten Geschichte überzeugende Parallelen zwischen dem jungen Phänomen der Goldfarmer und den klassischen Ausbeutungsverhältnissen in vielen asiatischen Textilfabriken und anderen Exportbetrieben. Anschaulich erläutert er wirtschaftliche Zusammenhänge und Kreisläufe und macht nie einen Hehl aus seiner Parteilichkeit. Löblicherweise geraten die Exkurse nur selten mit dem Spannungsbogen in Konflikt, und bei aller Agitation ist For The Win keine naive Gewerkschaftsverherrlichung (wie es dem Roman vereinzelt vorgeworfen wurde). Die Arbeiter der Welt sollen sich vereinigen, allerdings in neuen, den Zeiten angemessenen Strukturen. Opas Gewerkschaft hat hier nur einen kurzen Gastauftritt als lernunfähiger, schon halb versteinerter Dinosaurier.

For The Win ist offiziell ein Jugendbuch, aber es gibt keinen schwerwiegenden Grund, warum man nicht auch als Erwachsener seine Nase reinstecken sollte. Einem bestimmten Typ von Erwachsenen könnte allenfalls der Kopf vom exzessiven (aber realistischen) Gebrauch der Gamer-Fachterminologie schwirren. Wenn man Computer-Spiele nur aus der Panikberichterstattung der Boulevardmedien kennt, versteht man trotz des vorhandenen Glossars wahrscheinlich weniger als Bahnhof in dieser Welt mit ihren NPCs und mechanischen Türken in Dungeons voller gedroppter Items. Wer aber in dieser Welt zumindest vorübergehend schon mal zu Gast war, sollte keine Verständnisschwierigkeiten fürchten und seine helle Freude haben an einem intelligenten, politischen und vor allem spannenden Abenteuerroman.

-- ANe

In Sachen "Perry Rhodan": Markus Heitz im Interview

Markus_Heitz Sehr passend zum 50-jährigen PERRY RHODAN-Jubiläum und dem WeltCon 2011-Kongress am 30.9.2011 feiert der vielfach preisgekrönte Autor Markus Heitz mit dem Gastroman Todesjagd auf Rhodan (Band 2615) seinen Einstand im Perryversum.

Das Kindle-Team hat Heitz einige Fragen gestellt:

Sie sind jetzt Gast-Autor bei Perry Rhodan, der ältesten SciFi-Serie der Welt. Eine spontane Fügung oder schon lange geplant?

 MH: Eine spontane Fügung, die wir ein bisschen vorher geplant haben.
Klaus hatte mich bereits ein-, zweimal angesprochen, aber mir fehlte ein bisschen die Zeit und der Mut, mich an die Materie heranzutasten. Früher habe ich Perry Rhodan gelesen, die dicken Sammelsilberbände, aber ich war nach alle den Jahren nicht mehr in der Serie heimisch.
Da ich wusste, dass es eingefleischte Fans gibt, die sich extrem gut in diesem Universum auskennen, ist die Gefahr für einen Gastautoren durchaus gegeben, sich den Unmut zuzuziehen, wenn der Gastroman nicht passt. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist.
Und es hat Spaß gemacht, in der Welt unterwegs zu sein, die man als Jugendlicher bereiste und Abenteuer mit verfolgte.

Wirklich gute Science Fiction erkennt man an…..

MH: ... dem Spaß, den die Autoren und die Leserschaft daran haben.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass sich Genres wie SciFi und Fantasy ungebrochener Beliebtheit erfreuen?

MH: Weil sie in fremde Welten entführen, in denen alles möglich ist. Das ist lustigerweise das Bindeglied zwischen den anscheinend so weit voneinander entfernten Genres. Wo selbst Physiker einräumen müssen, dass sie nicht wissen, ob die physikalischen Gesetze der Erde an jedem Ort des Universums gelten... Ist das spannend? Ich finde schon!  Perry_Rhodan_2615

Gibt es maßgebliche Menschen in Ihrem (Schriftsteller-) Leben?

