Blogs at Amazon

Thriller

Hörprobe zu "Stumme laute Schreie" - ein Thriller von Marion Schreiner

 

Hier geht es direkt zum Buch.

Brief zur Erscheinung des Thrillers "Todesspiel" von Andrew Peterson

Heute erscheint der zweite Thriller Todesspiel aus der Serie rund um Nathan McBride. Hier wendet sich der Autor Andrew Peterson an seine deutschen Leser und gibt schon einmal einen kleinen Ausblick, wie sich Nathan in ein Katz-und-Maus-Spiel mit der amerikanischen Regierung verstrickt:

Todesspiel

Trevanian: Im Auftrag des Drachen

TrevanianBond-Erfinder Ian Fleming und Bourne-Erfinder Robert Ludlum wurden ihrerzeit verdächtigt, hinter dem Pseudonym Trevanian zu stecken (tatsächlich handelte es sich um den Filmhistoriker Rodney William Whitaker). Angesichts ähnlicher Inhalte und Figuren ist das nachvollziehbar. Andererseits: Warum sollten diese Herren ausgerechnet für ihre besten Werke ein Pseudonym wählen? Literarisch war und ist Trevanian im Thriller-Genre eine Klasse für sich. Sein Stil ist geschliffen, sein Wissen scheint enzyklopädisch, und seine Romane bieten wirklich den Grad an Abenteuerlichkeit, den andere nur versprechen. Der neu aufgelegte Im Auftrag des Drachen (ursprünglich von 1972, 1975 von und mit Clint Eastwood verfilmt) bildet da keine Ausnahme.

Jonathan Hemlock ist Universitätsdozent und Kunstliebhaber. Seine Sammelleidenschaft finanziert er sich als geheimdienstlicher Auftragsmörder. Eigentlich mag er nicht mehr so recht, als ein neuer Auftrag reinkommt, aber er braucht dringend eine Finanzspritze für seine nächste Anschaffung. Außerdem enthält dieser Auftrag eine persönliche Komponente: er gibt Hemlock die Möglichkeit, den Tod eines geschätzten Kollegen zu rächen. Der Haken: die Zielperson ist noch nicht identifiziert. Hemlock muss selbst herausfinden, welches Mitglied einer Bergsteigertruppe der zu killende Killer ist. Ausgerechnet bei einem Besteigungsversuch der Eiger-Nordwand.

Einen gelungenen Unterhaltungsroman mit einer unsympathischen Hauptfigur zu schreiben ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Trevanian schafft es ohne Weiteres. Jonathan Hemlock ist ein gesellschaftlich integrationsfähiger Psychopath wie Sherlock Holmes, James Bond oder Hannibal Lecter. Große Gefühlsregungen sind nicht sein Ding. Freundschaften sind strengen Regeln unterworfen. Sex nimmt er mit, wo er ihn kriegen kann, und wenn es mal keinen gibt, ist es auch nicht schlimm. Leidenschaft verspürt er allenfalls für die schönen Künste, und auch da begeistert er sich eher für handwerkliche Präzision als für künstlerischen Subtext. Nein, liebenswert ist diese Figur nicht, aber überaus interessant. Das ist mehr als die halbe Miete, insbesondere, wenn die Geschichte um die Figur herum so präzise und dynamisch geschrieben ist, ohne Durststrecken und ohne übertriebene Action, voll politischem Sendungsbewusstsein und sarkastischem Witz. Dass einige der erotischen Begegnungen an Fantasien aus 70er-Jahre-Herrenmagazinen erinnern, ist zu verkraften. Es ist schließlich ein 70er-Jahre-Herrenroman. Daran muss nicht alles schlecht sein. Das meiste ist es ganz und gar nicht.

-- ANe

Michael Connelly: Black Box

BlackboxSeit 20 Jahren lässt Michael Connelly Harry Bosch ermitteln, zur Feier umspannt sein neuester Fall genau diesen Zeitraum. Während der Unruhen in Los Angeles von 1992 wird eine dänische Journalistin erschossen. Der Fall wird verschleppt und als ungelöst zu den Akten gelegt. Detective Bosch jedoch, der damals abberufen wurde, mag ihn nicht vergessen und findet 2012 eine heiße Spur: die Tatwaffe. Zunehmend erhärtet sich der Verdacht, dass die Journalistin kein zufälliges Opfer der gewalttätigen Ausschreitungen war, und dass der Mord noch nicht einmal mit denen in Zusammenhang stand. Die Spur führt in den Zweiten Golfkrieg, wo sie als Kriegsreporterin unterwegs war.

Schreiberische Experimentierfreude ist sicherlich nicht das erste, was einem zu Michael Connelly einfällt. Umso erstaunlicher ist es, dass seine bislang 17 Bosch-Romane nie demselben Strickmuster folgen. Die Fälle sind mal vertrackt, mal schnurgerade, mal steht die Politik im Vordergrund, mal die Psychologie, einige Romane sind entspannte Krimis, andere mitreißende Thriller, vereinzelt kommt Action auf. Nach einem aufregendem Auftakt im historischen Los Angeles unmittelbar nach Rodney King strapaziert Black Box ein wenig die Geduld mit etwas zu viel Schreibtischarbeit, aber die unerwartete Entwicklung des Plots, die wohldosierten Einblicke in Boschs Privatleben mit Teenager-Tochter und Lebensgefährtin und das höchst dramatische Finale entschädigen mehr als großzügig für ein paar Durststrecken. Dass nicht jede Nebenhandlung ordentlich aufgelöst wird, liegt in der Natur einer Serie: dies ist nicht das letzte, was wir von Harry Bosch, seinen Freunden und Feinden lesen werden. Zum Glück.

-- ANe

Totenfrau: Autor Bernhard Aichner im Interview

Bernhard Aichner hat mit Totenfrau einen viel beachteten Thriller geschrieben. Wir haben mit ihm über sein neues Buch und die Protagonistin Frau Blum geredet.

 http://ecx.images-amazon.com/images/I/412Y0uqLj3L._AA200.jpg

Die Heldin der Totenfrau ist ja nicht ganz alltäglich was ihren Beruf betrifft... was sie tut. Erzählen Sie uns ein bisschen von ihr.

Die Heldin des Romans heißt Brünhilde Blum. Sie hasst ihren Vornamen, und besteht deshalb seit ihrer Jugend darauf Blum genannt zu werden. Blum hat einen sehr ungewöhnlichen Beruf für eine Frau, sie ist Bestatterin und setzt sich in einem männlich dominierten Gewerbe durch. Was sie aber noch besonders macht, ist, dass sie Menschen umbringt. Blum ist Serienmörderin, sie rächt sich an den Mördern ihres Mannes. Das absolut Ungewöhnliche daran ist, dass man sie mag. Der Leser fiebert mit Blum mit, er heißt gut, was sie macht. Das ist das Neue und Besondere an diesem Buch und dieser Figur. "Die Totenfrau ist eine rasende Rachegöttin, die einen schauern lässt", heißt es in einer Rezension. Es hat großen Spaß gemacht Blum auf die Welt zu bringen.

Eine Heldin, die mordet. Eine Heldin, die man trotzdem mag. Gibt es da keinen Gewissenskonflikt? Moralische Bedenken? Wie sind Sie darauf gekommen?

Sie kennen die Geschichte von Edmond Dantes. Ich habe das Buch „Der Graf von Monte Christo“ als Kind gelesen und alle Verfilmungen gesehen, und ich war immer schon begeistert von dieser Rachegeschichte, von dieser Liebe, die Edmond Dantes genommen wird. Man betrügt ihn, stiehlt ihm sein Leben, man nimmt ihm alles, was er hat. Meiner Heldin geht es ebenso. Blum verliert ihre Liebe, ihr Glück. Alles zerbricht. Was sie erleiden muss, was sie erfährt, treibt sie an. Ihr Mann Mark wurde umgebracht, fünf Männer sind für seinen Tod verantwortlich. An diesen Männern rächt sie sich.

Sie haben einen Thriller geschrieben, aber man munkelt, dass Sie ja einen Liebesroman schreiben wollten. Was ist mit dem Liebesroman passiert?

Das Tolle am Schreiben ist ja, dass man das mixen kann. Das ist wie Fruchtsaft machen - in einem Buch kann alles stecken, die verschiedenen Zutaten machen das Ganze erst perfekt. TOTENFRAU ist ein Liebesroman und es ist auch ein Thriller, es ist beides. Denn ohne die Liebe geht nichts im Leben. Und ohne den Tod auch nicht, beide Motive sind seit jeher Grundpfeiler der Literatur. Die Liebe, die Blum nach vierundzwanzig Jahren findet, ist die Basis für alles, was passiert in dem Roman. Blum hatte eine fürchterliche Kindheit und Jugend, mit vierundzwanzig Jahren lernt sie Mark kennen, und das, woran sie nicht mehr geglaubt hat, passiert: das Glück küsst sie. Acht Jahre lang darf sie glücklich sein, sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, alles ist perfekt. Bis man ihr Mark nimmt. An einem Dienstag Morgen wird Mark von einem Rover überfahren. Unfall mit Fahrerflucht.  Die Liebe ist tot. Das ist alles sehr, sehr schrecklich, das alles passiert in den ersten paar Kapiteln. Diese Liebe wird beschrieben und man fühlt mit Blum mit. Egal was kommt, was sie tut. Man erlaubt es ihr.