MH: Da unterscheide ich mich nicht wesentlich von anderen. Es gibt Menschen, die in meinem Leben eine wichtige Rolle inne haben. Aber Vorbilder auf Schriftstellerebene habe ich keine.

Wie finden Sie es, dass es Ihre Bücher jetzt auch als eBooks zu lesen gibt?

MH: Es ist an der Zeit, mit der Zeit zu gehen und das elektronische Buch anzubieten. Zwar ist die Zahl der eBook-Leser noch sehr, sehr überschaubar, aber es ist ein Angebot an alle, die auf die neue Technik setzen. Früher oder später werden es mehr werden, je nach Preis der eReader und Verfügbarkeit. Ich vergleiche das gerne mit den Handys: von der Luxusware zum Massenprodukt.

Wir sind gespannt auf Ihr nächstes Projekt. Verraten Sie uns mehr?

MH: Aktuell sitze ich an der Überarbeitung eines Horrorromans, der im Mai bei Droemer/Knaur erscheint. Titel und Inhalt sind noch geheim.
Dazu habe ich mir was Besonderes einfallen lassen: musikalische Hinweise, zu finden bei MySpace, unter dem Namen THE_MAHET'S. Ich habe kleinere Songs entworfen, welche die Phantasie anregen und einen Vorgeschmack auf das Buch geben sollen. Ist mal was anderes, dachte ich mir. Für "meinen" Perry Rhodan kam es zu spät, sonst hätte ich auch noch was dazu gezaubert.

Perry-Kopf_72dpi-300x287Mehr über den Autor und Bücher, die von Markus Heitz als eBooks erschienen sind, finden Sie auf seiner Autorenseite bei Amazon.de.

Hier geht's zum Perry Rhodan Special im Kindle-Shop.

 

 

 

-- BHa

Willkommen auf Kindle, Major PERRY RHODAN!

„Flammenspeere durchzucken die Nacht, als die STARDUST inmitten einer Feuersäule abhebt und die Erde hinter sich lässt. Ihr Ziel ist der Mond. Chefpilot und Expeditionsleiter der STARDUST ist ein Major der US Space Force. Sein Name: PERRY RHODAN.“

Perry_Rhodan Wir freuen uns, dass jetzt erste 170 Perry Rhodan Bände auf Kindle zu lesen sind.

Seit ihrem Start Anfang der 60iger Jahre, ist diese Reihe das Synonym für Science Fiction in Deutschland. Getragen vom ungebrochenen Fortschrittsglauben der Zeit brechen Perry Rhodan und seine Freunde auf zum Mond und entdecken fremde Rassen (Arkondiden, Individualverformer, Cappins …), Maschinenwesen, unerhörte Technologien und Lichtjahre entfernte Galaxien. Sie finden dort Freunde und  (damit es spannend bleibt) sehr viel mehr erbitterte, unmenschliche Feinde. In vielen tausend Einzelbänden, in Heftchen und Taschenbüchern entwickeln sich parallele Erzählstränge und Nebenwelten, alle charakterisiert durch die vom Format vorgegebenen charakteristischen kurzen Spannungsbögen. Action steht neben detailverliebtem Ausgestalten von interstellaren Raumschiffen und verleiht den einzelnen Erzählzyklen, die sich über Tausende Jahre entwickeln, ihren einzigartigen Reiz, der den Serien auch den Sprung in die Herzen vieler Fans außerhalb Deutschlands ermöglichte. Übersetzungen und Adaptionen in vielen Ländern waren die Folge.

Jetzt auf Kindle z.B. Silberband 21 - Straße nach Andromeda, der Start des beliebten "Meister der Insel"-Zyklus, Silberband 94, der Start in den Bardioc Zyklus oder Band 2600, der Start in den neuen Zyklus.

Oder auch die ersten 50 Heftromane in einem Komplett-Band mit Perry Rhodan - Zyklus 1: Die Dritte Macht, in dem die Terraner mit Hilfe von auf dem Mond gestrandeten uralten Sternfahrern die Grenzen nationaler Politik und Denkweisen überwinden. Zu naiv? Ja, aber sympathisch und spannend.