Die Geschichte nimmt nach dem Unfalltod von Mark richtig Fahrt auf, aus dem Liebesroman wird schnell ein knallharter Thriller. Und trotzdem ist da immer dieser feine Ton. Gefühle werden in diesem Buch ganz groß geschrieben. Sind sie ein Romantiker?

Bestimmt bin ich das. Es ist wunderschön, wenn man mit Worten so was machen kann. Wenn Leser mir sagen, dass sie weinen mussten, dass sie bewegt waren. Ich möchte Geschichten erzählen, ich möchte unterhalten und ich möchte packen. Allem voran möchte ich Menschen rühren. Bewegen. Leser dazu bringen einzutauchen in meine Geschichten. Das ist wichtig. Dass meine Sprache das schafft, den Leser reinzuziehen und bis zum Schluss nicht mehr loszulassen. Tempo aufnehmen, Pausen machen, einatmen, ausatmen.

Stichwort Tempo. Man reitet ja wirklich durch dieses Buch, man beginnt zu lesen und kann nicht mehr aufhören. Ein Höllentempo ist das.

Das Schlimmste für einen Autor ist es wohl, zu langweilen. Ich möchte fesseln, Figuren schreiben, die den Leser packen. Eine tolle Geschichte erzählen. Mit meinen Worten. In meinem Tempo. Es gibt neben der Liebe nichts Schöneres.

 

--BHa

Das Grauen von Tyron Castle: Der Autor Raimon Weber im exklusiven Interview

Zum Erscheinen von Das Grauen von Tyron Castle lässt uns Raimon Weber hinter die Kulissen seines Werks schauen.

Weber 

Das Grauen von Tyron Castle ist nach zahlreichen Roman- und Serienveröffentlichungen Ihr erster historischer Thriller. Zugleich ist es der Anfang einer fünfteiligen Serie mit dem vielversprechenden Titel Die geheimen Akten des Sir Arthur Conan Doyle. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Arthur Conan Doyle zu Ihrem Protagonisten zu machen?

Raimon Weber: Fast jeder kennt Doyles Romanfigur Sherlock Holmes, aber auch das Leben des  Autors ist unglaublich interessant. Er war Arzt auf einem Walfänger und im Burenkrieg. Die Recherche für seine Geschichten und die darin enthaltenen Figuren betrieb Doyle sehr akribisch. Dabei hat er mit Sicherheit eine Menge gesehen und erlebt. So reiste er für den Roman Der Hund von Baskerville ins Dartmoor, um sich von der düsteren Atmosphäre inspirieren zu lassen.

 

Und wie kamen Sie auf die Idee, Arthur Conan Doyle könnte Mitglied in einer Gesellschaft für Parapsychologie gewesen sein? Was hat es damit auf sich?

Raimon Weber: Arthur Conan Doyle hatte ein reges Interesse an übersinnlichen Erscheinungen und war tatsächlich Mitglied dieser Gesellschaft. Für seine Studien gab er sehr viel Geld aus, besuchte Séancen, um mit den Seelen Verstorbener in Kontakt zu treten und war ein Freund des Zauberkünstlers Houdini. Er glaubte sogar an die Echtheit der Fotografien der Feen von Cottingley. Diese Geschichte wurde bereits zweimal verfilmt. Leider entpuppte sich alles nur als Trick zweier Mädchen. Wir begleiten Mr Doyle nun bei seiner Suche nach wesentlich unheimlicheren Dingen.

 

Was macht Ihnen als Autor daran Spaß, die Handlung in der Vergangenheit zu verorten? Ergeben sich daraus besondere Möglichkeiten?

Raimon Weber: Das späte 19. Jahrhundert und das frühe 20. Jahrhundert boten viel mehr Platz für das Geheimnisvolle. Schon eine Reise von London nach Edinburgh konnte ein Abenteuer sein. Die Nächte waren finster, und eine Nachricht verbreitete sich nicht in Sekunden um die ganze Welt. Wer an einem einsamen Ort in Gefahr geriet, durfte nicht wie heute auf schnelle Hilfe hoffen. Der Aberglaube war noch allgegenwärtig. Diese Vergangenheit ist ein wunderbarer Ort für unheimliche Geschichten.

 

Und warum das Serienformat? Worin liegt da der Reiz?

Raimon Weber: In jeder Geschichte wird eine neue Akte aus dem geheimen Archiv von Sir Arthur Conan Doyle aufgeschlagen. Wir gehen mit ihm darin durch die zumeist dunklen Tage seines Lebens und folgen ihm an die unterschiedlichsten Orte der Welt. Schottland zum Beispiel oder Südafrika und Spitzbergen. In einer Serie sind die Möglichkeiten nahezu unerschöpflich. Gleichzeitig kann ich so tiefer in seine Persönlichkeit eintauchen und sie glaubwürdiger gestalten. Außerdem kann man gewisse Ereignisse miteinander verknüpfen. Irgendwann gibt es dann Momente, wo mir die Figur beinahe lebendig vorkommt.

 

 Welche Autoren lesen Sie gerne—neben Arthur Conan Doyle? Haben Sie Vorbilder—und warum?

Raimon Weber: In meiner Jugend inspirierte mich der englische Autor John Christopher. Ein genialer Geschichtenerzähler, der neben Spannung auch Werte wie Freundschaft und Freiheit vermittelte. Vielen Dank, Mr Christopher! Heute lese ich aus Recherchegründen Sachbücher und jene Autoren, die sich wie ich gern mit den eher düsteren Dingen beschäftigen. Aber es heißt auch, dass gerade die Autoren böser Geschichten eher ausgeglichene Charaktere sind …

 

In Das Grauen von Tyron Castle begibt sich Arthur Conan Doyle nach Schottland, um ein schreckliches Verbrechen aufzuklären, und begegnet dabei unter anderem einem furchterregenden Unwesen. Können Sie verraten, worum es in seinem nächsten Fall gehen wird?

Raimon Weber: Ich erwähnte eben Spitzbergen. Jene Inseln weit im Norden. Ein idealer Ort, um Arthur Conan Doyle in Gefahr zu bringen. Fernab der Zivilisation! Und Hilfe ist nicht unterwegs …

 

--LBo

Martin Cruz Smith: Tatjana

TatjanaSeit 1981 lässt Martin Cruz Smith seinen Moskauer Polizisten Arkadi Renko in den zwielichtigeren Winkeln der russischen Gesellschaft ermitteln. Das hat seine Spuren hinterlassen: Inzwischen steckt eine Kugel in Renkos Kopf, die ihn bei zu viel Aufregung umbringen könnte. Dabei ist Aufregung wieder einmal programmiert. In Kaliningrad wird ein Dolmetscher ermordet. Er hinterlässt ein Notizbuch mit einem wirren Code, für den sich Gangster, Polizei und Presse gleichermaßen interessieren. In Moskau verschwindet die Leiche einer Journalistin, die angeblich Selbstmord begangen hat. Ebenfalls tot: Der Mafioso, mit dessen Sohn sich Renkos Ex nun vergnügt. Und dann hat der alte Ermittler auch noch Ärger mit seinem ungezogenen Ziehsohn, der unbedingt zum Militär will.

Martin Cruz Smith hat kürzlich bekanntgegeben, dass er seit geraumer Zeit an der Parkinson-Krankheit leidet und Tatjana nicht mehr komplett selbst tippen konnte, weshalb er große Teile des Manuskripts seiner Frau diktieren musste. Er habe seine Krankheit so lang wie möglich geheim gehalten, weil er nicht als „der Autor mit Parkinson“ gesehen werden wollte. Das ist verständlich, denn nun kann man tatsächlich nicht mehr anders, als sein neuestes Werk nach Auswirkungen der neuen Arbeitsweise abzutasten. Dabei fällt auf, dass Tatjana kompakter ist als andere Renko-Romane, aber keineswegs inhaltlich weniger komplex. Vermutlich handelt es sich sogar um Renkos komplexesten Fall seit langem.  Hier hängt wirklich alles mit allem zusammen; was als Sammlung loser Fäden beginnt, ergibt letztendlich ein festes, meisterlich gewobenes Geflecht. Wer diktiert, muss seine Gedanken stärker fokussieren als der, der frei in die Tasten haut. Vielleicht ist also die straffere Struktur, die dem Spannungsaufbau überaus guttut, der neuen Arbeitsweise geschuldet. Vielleicht ist Smith aber auch einfach ein Autor, der sich mit zunehmender Erfahrung zunehmend auf das Wesentliche konzentriert, zum Gewinn seiner Leser. Aufhalten lässt er sich von seiner Krankheit ebenso wenig wie Arkadi Renko von seiner Kugel im Kopf, der nächste Roman befindet sich bereits im Diktat. Wenn Tatjana ein Indikator ist, stehen uns Martin Cruz Smiths spannendste Arbeiten noch bevor.