-- CSc

Als das Jahr 2006 noch Zukunft war: William Gibsons Idoru-Trilogie

Idoru Der kanadische Schriftsteller William Gibson hat in den knapp 30 Jahren seiner Karriere einen erstaunlichen, aber letztendlich nur konsequenten Wandel vom Science-Fiction-Erneuerer zu einem der wichtigsten englischsprachigen Gegenwartsautoren frei von allen Genre-Stigmata vollzogen. Ständig innovativ, technologisch, soziologisch und kulturell immer auf der Höhe der Zeit – es ist eine seltsame Vorstellung, dass der 63-jährige rein rechnerisch kein Junger Wilder mehr ist.

Ein bisschen in Vergessenheit geraten ist heute, völlig zu Unrecht, der mittlere Teil seines bisherigen Schaffens, der eine Art Bindeglied zwischen den Cyberpunk-Romanen der Neuromancer-Trilogie und den literarischen Techno-Thrillern der letzten Jahre darstellt. Dabei müssen sich die Romane Virtuelles Licht, Idoru und Futurematic, die jetzt als Die Idoru Trilogie gesammelt neu aufgelegt wurden, keinesfalls hinter Gibsons alten Klassikern und neuen Bestsellern verstecken.

Ganz im Gegenteil. Insbesondere Idoru, den zweiten Roman im Sammelband, möchte man mit Superlativen nur so überschütten. Es ist nicht nur Gibsons bis dato bester Roman, es ist überhaupt einer der besten Science-Fiction-Romane der Neunziger, einer der besten Tokio-Romane der Neunziger, generell einer der besten englischsprachigen Romane der Neunziger, und eigentlich könnte man den Zeit- und Sprachraum auch noch ausweiten. Ist Gibsons allseits verehrtes Debüt Neuromancer vielleicht ein klitzekleines bisschen überschätzt, so wird Idoru ständig in inakzeptablem Maße unterschätzt. Im Zentrum der Handlung steht ein alternder westlicher Rockstar, der es sich in den Kopf gesetzt hat, ein virtuelles japanisches Popidol zu heiraten (idoru ist die japanische Entsprechung des englischen Wortes idol). Eigentlich geht es aber um die Geschichten der Menschen, deren Leben aus unterschiedlichen Gründen um das freudige Ereignis kreisen, zum Beispiel besorgte Fanclub-Mitglieder, Sicherheitspersonal, Datenspione, Schmuggler, Hacker und die russische Mafia. Figuren, die einem nahegehen und einen nach der Lektüre noch lange begleiten (sonst nicht die Stärke dieses Autoren), in einem berauschenden Szenario aus weitergedachter urbaner Wirklichkeit und digitalem Märchenwald.

Manches an der Oberfläche der drei Romane wirkt charmant veraltet, aber das ist kein Beinbruch. Science Fiction war noch nie gut darin, die Zukunft vorauszusagen. Die Vorstellung von virtueller Realität, die mit Datenhelmen und -handschuhen erlebbar ist, scheint heute genauso „herrlich Neunziger-Jahre-mäßig“ wie die Vorstellung von punkigen Fahrradkurieren als hippe Helden. Ganz zu schweigen davon, dass sich das mobile Faxgerät dann doch nicht durchgesetzt hat. Aber das, was zwischen den Zeilen steht, bleibt frappierend aktuell, etwa die Kritik an der Gentrifizierung alternativer Lebensräume oder die amerikanische Ur-Angst, dass die Asiaten bald alles übernehmen. Im Laufe der Jahre hat sich lediglich ein paarmal die Vorstellung verschoben, welche Asiaten genau das sein werden.