-- ANe

Erstmals auf Deutsch: Thriller von Andrew Peterson

In den USA hat sich Andrew Peterson bereits einen Namen als Krimiautor gemacht. Zum Erscheinen seines ersten deutschsprachigen Titels Todesschuss hat er es sich nicht nehmen lassen, seine deutschen Leserinnen und Leser zu grüßen:

Todesschuss_Letter2 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lassen Sie sich von seinem Protagonisten Nathan mit in dessen Abenteuer ziehen.

--SMi

William Boyd: Solo

Solo

Filmisch geht es James Bond seit einigen Jahren wieder prächtig, aber literarisch scheint er in einer Identitätskrise zu stecken. Seit sich mit Raymond Benson 2002 der letzte festangestellte Bond-Romanautor verabschiedete, setzen die Rechteverwalter bei neuen Titeln auf Event-Charakter statt Kontinuität. So wird alle paar Jahre ein neuer Promi aus dem Hut gezaubert, der ein Buch nach eigener Fasson schreiben darf, ohne Rücksicht auf zuvor Geschehenes. 2008 blamierte sich Sebastian Faulks beim Versuch, mit der Stimme Ian Flemings zu sprechen. Jeffery Deaver gebar 2011 den Agenten gleich ganz neu, als moderne Figur in modernen Zeiten. Eine überraschend runde Sache, aus der gerne eine Serie hätte werden können. Nun allerdings ist mit William Boyd der nächste Gast-Starautor dran, der wieder sein eigenes Süppchen kocht und die Figur heim in die 60er holt. Das ist zwar schade um die verpasste Gelegenheit zu einer neuen Kontinuität. Ein Vergnügen ist Solo dennoch.

James Bond wird in das (fiktive) afrikanische Land Zanzarim berufen, um einen Despoten aus dem Weg zu schaffen und damit einen Bürgerkrieg zu beenden. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit einem Söldner, dem Bond nach Beendigung der Mission zwecks persönlicher Rache in die USA nachreist. Dabei muss er feststellen, dass in Afrika nicht alles war, was es gewesen zu sein schien.

Das Hauptaugenmerk liegt bei Boyd, wie bei Bond-Erfinder Ian Fleming, nicht auf überzeichneter Action, sondern auf der wendungsreichen Handlung und der lebendigen Schilderung der internationalen Schauplätze und des mondänen Lebensstils eines kosmopolitischen Schwerenöters. Dabei ist Solo ein Bond-Roman mit der Betonung auf Bond. Wir erleben Bond nicht nur als Abenteuerfigur, sondern auch als Liebenden (also nicht nur, wie zu erwarten, als Liebhaber), Mieter (seine Wohnung wird renoviert) und Zweifler (mit 45 fühlt er sich langsam zu alt für seine anspruchsvollen Aufgaben). Die Geschichte schreitet im angenehmen mittleren Tempo eines klassischen Spionagekrimis voran, ein Genre, das Boyd beherrscht. Genauso souverän beherrscht er die Beschreibung des Lebensgefühls im London der ausschwingenden 60er und der Zustände in afrikanischen Krisengebieten (Boyd wuchs in Ghana und Nigeria auf). Die Überraschungsversuche der Handlungswendungen sind unterschiedlich erfolgreich. Der scheinbare Verrat einer vertrauten Figur und ihre folgende Rehabilitierung sind ebenso sichere Bond-Bretter wie der anschließende Beischlaf zur Wiedergutmachung und der tragische Todesfall, der gerächt werden will. Auch wenn sie einem nicht vor Erstaunen die Sprache verschlagen: Dramaturgisch sind die Wendepunkte glänzend gesetzt und geben den Rhythmus für den bislang gelungensten Bond-Roman der Post-Benson-Ära vor.

-- ANe

Marisha Pessl: Die amerikanische Nacht

AmerikanischenachtÜberraschung gelungen: Marisha Pessl, das literarische Wunderkind von 2006, hat mit ihrem lang hinausgezögerten zweiten Roman Die amerikanische Nacht tatsächlich einen lupenreinen, waschechten, spülmaschinenfesten Schauerroman abgeliefert. Dass Vertreter der höheren Literatur mitunter von ihren Rössern hinabsteigen und, gern mit etwas gönnerhaftem Gestus, einen Abstecher in die vermeintlichen Niederungen der Genre-Literatur wagen, ist beileibe nichts Neues. Doch meist missbrauchen sie die Genre-Konventionen für literarische Fingerübungen und augenzwinkernde Meta-Spielchen. Nicht so Pessl: Ihr Roman hat keine Ambitionen über den Schauer hinaus, keinen doppelten Boden mit verstecktem Subtext. Zumindest nicht mehr, als ein anständiger Schauerroman haben sollte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der augenscheinliche Selbstmord von Ashley Cordova, Tochter von Stanislas Cordova, einem kultisch verehrten und extrem öffentlichkeitsscheuen Regisseur verstörender Filme, eine Art Mischung aus Dario Argento, Thomas Pynchon und Aleister Crowley. Ein Investigativjournalist nach dem Karriereknick, ein gescheiterter Musiker und eine verhinderte Schauspielerin glauben, dass hinter Ashleys Tod ein düsteres Geheimnis steckt. Sie stellen eigene Ermittlungen an, machen sich auf die Suche nach dem ominösen Vater.

Gestalterisch hebt sich Die amerikanische Nacht ein wenig vom Durchschnittsroman ab, denn der Text wird immer wieder unterbrochen von faksimilierten Dokumenten, etwa Zeitungsartikeln oder Webseiten. Letztendlich ist diese Form des Erzählens aber keine bedeutende Innovation gegenüber klassischen Brief- und Tagebuchromanen, spätestens seit Dracula ein beliebtes Stilmittel des Grusel-Genres. Neu ist allenfalls die liebevolle Durchgestaltung der fiktiven Dokumente. Nicht ganz zu Unrecht wirft das die Frage auf, ob die Autorin aufs Zeigen zurückgreifen muss, weil sie ihrem Erzählen nicht vertraut. Tatsächlich wirkt die Sprache mitunter verdächtig simpel, neigt gar zu schiefen Bildern und faulen Vergleichen. Man sollte das Marisha Pessl allerdings nicht ankreiden, sondern ihrem Talent zugutehalten: Hier spricht schließlich nicht sie selbst als allwissende und eloquente Erzählerin, sondern ein Ich-Erzähler, der nach allem, was wir von ihm wissen, nicht die hellste Leuchte im Schuppen ist. Der gelegentliche visuelle Ausbruch aus dem reinen Text mag nicht unbedingt notwendig sein, ist aber schlicht und einfach eine willkommene Abwechslung in einem Schmöker von 800 Seiten. Man hätte eher noch mehr davon Gebrauch machen dürfen, als ganz darauf zu verzichten.

Inhaltlich fährt Pessl das volle Grusel-Programm inklusive schwarzer Magie, Verschwörerzirkel und unheimlicher Anwesen auf. Kurz vor Schluss jedoch scheint es, als sei man doch nur einem literarischen Trick auf den Leim gegangen. Da tauchen plötzlich Lösungen auf, die weit vom Schlimmsten, was man sich vorgestellt hat, entfernt sind. Die tote Tochter, die verschwundenen Kinder, die Verbrennungsöfen – scheinbar gibt es nun Erklärungen, die zwar von menschlicher Tragik künden, aber nicht unbedingt von unmenschlichem Horror. Vielleicht wollte die Autorin dem Leser nur den Spiegel vorhalten, ihn als voyeuristisches, vorurteilsbehaftetes, nach größtmöglichem Elend gierendes Biest entlarven?

Doch nichts löst sich in eitel Sonnenschein auf. Mit nur wenigen geschickten Zügen wird das Geschehen zurückmanövriert ins Dunkle, Ungewisse, wo es für immer bleiben wird. Wer sein Heil in Auflösungen und Erklärungen sucht, wird mit einem anständigen Schauerroman nicht glücklich. Und Die amerikanische Nacht ist ein anständiger Schauerroman. Zum Glück.

-- ANe