Idoru und der Vorgänger Virtuelles Licht, eine unterhaltsame und kluge Mischung aus Science Fiction und Noir-Detektivgeschichte,  haben in der Peripherie zwar ein paar Figuren und Motive gemein, können aber als eigenständige Werke gelesen werden. Mit dem Abschlussband Futurematic ist das schwieriger. Wie es sich für ein großes Finale gehört, kommen hier alle noch einmal auf die Bühne. Die Handlung spielt in San Francisco (Hauptspielort von Virtuelles Licht), Tokio (Idoru) und in zahlreichen virtuellen Welten. Nichts Geringeres als das Ende der Welt, wie wir sie kennen, steht bevor, aber wie das genau aussehen wird, und was unsere Protagonisten damit zu tun haben, ist selbst bei bester Kenntnis der vorangegangenen Romane schwer zu entwirren. Gibson wird häufig vorgeworfen, und dies nicht ganz zu Unrecht, er stopfe viel zu viele Ereignisse und viel zu wenige Erklärungen in seine Romane. Bei Futurematic stimmt das definitiv, aber dem Lesevergnügen muss das nicht komplett abträglich sein. Verständlichkeit wird in der Literatur und anderen Künsten eh überbewertet. Futurematic ist ein einziges Chaos, aber es ist ein wunderschönes Chaos. Einfach jeden Widerstand aufgeben und mitreißen lassen.

-- ANe

Zukunftsgeschichten über die Gegenwart: „Biokrieg“ von Paolo Bacigalupi

Biokrieg Gute Science Fiction handelt von der Gegenwart. Und gute Science Fiction ist in erster Linie gute Fiction. Beides demonstriert Paolo Bacigalupi in seinem Romandebüt Biokrieg so eindrucksvoll, dass es dafür prompt den Hugo und den Nebula Award gab, die beiden höchsten Auszeichnungen des Genres. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die literarische Welt außerhalb der Zielgruppe von Bacigalupis Talent Notiz nimmt, wurde doch sein zweiter Roman Ship Breaker (englisch) bereits für den über Genregrenzen hinaus renommierten National Book Award nominiert.

In Biokrieg schildert der amerikanische Autor eine Welt, in der sich die Zivilisation dank Umweltsünden und aus dem Ruder gelaufener Gentechnik weitgehend abgeschafft hat. Nur in Thailand, das sich von der internationalen Gemeinschaft rigoros abgeschottet hat, gibt es noch unverseuchte Nahrung und rudimentäre Technik, zum Beispiel Kurbel-Computer. Nach Bangkok hat es vier Menschen verschlagen, deren Lebenswege sich in einer spiralartig erzählten Geschichte immer näher kommen, bis sie hochdramatisch in einem Punkt zusammenlaufen: Ein vorgeblicher Fabrikleiter mit geheimen Plänen, ein Flüchtling auf der Suche nach einer Zukunft, eine idealistische Angestellte des Umweltministeriums und ein zum Dienen geschaffenes Kunstwesen, das sich von seiner devoten Konditionierung emanzipieren muss.

Bacigalupis Figuren sind psychologisch komplex, sein Weltentwurf ist originell und konsistent. Die Handlung des Romans entspringt den Handlungen der Figuren, ist nicht angewiesen auf gimmickhafte Zufälle. Es geht dem Autor darum, das Sittengemälde einer Gesellschaft zu malen, die von unserer nicht weit entfernt ist. Die Menschen können sich darin nur auf sich selbst und im Idealfall aufeinander verlassen. Korrupten Behörden und der nebulösen Regierung ist ebenso wenig zu trauen wie den Heilsversprechen der Religionen, sowohl denen der buddhistischen Leitkultur, wie auch denen der radikalen christlichen Sektierer, die von außen ins Land einfallen und sich nicht integrieren mögen. Abenteuerliche Fluchten und knochenkrachende Action beherrscht Bacigalupi, muss davon aber nur selten Gebrauch machen. Das Abenteuerliche ist nur ein Aspekt von Biokrieg, der mit seinen Sozialdramen und seinen entwurzelten Charakteren mehr von Charles Dickens und Casablanca hat als von konventioneller Genreliteratur. Nur dass Charles Dickens keine Science Fiction geschrieben hat, und dass in Casablanca keine mutierten Elefanten und Katzen rumlaufen.

--ANe